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Redakteur: Melina
Kategorie: Freizeit & Reisen
Veröffentlicht am: 27.04.2008 13:38

Himmel über Südafrika

Südafrika

 

- Ein Reisebericht -

 

„Südafrika soll wunderschön sein, aber da wird man doch an jeder Ecke überfallen oder wird Opfer einer Schießerei.“

Mit solchen und ähnlichen Reaktionen wird man nicht selten konfrontiert, wenn man Bekannten oder Freunden davon erzählt, dass man 6 Wochen nach Südafrika fliegt. Zugegeben, auch bei mir drehte sich häufig der Magen um, wenn ich die vielen Horrorgeschichten über gewalttätige Kinder und Autoüberfälle hörte. Doch das rief zwar Respekt, aber keine Unsicherheit über meine Entscheidung hervor.

Am 02. August 2007 startete unser Flugzeug und sollte mich und meinen Freund für 6 Wochen aus dem Alltag, an das uns unbekannte Ende der Welt bringen. Um 5 Uhr morgens landeten wir in Kapstadt und nahmen uns ein Taxi, welches uns im strömenden Regen in Richtung Innenstadt brachte. Die menschenunwürdigen Holzhäuser der eingezäunten Townships konnten wir nur erahnen. Es ist kein Geheimnis, dass diese durch die Apartheid-Politik errichteten Wohngebiete für die schwarze, farbige und indische Bevölkerung existieren. Doch obwohl die Apartheid 1973 als Verbrechen gegen die Menschlichkeit erklärt wurde und damit die offizielle Rassendiskriminierung 1974, durch Aufstände der schwarzen Bevölkerung und eine, sogar im internationalen Raum, wachsende Anzahl von Apartheid-Gegnern, immer mehr Dynamik und Sicherheit verlor, findet man immernoch tiefe Spuren im heutigen Paradies. Die Townships sind eine davon, unübersehbar schmücken die fensterlosen Hütten die Vororte der wirtschaftlich immer stärker werdenden Städte. Meterlange Wäscheleinen sind gespannt, an denen viele kleine T-Shirts und Socken für die vielen Kinder hängen, die den Bevölkerungswachstum auf 2,5% im Jahr ansteigen lassen. Doch es ist nicht verwerflich, dass Menschen trotz solcher Lebensbedingungen sich viele Kinder wünschen. Abgesehen von der mangelnden Aufklärung, nicht nur durch zu wenig Mittel sondern auch dadurch, dass 29% der Bevölkerung Analphabeten sind und sich nicht für die Weisheiten des Westens interessieren, findet der Bevölkerungswachstum seinen Ursprung in der Tradition und Moral, bei der die Familie das Wichtigste im Leben darstellt, Halt spendet und  im Haushalt oder bei der Arbeit hilft. So ist es nicht verwunderlich, dass in den Townships, wie Langa und Guguleto, rund um Kapstadt ca. 2 Millionen Menschen in den Elendsvierteln leben, während Kapstadt selbst nur ca. 2,3 Millionen Einwohner in der Hauptstadt zählt. Der Anteil von arm und reich ist erschreckend unausgewogen und die Schere noch lange nicht geschlossen. Fährt man nachts über die Berge bei Kapstadt, leuchtet unten die riesige Stadt, mit einigen schwarzen, weiten Flecken. Dort liegen die schlimmsten Townships, ohne Strom und Wasserversorgung verschwinden sie in der Dunkelheit zwischen den tausenden kleinen Lichtern der wohlhabenderen Bevölkerung.

In der Ashanti Lodge, einer kleinen, märchenhaften Herberge am Fuße des Tafelbergs angekommen, verlangte der Taxifahrer 250 Rand (also ca. 25 Euro) und wir freuten uns über das Verhältnis von Preis und Strecke. Später sollten wir jedoch merken, dass wir, wie wohl jeder Tourist an seinem ersten Tag, viel zu viel bezahlt hatten. Unser Zimmer war spärlich eingerichtet, ohne Toilette, aber immerhin mit einem Bett im afrikanischen Stil und einer Tür auf die Terrasse direkt zum Pool. Trotz eines langen, schlaflosen Fluges machten wir uns um 8 Uhr morgens auf den Weg in die Stadt und wurden sofort mit einer Situation konfrontiert, die wir vielleicht aus Erzählungen und dem Fernsehen kannten, jedoch nicht aus dem richtigen Leben. Vor uns breitete sich ein weites Angebot an verschiedenen Cafés und Bistros aus,

