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Redakteur: Olis_Abendshow
Kategorie: Skurriles
Veröffentlicht am: 28.01.2008 08:19

Gentle-Hair - Ein besonderer Herrenfriseur in Oldenburg

Ein neuer Salon macht von sich reden: In erotischer Atmosphäre kann man(n) jetzt seinen Friseurbesuch genießen. Mit einem Glas Dom Perignon-Champagner entspannt der Kunde während der Kopfmassage gleich doppelt, ebenso wird die klassische Nassrasur wie in alten Zeiten angeboten. Warum aber bestehen die Frontscheiben des Ladenlokals aus Milchglas? Welches süße Geheimnis verbirgt sich im inneren des Salons, in dem ausschließlich Männer bedient werden? OLi’s Abendshow klärt auf!

Gentle-Hair - Ein besonderer Herrenfriseur in Oldenburg

Über das Thema Haare wurden schon ganze Musicals geschrieben. Die meisten Frauen lassen sich gerne und oft die Haare schneiden und frisieren. In Oldenburg will ein neuer Salon die gleiche Begeisterung jetzt auch bei den Männern hervorrufen. GentleHair heißt ein neues Geschäft an der Hauptstraße. Um die Herren der Schöpfung nach Eversten zu locken, hat sich der Inhaber Johann Hamm ein ganz neues Konzept ausgedacht...

Johann Hamm: “Für viele Männer ist der Friseurbesuch ein notwendiger Pflichttermin, der mit wenig Freude nachgekommen wird. Auf der anderen Seite werden Angebote für Wellness, Entspannung in Kombination mit Genuss begeistert wahrgenommen. Unser Gedanke war - in kleiner Gruppe kamen wir auf die Idee - den Friseurbesuch für den Herren einfach attraktiver zu gestalten.”

Dieses neue Wellness-Konzept umfasst unter anderem die klassische Nassrasur, wie man sie aus vergangenen Zeiten kennt. Diese Dienstleistung wird kaum noch angeboten und ist auch nicht mehr Bestandteil der Friseur-Ausbildung. Der Kunde wird mit warmen und kalten Kompressen auf die scharfe Klinge vorbereitet. Die Friseurinnen werden für diese Tätigkeit speziell geschult, um die Rasur möglichst hautschonend und angenehm zu gestalten. Sehr viel Zeit nehmen sich die ausschließlich weiblichen Angestellten auch für eine entspannende Kopfmassage.

Der Salon ist sehr aufwendig gestaltet. Von Massenabfertigung wie bei den großen Friseurketten üblich, ist hier keine Spur.

Johann Hamm: “Die Exklusivität soll sich auch darin äußern, dass der Kunde diese Behandlung ungestört wahrnehmen kann. Es ist so, dass hier der Kunde eben nicht mitgefönt wird, wenn der Nachbar gefönt wird und es ist auch so, dass er sich nicht beobachtet fühlt, wenn er irgendwelche Alufolien im Haar hat, mit denen irgendwelche Strähnchen herausgebildet werden sollen, er ist also völlig ungestört und kann die Zeit genießen, unbeobachtet und mit angenehmer Musik. Das einzige Gespräch, was er dann zu seiner Entspannung führen kann, wenn er will, ist eben mit der Friseurin, die ihn frisiert!”

Von außen kann man nicht in den Salon hineinschauen, denn die Scheiben bestehen aus Milchglas. Und das hat einen guten Grund! Inhaber Johann Hamm bietet seinen zahlenden Kunden nämlich noch ein besonderes Highlight an! Die fünf Damen, die im Salon beschäftigt sind, tragen ein ganz spezielles Oberteil: eine schwarze, durchsichtige Bluse.

Johann Hamm: “ Das ist mit so die besondere Note dieses Salons. Männer sind so konditioniert durch die Evolution, dass eine attraktive Frau immer einen Blickfang darstellt. Wir sind bemüht, attraktive Mitarbeiterinnen, die handwerklich vorzüglich ausgebildet sind, da schon den Männern auch Lust machen, herzukommen. Die Oberteile sind teilweise maßgeschneidert.”

Cindy Reuter arbeitet hier bereits seit der Geschäftseröffnung. In ihrer Heimatstadt Rostock fand sie keinen adäquaten Arbeitsplatz. Im Internet wurde sie auf das Stellenangebot aufmerksam und so zog es sie nach Oldenburg. Erst im Vorstellungsgespräch erfuhr sie von den tiefen Einblicken, die ihre Arbeitskleidung gewähren würde.

