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Redakteur: Martin Boecker
Kategorie: Politik
Veröffentlicht am: 26.05.2008 23:05

Der Versuch, die neue Rechte zu verstehen

Es ist noch keinen Monat her, da fand die "Konservativ-subversive Aktion" statt. 20 junge Männer der neuen Rechten störten einen Achtundsechziger-Kongress in Berlin, machten ein bisschen Tamtam und hängten im Vorfeld Plakate auf, die darauf hinwiesen, dass die großen kommunistischen Führer, wie Stalin oder Mao, viele Millionen Tote auf dem Gewissen haben. Die Aktion verlief unspektakulär: Es flogen Zettel, ein Megaphon machte Lärm und einige Kongressteilnehmer skandierten "Nazis raus!". Das Medienecho war vorhanden, aber gering. Wurde der Kongress also von Nazis gestört? Und warum „subversiv“? Was ist los mit diesen Konservativen?

Vorbereitung, Ankündigung, Dokumentation der "Konservativ-subversiven Aktion"

Geistig vorbereitet wurde die "Konservativ-subversive Aktion" durch ideologisch-philosophische Publikationen aus dem Antaios-Verlag, angekündigt über E-Mails an Kunden des Verlages und begleitet durch den Weblog www.ungebeten.de. Zusätzlich dokumentiert und kommentiert wurde die Angelegenheit auf www.staatspolitik.org, der Internet-Seite des Instituts für Staatspolitik, einem konservativen Thinktank, und auf www.blauenarzisse.de, einem konservativen Online-Magazin. Der Verlag und der Thinktank hängen eng miteinander zusammen, bei beiden ist Götz Kubitschek eine zentrale Figur. In dessen Umgebung bewegt sich auch Felix Menzel, der Chefredakteur des Online-Magazins. Naheliegenderweise waren Kubitschek und Menzel die Organisatoren dieser "1. Konservativ-Subversiven Aktion".

Nun passen die Adjektive "konservativ" und "subversiv" nach allgemeinem Sprachgefühl nicht zusammen. Als "konservativ" gelten die, die zu bewahren versuchen, während "subversive" Tätigkeiten gemäß Wikipedia den "Umsturz einer bestehenden Ordnung durch Unterwanderung und Untergrabung" zum Ziel haben. Subversion kann aber auch als rhetorisches Stilmittel gebraucht werden. Um diesen Widerspruch zu verstehen, sollte man einen Blick auf das neurechte Verständnis des Begriffes "Konservativ" werfen.

Das neurechte Verständnis des Begriffes "Konservativ"

"Konservativ" zu sein, könne nicht als reines Bewahrenwollen definiert werden, man sieht sich als Vertreter für Vielgestaltigkeit und Leben. Es heiße zudem nicht, dass man unflexibel sei und Veränderungen generell ablehne. Man respektiere jedoch das "Gewachsene und Überlieferte" und veranstalte kein Gesellschaftsexperiment (wie die Achtundsechziger), welches gegenwärtig Schuld am "inneren Zerfall" der Gesellschaft sein soll.

Das "Erhalten" wird dem "inneren Zerfall" gegenüber gestellt, welcher durch übertriebene Gleichmacherei und übertriebenen Individualismus bedingt werde. Vielgestaltigkeit und Leben wiederum sorgten für eine ständige Veränderung, die "etwas Festes nötig werden" ließen, damit der Mensch hier nicht verloren gehe. Dieses Feste liege in Institutionen wie Familie, Kirche und Staat. Hiermit lässt sich auch die Affinität der Konservativen zu traditionellen Werten erklären.

Ein Kampfbegriff wie beispielsweise "Überfremdung" gewinnt vor diesem Hintergrund die Distanz zu faschistischem Gedankengut. Wenn ein Konservativer nämlich gegen "Überfremdung" argumentiert, dient das nicht dazu, das Fremde abzuwerten, schließlich ist dieses auch Teil von Vielgestaltigkeit und Leben. Es dient einfach dem Schutz des Gewachsenen, was durch zu viel Fremdes bedroht würde. Ähnlich kann auch bei anderen Kampfbegriffen wie "Nationalstolz", "Pluralismus" etc. argumentativ vorgegangen werden.

"Subversion" als Politik- oder als Stilmittel

In Deutschland seien die wichtigsten Schalthebel in Politik und Medien durch ein linkes Spektrum besetzt. Durch das Bedienen seiner Schalthebel übe dieses Spektrum gezielt Druck auf Konservative aus. Beispielhaft sei hier die öffentliche Debatte um das Amt des thüringischen Kultusministers genannt. Somit könnte man die Wahl des Begriffes "Subversion" so interpretieren, dass den Neurechten nur die Möglichkeit bleibt, ihre konservativen Vorstellungen im Verborgenen durchzusetzen, um so die bestehende Ordnung in ihrem Sinne umzustürzen. Passend hierzu wäre die konspirativ vorbereitete und überraschend durchgeführte Aktion mit Plakate kleben und Stören des Kongresses.

Auf Nachfrage per E-Mail gab Götz Kubitschek jedoch an, dass nächste Aktionen, die schon lange geplant seien und bald folgen sollen, sich "hin zu einer konservativen Form der Aktion" entwickeln. Im Zusammenhang mit einer anderen Frage gab er an, dass er inszeniere. Bei der Aktion gegen den Achtundsechziger-Kongress wurden per Plakat große kommunistische Führer angeklagt, mehrere Millionen Tote auf dem Gewissen zu haben. Somit liegt die Vermutung näher, dass die "Subversion" hier als Stilmittel einer Inszenierung gebraucht wird. Es sollen Widersprüche der linken Ideologie hervorgehoben werden, um die Linken bloßzustellen, zum Beispiel den Schrecken des Nationalsozialismus immer wieder anzuklagen, zeitgleich jedoch den Schrecken des Kommunismus zu verharmlosen.

Politik ohne Partei / Fazit

Laut Kubitschek seien der Begriff der "Partei" und die von ihm organisierten Konservativen einander "diametral entgegengesetzt". Die Vertretung der eigenen Interessen findet also außerparlamentarisch statt und will als oppositionell verstanden werden. Diese Adjektive erinnern an eine Zeit, in denen die Machtverhältnisse genau andersrum waren.

Zusammenfassend kann die eingangs gestellte Frage, ob die Störer Nazis waren, verneint werden. Die Störer waren zwar organisiert, sie waren auch rechts, aber vom "Faschistoiden" weit entfernt. Was mit den Konservativen los ist, wird sich zeigen. Bislang wurde zwar viel publiziert, geistige Vorarbeit geleistet und Strukturen geschaffen, spürbar sind die Konservativen allerdings noch nicht.

Quelle: http://www.ungebeten.de, www.staatspolitik.de, www.blauenarzisse.de, "Das konservative Minimum", "Siegfried Gerlich im Gespräch mit Erns Nolte"