
Kabarettisten gibt es viele in Deutschland. Überlegen wir mal: Hape Kerkeling, Dieter Nuhr und Mario Barth haben sich bereits in der Komikerbranche etabliert und füllen große Hallen mit unzähligen Besuchern Ihrer „Konzerte“. Langsam un(d )sicher versuchen kleinere Kabarettisten, Neulinge im sogenannten „Showbusiness“, für frische Luft zu sorgen. Soll nicht heißen, dass Kerkelings Schlämmereien oder Barths Frauengeschichten keine gute Unterhaltung sind - eher bilden die Genannten die Elite der Stand-Up-Unterhaltung - sie erreichen ein Massenpublikum und schaffen es, viele Preise abzuräumen. Das ist gut.
Noch besser finde ich allerdings Künstler, die sich auf die Kunst an sich und erst danach wenn überhaupt auf den Mainstream konzentrieren. Bodo Wartke ist Liedermacher und Kabarettist. Er spielt am Klavier, er reimt, er verbindet Komik, Theatralik und Klassik zu einem kulturellen Ganzen. Dabei bleiben Mozart und Bach genauso wenig wie Elvis und Co unberührt. Die Texte schreibt er selbst: Über sich und seine Welt. Dabei zieht er seine Hörer mit sich und präsentiert Ihnen auf einem musikalischen Tablett der Reimkunst die Gedanken eines Liedermachers über Gott und die Welt voller Charm und Humor, voller Selbstironie.
Und jetzt? Jetzt halte ich seine aktuelle Platte „Noah war ein Archetyp“ in den Händen. Wow! Gut durchdachte Gestaltung - das Booklet ist dick, Fotografien mit kreativen Motiven, begleitende Songtexte. Auf der Plastikscheibe befindet sich der Mittschnitt der Aufzeichnung im Alma Hoppes Theater in Hamburg. „Wenn Ihr Euch verewigen wollt: Einfach laut reinrufen“, fordert er das gut gelaunte Publikum auf. Und dann legt er los. Es ist alles vertreten: Liebeslieder á la „Achillesverse“ und Literarisches und Adaptionen der klassischen Musik á la „Ich denke, also sing ich“, abgerundet durch die typischen alltäglichen „bodischen“ Problemchen.
Witz, ja, der ist vorhanden. Für alle Fans der emotionalen Titel von Wartke gibt es viel Neues zu hören. Allgemein ist dieses Album eher emotionaler als seine Vorgänger ausgefallen. Auch ist der Sprachgehalt gestiegen, doch diese etwas andere Richtung macht „Noah war ein Archetyp“ aus.