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Redakteur: Olis_Abendshow
Kategorie: Skurriles
Veröffentlicht am: 29.01.2008 01:59

Wer im Glashaus sitzt...

Eines schönen Tages dachten Manuela und Rudolf Glogowski aus Oldenburg darüber nach, dass es mal wieder Zeit wäre, die Wohnung zu streichen. Doch keiner der beiden hatte so richtig Lust dazu. Nach langem Überlegen hatte man die zündende Idee! Man müsste die Wände einfach nur verkleiden, dann könnte man sich die regelmäßigen Malerarbeiten sparen. Gesagt, getan! Rudolf, der handwerklich ordentlich was auf der Kiste hat, so formuliert es zumindest seine Frau Manuela, begann nach und nach alle Wände der Wohnung mit Glas und Spiegeln kunstvoll zu bekleben.

Wer im Glashaus sitzt...

In den letzten 15 Jahren hat Rudolf so mittlerweile fast alle Flächen in der Wohnung verspiegelt, sogar die Küche ist komplett verglast. Mit starkem Sikaflex-Kleber halten auch die schwersten Spiegel. Oftmals klebt der gelernte Radio- und Fernsehtechniker auch mehrere Glasflächen und Ornamente übereinander. Ergänzt wird die eigenwillige Raumgestaltung durch die Sammelwut seiner Gattin. Sie ist ganz vernarrt in Murano-Glasfiguren.

Murano ist eigentlich eine Insel-Gruppe nordöstlich von Venedig, die durch Brücken verbunden ist. Weltberühmt wurde die Region durch die Glasbläserei. Man kann Murano getrost als Wiege der europäischen Glaskunst bezeichnen. Die Geschichte dieser Kunst reicht über 1000 Jahre zurück. Durch den beginnenden Tourismus am Anfang des 19. Jahrhunderts erlebte Murano ein erneutes Aufblühen. Die Einrichtung einer Glasfachschule auf Murano 1860 und die Gründung der Firma Società Salviati & Co. 1866 knüpfte bewusst an die Glaskunst der Renaissance mit ihren dünnwandigen Flügelgläsern, Faden- und Netzgläsern wieder an. Venezianische Glasgefäße der 50er und 60er Jahre sind von Farbe und Dekor her am Expressionismus orientiert. Knallbunte Streifen- und geometrische Op-Art-Dekore in der sogenannten vetro pezzato-Technik sind typisch für die Entwürfe. Heute sind die Straßenzüge der Insel Murano durch eine Vielzahl von Glasgeschäften geprägt und Muranoglas zum beliebten Sammlerartikel geworden. Manuela Glogowski ist auf Flohmärkten unterwegs, um die teuren und seltenen Stücke zu ergattern. Auch eBay und andere Tauschbörsen sind beliebte Treffpunkte für Murano-Begeisterte aus der ganzen Welt. Über 900 Clowns und andere Figuren hat die Schuhverkäuferin bereits gesammelt.

Zwar entfällt jetzt das lästige Renovieren und streichen der Wohnung, aber dafür muss fast täglich geputzt werden. Staub entfernt Manuela jeden Tag und alle zwei Monate wird jede einzelne Glasfläche und jede der wertvollen Murano-Figuren gründlich gereinigt. In der Küche fallen diese Arbeiten sogar täglich an. Kein Problem, meint die putzwütige Gattin, schließlich liebt sie ihre Wohnung und ihre Sammlerstücke so sehr, dass ihr diese Tätigkeiten leicht und gerne von der Hand gehen.

Die Glas- und Spiegelflächen gehen mächtig ins Geld, aber für die schöne und eigenwillige Wohnung verzichten die Eltern von zwei erwachsenen Töchtern gerne auf den Urlaub und anderen Luxus.

Rudolf Glogowski: „Das mache ich alles selber, mit meiner Frau zusammen und so wie wir die Zeit und das Geld dazu haben. Hier in diesem Haus haben wir das seit ungefähr elf Jahren. Seit dieser Zeit sind wir hier mit Spiegeln usw. am Probieren und am Machen und vorher hatte ich schon in der alten Wohnung auch schon gemacht, dass wir da Wände mit Spiegel verschönert haben. Das ist ein Hobby, welches mir sehr viel Spaß macht!“

Die beiden Kinder sind längst aus dem Haus und so hatte Rudolf hat im Obergeschoss Platz, sich eine kleine Werkstatt einzurichten. Hier entstehen alle Objekte in mühevoller Kleinarbeit. Früher arbeitete er bei Peguform in Oldenburg, wurde dann jedoch durch Rationalisierungsmaßnahmen arbeitslos. Nun versucht er, durch seine vielen handwerklichen Fähigkeiten ein neues Betätigungsfeld zu finden. Wenn der 53jährige eine neues Glasprojekt in Angriff nimmt, zeichnet er nichts auf, sein Pläne entstehen ausschließlich im Kopf und werden umgehend umgesetzt. Die besten Ideen hat er nachts ganz spontan und am nächsten Morgen geht’s dann sofort los.

Rudolf Glogowski: „Das habe ich alles im Kopf und da kommt mal was zu Stande, mit dem ich gar nicht rechne. Das ist zum Beispiel oben im Schlafzimmer der Engel, den man sieht. Der ist einfach so zu Stande gekommen, durch ankleben von Spiegeln und zusammensetzen ist ein Bild daraus entstanden.“

Geht einmal etwas zu Bruch oder fällt mal ein Spiegel von der Wand, weil der Kleber nicht richtig gehalten hat - kein Problem, Scherben bringen bekanntlich Glück, ein guter Anlass, ein neues kleines Kunstwerk zu entwerfen!

Wer Interesse an den Glas-Arbeiten hat, wendet sich einfach an die eingeblendete eMail-Adresse oder an Oeins.

Im Haus von Manuela und Rudolf Glogowski in Kreyenbrück sollte man wirklich nicht mit Steinen werfen!


(Transkription eines Radiobeitrages. Anhören unter: http://www.olisabendshow.de/ - Sendung Nr. 13 vom 16. Mai 2007)


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Quelle: http://www.OlisAbendshow.de