Cindy Reuter: “Wir hatten ja diese Eröffnung am 16. November und das war ein bisschen ungewohnt. Aber dadurch, dass wir mehrere waren, wurde einem das unsichere Gefühl gleichzeitig auch genommen. Erster Arbeitstag war ungewohnt, aber nicht merkwürdig, weil die Kunden sehr positiv auch waren. Es gab ja nichts Negatives! Es ist angenehm, die Kunden sind sehr nett, das Team ist super! Wir haben oft viel Spaß nebenbei! Ja, also eigentlich normal, wie sonst auch! Wenn man morgens zur Arbeit kommt und sich hier seine Sachen anzieht, dann ist das ganz normal, es ist nichts ungewohntes mehr, man fühlt die durchsichtige Bluse nicht mehr, man bemerkt es gar nicht mehr. Man achtet auch bei den Kolleginnen nicht drauf oder überhaupt, es gehört einfach dazu mittlerweile!”

Offenbar fühlt sich Cindy wohl in ihrer Haut. Doch hat sich ihr Bild von den Männern in den letzten fünf Monaten verändert?

Cindy Reuter: “Nö. Mein Bekanntenkreis weiß das auch, ein Großteil meiner Familie weiß es und da findet es keiner schlimm. Meine Mitmieterinnen im Haus haben, als es im Fernsehen lief, geschmunzelt und es wurde nachgefragt, natürlich, aber wenn man es bestärkt und dahinter steht, denke ich, ist das kein Problem. Meine Mama war hier, die hab ich mal mitgenommen nach Feierabend, als sie hier war, im Urlaub, da hab ich ihr die Oberteile gezeigt und ich hatte mich natürlich vorher mit ihr beraten. Sie sagt: ‚Geh deinen Weg, wenn nicht, du hast deine Probezeit, probier es aus und wenn es nicht geht, dann geht’s nicht! Und wenn’s geht, nutz deine Chance!’”

Alle großen Radio und TV-Stationen berichteten bereits über den Salon und die durchsichtigen Blusen. Das gewaltige Medienecho ruft aber auch einige Stimmen auf den Plan, die ganz uns gar nicht begeistert sind von den fast barbusigen Friseurinnen. Aber Schlagworte wie zum Beispiel Sexismus lassen Geschäftsführer Johann Hamm ganz kalt.

Johann Hamm: “Nun, das ist ein großes Wort, für eine kleine Sache. Wir haben schon eine sehr gelebte Doppelmoral, was das angeht. Ich meine, die Stadt Oldenburg steht so ein kleines bisschen konservativ da im bundesweiten Gefüge. Aber auch die Stadt Oldenburg ist sich darüber im Klaren, dass der Wellness-Bereich schon attraktiv ist, wenn auch attraktive Menschen sich darin bewegen, nicht umsonst hat man im OLANTIS-Bad so groß investiert und einen Wellness-Bereich geschaffen und man kann hinsehen, wo man will, Produkte werden angeboten und verkauft in Kombination mit attraktiven Menschen, ob das Männer sind, Frauen und natürlich auch immer in Kombination mit Haut, mit attraktiven Körpern, mit hübschem Äußeren. Und ich denke, Sexismus ist da ein Vorwurf, der keine Basis hat in diesem Zusammenhang! ”

Es bleibt abzuwarten, ob eine Stadt wie Oldenburg reif ist, für ein solches Konzept und ob Mann sich bei GentleHair wohlfühlt. Die Huntestadt ist für den Betreiber Johann Hamm ein Versuchslabor. Wenn es hier klappt, dann funktioniert es überall, meint er im Hinblick auf mögliche Expansionspläne. Die exklusiven Dienstleistungen haben natürlich auch ihren Preis, so ist ein Haarbad mit Kopfmassage, Haarschnitt, und sogenanntem Finish für stolze 42 EUR zu haben. Manch einer vermutet hinter GentleHair mehr als einen Friseursalon. Tatsächlich waschen, schneiden und fönen die Damen sehr gerne, für weitere Dienstleistungen nach Feierabend stehen sie jedoch nicht zur Verfügung!


(Transkription eines Radiobeitrages. Anhören unter: http://www.olisabendshow.de/ - Sendung Nr. 11 vom 18. April 2007)


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Quelle: http://www.OlisAbendshow.de