auf der bekanntesten Einkaufsstraße Kapstadts, der Longstreet. Das Auffällige waren jedoch nicht die niedrigen Preise oder die individuellen Einrichtungen, sondern die einheitliche Hautfarbe der Gäste. Entweder schwarz oder weiß. Die Apartheid, die eindeutig noch nicht überwunden ist, erschreckte mich. Besonders, als ich mit der Zeit merkte, dass die meisten Cafés ohnehin von weißen besucht wurden und im Servicebereich ausschließlich schwarze arbeiteten, während der Geschäftsführer wiederum beinahe ausnahmslos weiß war. Nicht selten fühlten wir uns im Laufe der Reise unwohl, zwischen all den wohlhabenden Weißen zu sitzen und uns von den Einheimischen bedienen zu lassen. Jedoch ist es einem als Europäer leider fast unmöglich, dieser Rassentrennung aus dem Weg zu gehen. . Es ist erschreckend, wenn man an die Geschichte des Landes und den heutigen, ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas denkt: Nelson Mandela.

Der spätere Friedensnobelpreisträger lebte 27 Jahre als politischer Gefangener im Gefängnis auf Robben Island.  Als er am 11. Februar 1990 freigelassen wurde, bewegte das eine ganze Nation. Vier Jahre später fanden dann die ersten demokratischen Wahlen in Südafrika statt und Mandela wurde der Präsident der heutigen Republik Südafrika. Seine Liebe für das Land und der Kampf, den er für viele Menschen repräsentiert, wird in einem seiner Zitate deutlich: „ Mein Leben lang habe ich mich diesem Kampf des afrikanischen Volkes gewidmet. ich habe gegen weiße Vorherrschaft gekämpft. Ich habe gegen schwarze Vorherrschaft gekämpft. Ich habe das Ideal der Demokratie und der freien Gesellschaft hochgehalten, in der alle Menschen in Harmonie und mit gleichen Möglichkeiten zusammenleben. Es ist ein Ideal, für das ich zu leben und das ich zu erreichen hoffe. Doch wenn es sein soll, so bin ich für dieses Ideal auch zu sterben bereit.“

Bis heute steht Nelson Mandela für den Zusammenhalt und die Gleichberechtigung von schwarz und weiß, genau wie die Nationalflagge Südafrikas, welche am 27.April 1994 eingeführt wurde. Rot, Weiß und Blau sind die Farben der weißen Bevölkerung. Dabei steht Rot für das Blut, welches während der Befreiungskriege vergossen wurde, Blau für den Ozean und Weiß für die weiße Bevölkerung und den Frieden. Schwarz, Grün und Gelb sind wiederum die Farben der schwarzen Bevölkerung. Schwarz, für die schwarze Bevölkerung einstehend, Grün steht für die Naturreichtümer des Landes und Gelb repräsentiert die Bodenschätze Südafrikas. Die Flagge symbolisiert damit nicht nur die Geschichte oder die Natur, sondern sowohl die einheimische, als auch die eingewanderte Bevölkerung.

Schon bald trafen wir einen Freund von mir aus Deutschland. Seit 5 Monaten lebte er bereits in Kapstadt und arbeitete in einer Organisation, welche Stipendien an Jugendliche in Townships vergibt. Er erzählte uns von seinen Erfahrungen in Südafrika. Beispielsweise von der Philosophie der Polizisten, keine Weißen in ihren Autos anzuhalten und traurigen Schicksalen aus den Townships, die er wegen seiner Arbeit besuchte. Wir hingen an seinen Lippen und konnten es teilweise nicht fassen, was er uns berichtete. 6 Wochen später sollten wir ihn ein weiteres Mal treffen, doch dieses Mal waren wir diejenigen, die hunderte Geschichten zu erzählen wussten. Diese Zeit hatte uns viel über die Kultur, die Eigenarten und die ungeschriebenen Regeln Südafrikas gelehrt…schockieren konnte uns an diesen letzten Tagen nichts mehr.

Das Treffen brachte uns dann auch auf die Idee, auf den Lion’s Head zu klettern, einem der vier Berge die Kapstadt umgeben. Der Aufmarsch sollte eine halbe Stunde dauern, doch allein der Weg bis zum Fuße des Berges dauerte länger als das Doppelte der Zeit. Schon etwas außer Atem machten wir uns dann an den Aufstieg.

