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Redakteur: axelhaack
Kategorie: Unterhaltung
Veröffentlicht am: 16.06.2008 07:09

Menschen im Aufzug

Sind Sie ein Aufzugsmuffel, weil sie unter Klaustrophobie leiden oder eher ein sportlicher Typ, weil sie grundsätzlich Treppen hoch- und runterrennen? Schade ...

Falls Sie noch nie mit einem Aufzug gefahren sind, weil Sie keinen im Haus haben oder einen solchen wegen Ihrer ausgeprägten Platzangst bisher gemieden haben, dann können Sie leider nicht verstehen, von was ich hier rede.

Ich möchte vorweg schicken, dass jeder Mensch einen mehr oder weniger großen Sicherheitsabstand zu seinen Artgenossen braucht. Wahrscheinlich gibt es dafür auch einen bestimmten wissenschaftlichen Namen, aber das ist mir jetzt einmal egal. Jedenfalls achtet jedermann/jedefrau im Umgang mit anderen Menschen genau darauf, dass diese Distanz nicht unterschritten wird, weil sonst der Adrenalinspiegel steigt und die Abwehrmechanismen in Gang gesetzt werden.

So gesehen ist das Einsteigen in einen Lift immer eine ziemliche Überwindung, v. a. wenn man ihn nicht leer vorfindet. Eine 2. Person kann schon stören, weil man sich den engen Platz - ich gehe mal von einem gewöhnlich 4-Personen-Aufzug aus - teilen muss, v. a. wenn man sich nicht kennt. Wohin mit den Augen? Nur keine Berührung! Sollte man ein paar verbindliche Worte sagen, z. B. über die Hausordnung oder das Wetter? Was ist, wenn der Gegenüber nicht antwortet, weil er ein Muffel ist oder kein Deutsch versteht? Was soll ich tun, wenn mein Mitfahrer unangenehm riecht oder mich provozierend angafft? Um Gottes Willen, wenn jetzt auch noch der Lift stehen bleibt!

Noch problematischer wird die Situation, wenn sich mehrere Personen - in unserem Fall also 4 Personen - in den Aufzug zwängen. Da sinkt der Sicherheitsabstand auf Null! Die Fragen von eben tauchen wieder auf, nur noch brennender. Man kann die Befreiung richtig spüren, wenn der Lift endlich hält und alle Leute wieder rausquellen. Ein Stehenbleiben eines vollen Aufzugs wäre noch dramatischer, denn mit Sicherheit wäre ein Hering in dieser Dose dabei, der in Panik geraten würde. Was machen mit einem panischen Mitfahrer oder einer solchen Mitfahrerin? Eine schmieren, was häufig hilft in solchen Situationen. Keine Chance, denn sie kriegen Ihre Arme ja nicht hoch! Also dann doch besser ein Kopfnuss? Lieber nicht. Ich würde zurück schreien oder der schreienden Person auf die Fußspitzen treten, sofern diese denn erreichbar wären.

Ich habe mir angewöhnt, Menschen, die im Aufzug mitfahren, anzusprechen. Damit verlieren sich schnell die Beklemmungen auf beiden Seiten. In der Regel kommt auch immer eine Art Small Talk zustande. Neben den o. a. Themen schneide ich auch gerne solche an wie Tagespolitik, Sportergebnisse oder Schnäppchen im nahen Supermarkt. Manchmal wird einem sogar die Fahrtzeit zu kurz, wenn man gerade ins Gespräch gekommen ist. Nun gut, man kann es vor der Haustüre fortsetzen oder den Gesprächspartner oder die -partnerin abpassen, wenn der oder die wieder auch in den Lift einsteigen will.

Neulich stand mir eine unbekannte Brünette gegenüber. Ich war sicherlich nicht ihr Typ, schon allein vom Alter her. Als es mir gelang, einen Blick von ihr zu erhaschen und ein kleines Lächeln abzuringen, wechselten wir danach noch ein paar belanglose Worte, die leichte Sympathien für einander aufkeimen ließen. Ich ließ sie nach kurzer Fahrt zuerst aussteigen und wollte es auch gerade tun, da schloss sich die Aufzugstür wieder leise und versiegelte so den sehr angenehmen Duft der Brünetten. Also fuhr ich noch einmal die ganze Strecke hin und zurück, um voll und ganz in den Genuss dieses Aromas zu kommen, v. a. alleine. Am nächsten Tag stieg diese Dame mit einem kurzen Lächeln wieder ein, aber da war ich in Begleitung meiner Gattin. Ihr zuliebe setzte ich unsere angefangene Unterhaltung fort. Ich glaube, es ging um Einkäufe, die wir erledigen wollten. Da wir eine lange Liste abzuarbeiten hatten, blieb leider kein Zeit für andere Anwesende. Was aber die Luft im Lift anging, so hatten sich beim Aussteigen zwei Düfte harmonisch vereinigt: Chanel No5 und Magriffe, eine wahrlich traumhafte Verbindung ...