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Redakteur: Sandmann
Kategorie: Politik
Veröffentlicht am: 13.11.2008 12:47

Altstadtsanierung: Wolfsteiner Wolf setzt Zeichen für Tradition und Moderne im Zeichen der Burg

Altstadtsanierung: Wolfsteiner Wolf setzt Zeichen für Tradition und Moderne im Zeichen der Burg

„Menschenskinder“, sagt Gerhard Kirch, „wenn der Schulbus vorbei kam, haben in der Ratsstube die Fensterscheiben gewackelt.“ Mit ausholenden Bewegungen beschreibt der Stadtbürgermeister von Wolfstein, wie die Fahrer der schweren Linienbusse ihre meterlangen Gefährte mehrmals täglich zwischen Rathaustreppe und Feuerwehrausfahrt hindurch manövriert haben, um pünktlich ihren Dienst an der Schule „Im Tauchental“ zu versehen. „Das ging hier damals haarscharf zur Sache“, sagt Gerhard Kirch.

„Damals“, das war vor Beginn der  Altstadtsanierung in Wolfstein und tatsächlich kann sich heute kaum ein Besucher vorstellen, wie es in Wolfstein aussah, bevor der noch junge Bürgermeister „seine Stadt“ zum Städtebau-Förderungsprogramm der Landesregierung angemeldet hatte. „Wir waren schon 1986 bei der Dorferneuerung dabei“, erinnert sich Gerhard Kirch, „aber unser Städtchen war den Herausforderungen des ständig zunehmenden Straßenverkehrs nicht mehr gewachsen.“ Kirch: „Unser Ziel war es, das städtebauliche Umfeld nachhaltig, für die Zukunft zu verbessern.“ Mit der Aufnahme Wolfsteins in die Städtebau-Förderung des Landes Rheinland-Pfalz war es gelungen die Kernbereiche der Altstadt ganz offiziell als Sanierungsgebiete ausweisen zu können.

Vom ersten Tag an begleitet wurde der „Umbau“ der Wolfsteiner Innenstadt durch das Kaiserslauterer Planungsbüro WSW und Partner GmbH. Geschäftsführer Dieter Wild:  „Bis Mitte der 1980er Jahre war Wolfstein ein gutes Beispiel für mittelalterliche Stadtstrukturen.“ Verwinkelte Gassen im Schutz einer strategisch günstig gelegenen, einstmals mächtigen Burganlage. Das Flüsschen Lauter, das es den Angreifern in früheren Tagen erschwert hatte, die noch heute in Teilen vorhandene, Stadtmauer zu stürmen. Mühlgraben und Bergwerk, die den Bürgern zu Ansehen und den Kaufleuten der Stadt zu einigem Wohlstand verholfen hatten. Und die Bundesstraße 270, die täglich bis zu 12.000 PKW-Einheiten in dieses Mittelalter-Idyll hat fließen lassen.

Heute schütteln selbst junge Wolfsteiner den Kopf darüber, dass dieselben Voraussetzungen, die Städten wie Tübingen oder Rothenburg ob der Tauber zu weltweitem Ansehen und einem nicht versiegenden Strom von Touristen verholfen haben, in ihrer Stadt zu nichts geführt haben, als zu Lärm, Gestank und einer nicht enden wollenden Blechlawine. Inzwischen aber hat sich das Bild gewandelt: Die Verlegung der Lauter samt Bundesstraße hat den Durchgangsverkehr aus dem Stadtkern verbannt. Die Mühlgasse lädt zum Flanieren entlang der alten Stadtmauer, in einem Parkdeck sind die Autos der Anlieger von Schlossgasse, Rechtenberg und Horst verschwunden. Und Dank der Aufweitung des Anschlusses „Im Tauchental“ an die alte Hauptstraße so wie eines neuen zentralen Parkplatzes, versehen auch die Schulbusse - ungefährdet und auf grader Linie - ihren Dienst, ohne die Fassade des historischen Rathauses in bedrohliche Schwingung zu bringen.

Dass die nun beinahe abgeschlossene Altstadtsanierung zwar nicht dazu beitragen könne, aus Wolfstein ein zweites Rüdesheim werden zu lassen, das gibt Bürgermeister Kirch mit einem Augenzwinkern zu. Dennoch aber ist es gelungen, „das Ruder herum zu reißen.“ Von der neuen, alten, Attraktivität des Städtchens zeugt nicht nur die Wiederansiedlung von Gewerbetreibenden im Kernstadtbereich. Stolz ist das Stadtoberhaupt auch auf die junge Generation von Unternehmern, die die Geschäfte und Gewerke ihrer Eltern zum Teil in der dritten Generation in Wolfstein weiterführen. „Das ist die Zukunft unserer Stadt“, sagt Gerhard Kirch und die Rührung ist dem 66-jährigen anzumerken, der eben dem Ende seiner letzten Amtsperiode entgegen regiert.

So sieht der scheidende Bürgermeister auch den symbolischen Abschluss der rund 20-jährigen Sanierungsarbeiten, das Brunnendenkmal des „Wolfsteiner Wolfes“, als ein Symbol für die Verbundenheit zwischen den Generationen in der kleinen Stadt im Königsland. Gerhard Kirch ist zuversichtlich, dass zahlreiche Spender dabei helfen werden, die Anschaffung des Denkmals zu sichern, denn die guten Ideen gehen dem rührigen Stadtoberhaupt lange nicht aus. Gemeinsam mit den Mitgliedern des Verkehrsverein plant Kirch derzeit den Ausbau von naturverträglichen touristischen Angeboten in der Region und natürlich gelte es auch künftig, „die guten Kräfte, die seit jeher in Wolfstein am Werk waren, für die Zukunft zu bündeln.“