Der Lion’s Head hat einen breiten, grünbewachsenen Fuß und geht immer spitzer und felsiger nach oben. Ein zunächst seichter Staubweg erschien uns harmlos und wir waren guter Dinge. Mit der Zeit wurde es steiniger und umläuft man den Berg um die Hälfte, ist von laufen nicht mehr die Rede. Es wird steiler und die Wege so schmal, dass man an befestigten Ketten am Hang entlang balancieren muss. Ohne die Hilfe der Hände kann man sich nicht mehr sicher fortbewegen und teilweise sind die Felsvorspünge so hoch, dass Leitern zum hinaufklettern notwendig sind, während man sich ohnehin schon in schwindelerregender Höhe befindet. Zwei mal zogen wir es in Erwägung aufzugeben, tausende Mal schnappten wir schwitzend nach Luft, während wir uns fast menschenhohe Felsen hinaufhievten. Doch all die Anstrengung und die Frage, warum man sich nur für diesen Berg entschieden hat,verfliegt, sobald man tatsächlich die Spitze des Löwenkopfs erklommen hat. Dort bietet sich dem stolzen Kletterer ein atemberaubendes Panoramabild. Hier zeigen sich die 12 Apostel, der Signal Hill, der Devil’s Peak mit seiner bedrohlich aussehenden Spitze und der Tafelberg, welcher eine klare Linie zwischen Himmel und Erde zieht. Diese vier Berge wirken wie die Wächter der Stadt am Kap. Jeder für sich ist einzigartig, in seinem Namen und in seiner Form. Alle vier Berge zu besteigen ist mit Sicherheit ein individuelles Abenteuer und mit Garantie ein einzigartiges Erlebnis. Leider schafften wir nur den Lion’s Head und den Signal Hill. Auf diesen fuhren wir mit dem Auto hinauf, ergötzten uns jedoch nicht an einem Blick über die Küste, sondern an weißen, schweren Wolken, die die Wächter Kapstadts, wie so oft,  in einen dichten Nebel hüllten und uns in ihm verschwinden ließen. Dabei fehlte zwar der glitzernde Ozean und der Blick über das Land, doch in diesem Fall war es beeindruckender, wie der Nebel eine ganze Stadt und drei, über 650 Meter hohe Berge verschlucken kann.

Neben diesen faszinierenden Naturbildern- und ereignissen bietet die Umgebung Kapstadts auch eine aufregende Tierwelt. Zwar gibt es keine Tiere die den “Big Five“ (Elefant, Nashorn, Löwe, Büffel, Leopard) angehören, jedoch kreuzten in regelmäßigen Abständen Affen die Straße, während wir uns mit unserem gemieteten VW Golf 2er durch den Linksverkehr manövrierten. Trotzdem sollten wir Pavianen bereits in der ersten Woche viel näher kommen, als wir es uns erträumt hatten. Es begann mit einer Warnung unseres Vermieters Willi, ein deutscher der seit vielen Jahren in Kommetje lebt, ein Ort in der Nähe Kapstadts. Bei ihm wohnten wir 6 Tage und er erzählte uns, dass ungefähr einmal in zwei Monaten die Paviane die kleine Wohngegend überfallen und ein riesiges Chaos veranstalten. Als wir dann unser letztes Frühstück auf der traumhaften Benguela Terrasse, mit Blick über die flachen Häuser bis zum Meer und die dahinterliegenden Berge, genossen, eröffnete sich ein uns ungewohntes Bild. Ein kleiner grau-brauner Affe hangelte sich an den Fensterläden der Nachbarschaft bis auf das Dach. Ein paar Sekunden später war es nicht mehr nur ein Affe, sondern schon 15 Stück in den verschiedensten Größen. Hunde bellten, aus verschiedenen Ecken drang Gepolter und die Straßen schienen ausgestorbener als sonst. 2 Stunden lang jagten wir den Affen durch die Straßen hinterher, oder sollte ich eher sagen, die Affen jagten uns?!Es war ein ganzes Rudel. Unberechenbar sprangen sie von Haus zu Haus, fauchten die eine oder andere Hausfrau an, die versuchte sie mit einem Besen zu verjagen, oder saßen gemütlich vor einer umgekippten Mülltonne mit aufgerissener Mülltüte und machten sich über den Abfall her. Irgendwann überließen die Affen den Menschen wieder ihr kleines idyllisches Viertel, worauf die zwei, natürlich schwarzen, Wächter mit ihren Stöcken eher weniger Einfluss genommen haben.

Das Einzigartige in Südafrika ist die Verbindung von einem Afrika, wie man es sich vorstellt, einer außergewöhnlichen Landschaft, Tiere die man nur von Bildern oder aus dem Zoo kennt und einer vielfältigen, einzigartigen Kultur und einem ausreichenden Maß an Modernität, wie große Supermärkte, einem ausgebautem, geregeltem Straßensystem und meist sauberen, sympathischen Inneneinrichtungen. Doch diese Modernität hat auch ihre Schattenseiten, denn die soziale Situation ist weiterhin unterentwickelt und der Ex- und Importmarkt durch Zölle und Handelshemmnisse eingeschränkt. Repräsentativ dafür sind die Preise in den riesigen, modernen  Supermärkten, wo man an jedem Regal ein paar altbekannte Marken wie „Heinz“, „Nestle“ oder „Kellogg’s“ entdecken kann. Dabei handelt es sich selbstverständlich um Importgüter, welche man überall auf der Welt findet. Verwerflich dabei ist, dass diese Artikel meistens um 50% -70% billiger sind, als die mir unbekannten, einheimischen Marken, da diese mit solch einem Preisdruck nicht mithalten können. Dazu fehlt das nötige Kapital um billig zu produzieren, sowie die technischen Mittel.

Ich selber habe mich dabei erwischt, wie ich das viel billigere Heinz-Ketchup in den Einkaufskorb fallen ließ, anstatt ein auch sehr leckeres No Name Ketchup mit einem charmanten Indianderkopf auf dem Etikett auszuwählen. Die wirtschaftliche Situation kann durch eben diese globalen Einflüsse und Hemmnisse nur schwer voran kommen und wenn ich das Geld gehabt hätte, um mir ausschließlich südafrikanischen Artikel zu kaufen, hätte ich dem europäischen und amerikanischen Exportmarkt ohne zu zögern den Rücken gekehrt. Ein Reisender sollte sich im Klaren darüber sein, dass wenn er nach Südafrika reist, sein Kaufverhalten und seine Großzügigkeit eine größere Rolle spielen, als in einem Land wie Deutschland. Es wird so viel Schönheit und Freundlichkeit gegenüber Fremden geboten, dass die Gegenleistung dafür der nötige Respekt und das Bewusstsein über die nationale Situation sein sollte.

Als wir unsere Tour über die Garden Route, auf einer unübertrefflich schönen Autobahn begannen, wurde uns bewiesen, wie vielfältig und wechselvoll die Flora und Fauna Südafrikas ist. Wir trauten unseren Augen nicht, als wir unter strahlend blauem Himmel, hinter einem saftig grünen Weingebiet tatsächlich Berge mit schneebedeckten Gipfel entdeckten.

Der ständige Wechsel von Wäldern, riesigen Klippen, Schluchten, weiten Feldern und bewirtschafteten Gebieten, die beinahe an Deutschland erinnern, ließ uns staunen.

Die erste Nacht war gebucht, ungefähr 100 Kilometer von Kapstadt entfernt. Durch atemberaubende Gegenden und einen unvorstellbar goldenen Sonnenuntergang gerieten wir bald in die Dunkelheit. Schon die Fahrt auf der Autobahn, welche generell nur eine Spur in jede Verkehrsrichtung hatte, war ein nervenaufreibendes Unterfangen, besonders wenn der Gegenverkehr seine hohe Geschwindigkeit unter Beweis stellte. Als wir die Straße zu unserem zukünftigen Schlafplatz fanden, trauten wir unseren Augen nicht. Der Asphalt endete und vor uns erstreckte sich eine Staubstraße in die schwarze Nacht. Wir bogen ein, ohne zu wissen, wie lange uns dieser Weg ins Nichts führen würde. Über hunderte von Schlaglöchern hinweg und eine gute Stunde später fuhren wir immernoch, nervös nach der richtigen Einfahrt  suchend. Die Straße glich mit ihren vielen, steilen Hügel eher einer Achterbahn. Als ich in voller Verzweiflung nach meinem Handy griff, um nochmal genau nachzufragen wie wir ans Ziel gelangen sollten, wurde mir schlagartig bewusst, dass wir tatsächlich Nirgendwo in Afika gelandet waren. Das Handy hatte kein Netz und wir keine Hoffnung. Wir wussten nicht einmal, in was für einer Umgebung wir uns befanden, da wir seit 60 Kilometern kein elektrisches Licht mehr gesehen hatten. Nachdem wir uns dann noch auf einem Schrottplatz in einem Waldstück verirrt hatten, kam die Rettung. Ein anderes Auto bot uns seine Hilfe an und brachte uns in das wohl einsamste Camp der Welt. Mitten im Nichts tauchte das Buchu Bushcamp auf, ein solarbetriebener Platz mit 5 Strohhäuschen zum Wohnen. Mit Taschenlampe und Gaslampe ausgestattet richteten wir uns ein, als um 22 Uhr der Generator ausgeschaltet wurde und wir in der einsamen Finsternis saßen. Wagt man sich dann vor die Tür ins Freie, wird man von einer Stille und Dunkelheit umhüllt, die ein Stadtbewohner als beängstigend und unnatürlich empfinden würde. Nur die Sterne, und das sind unzählbar viele, da die Zivilisation mit ihren Lichtern fast hundert Kilometer entfernt ist, beleuchten mit ihrem seichten,silbernen Schein die Erde. Ansonsten gibt es Nichts, außer der unberührten, lautlosen Natur und unserem Flüstern, da wir es nicht wagten diese Ruhe zu unterbrechen.

Dieses Fleckchen Erde und viele weitere Perlen Südafrikas, fanden wir auf unserer Reise. Durch Zufall besuchten wir den De Hoop Nature Reserve und entdeckten nach einer langen Fahrt einen unberührten Strand. Die Dünen reichten so hoch und der Sand war so glatt und weiß, dass man glaubte in der Wüste zu sein, wenn man unten in den Wellen stand. Auf den 10 Kilometern Sand war keine Menschenseele. Das einzige Leben, was es an diesem Stück Paradies gab, waren die vielen Glattwale, die sich vor der Küste tummelten um, wie jeden Frühling, zu kalben. Genau an solchen Orten, wie diesem Strand oder Nachts in dem Camp, lernte ich ein bisher unbekanntes Gefühl kennen. Es ist das Gefühl von Ohnmacht gegenüber einer gewaltigen, schon immer dagewesenen Natur.

Sehr beeindruckend war auch der Übergang von der kraftvollen, blühenden Flora der Garden Route in die Klein Karoo Wüste. Es handelt sich hierbei zwar nur um eine Halbwüste, doch kaum erreicht man die Grenze der beiden Gebiete und hat ein paar schwindelerregend, hohe Berge umfahren, findet man sich in einer kargen, braunen Umgebung wieder. Oft sieht man Kilometer lang kein einziges Haus und wenn doch, handelt es sich meistens wieder um eine heruntergekommene Hütte mit Wäscheleine und ein paar Kühen. Dies ist oft der einzige Besitz der einheimischen Familien. Doch in dieser Wüste findet sich auch die Welthauptstadt der Straußen: Oudtshoorn. Sie ist unübersehbar durch die vielen, vorausgehenden Angebote zum Straußenreiten, für Straußenhamburger oder Straußenei. Es ist ungewohnt, bei jedem Steak darauf achten zu müssen, dass man nicht Strauß anstatt Beef serviert bekommt. Trotzdem lohnt es sich, diesen kleinen Umweg von der Garden Route aus zu unternehmen. Diese monotone Weite erinnert an alte Westernfilme und die Stadt bietet Attraktionen wie weiße Löwen, von denen es nur noch 300 Stück  auf der Welt gibt, oder die Cango Caves, Tropfsteinhöhlen, welche bis zu 3 km in die Swartberge hinunter führen und zu den schönsten der Welt gehören.

Die Landschaft in der Klein Karoo erinnert außerdem an die endlose Steppe im Addo Elephant National Park. Hier findet man zwischen den vielen, niedrigen und trockenen Büschen all die Tiere, für die Afrika bekannt ist. Der Park selber ist kein privates Gelände, was bedeutet, dass man mit seinem Auto ohne einen Führer durch die Steppe fahren darf. Aber das natürlich nur mit einer Geschwindigkeit von 40km/h, denn „Speed kills“, wie die Schilder im Park warnen. Dort verbrachten wir ein paar Tage und erfuhren am eigenen Leib, was es bedeutet an einem riesigen Elefanten vorbeizufahren, oder eine halbe Stunde warten zu müssen, da zwei muskulöse Büffel uns den Weg versperrten und gemütlich aus einer Pfütze tranken. Was das Fressen und gefressen werden betrifft, hätten wir eindeutig zu den Gefressenen gehört, was uns in manch einer Situation ängstlich bewusst wurde.

Es ist mir nicht möglich, all meine Erlebnisse aufs Papier zu bringen, denn ich weiß dass ich auf meiner Rückreise am 12. September 2007 eine solche Menge an Erinnerung und Erfahrung mitgenommen habe, dass ich diesen Artikel niemals beenden könnte.

An diesem Tag endete unser Abenteuer auf dem schwarzen Kontinent und ich komme zu folgendem Schluss:

In Südafrika ist der Himmel schöner, die Gesellschaft gespaltener und die Umgebung aufregender als in jedem anderen Land, das ich bereist habe. Ich habe viel gesehen, was mich erschreckte, doch die paradiesische Schönheit dieses Landes sorgt dafür, dass ich mir jeden Tag wünsche, irgendwann dorthin zurückzukehren.