Ergebnis des Abschlussberichts “Modellprojekts zur Schaffung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und eines neuen Begutachtungsassessments”. Pflegestufen sollen stärker differenziert werden.
Gemäß des Abschlussberichts der Hauptphase I des “Modellprojekts zur Schaffung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs und eines neuen Begutachtungsassessments” sollen die Pflegestufen stärker differenziert werden.
Pflegebedürftigkeit soll neu definiert werden. Es soll nicht mehr der Hilfebedarf, sondern die “gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit“, die eine personelle Hilfe in den Bereichen
- Mobilität,
- Bewältigung psychischer Anforderungen und Problemlagen
- Selbstversorgung
- Bewältigung krankheitsbedingter Anforderungen und Belastungen, sowie
- Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte
im Mittelpunkt der Begutachtung stehen.
Das neue Begutachtungsinstrument soll diese Aspekte erfassen und zu einer Untergliederung der Pflegebedürftigkeit in 5 Stufen führen:
- Stufe P1: geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
- Stufe P2: erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
- Stufe P3: schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
- Stufe P4: schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
- Stufe P5: besondere Bedarfskonstellation.
Damit soll zum einen gerontopsychiatrisch veränderten Menschen (Demenz) Rechnung getragen werden. Zum anderen sollen aber auch die Hilfebedürftigen, die heute keinen Anspruch auf eine Pflegestufe - trotz Hilfebedarf - haben, eine Einstufung erhalten.
Das Leistungsvolumen der Pflegeversicherung wird sich aber aufgrund des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs nicht erhöhen. Das heißt, dass dann zwar der einzelne eher eine Pflegestufe erhält, die Pflegebedürftigen aber geringere Leistungen erhalten werden, als bisher.
Die Diskrepanz zwischen den tatsächlichen Kosten der pflegerischen Versorgung und den Leistungen der Pflegeversicherung würde größer. Das heißt der Eigenanteil bei der “Teilkaskoversicherung zur Pflege” wird erhöht.
Die Regierung wird sich in diesem Jahr jedenfalls nicht mehr mit dem Thema beschäftigen. Denn es ist schließlich Wahljahr… Da haben unsere Politiker schließlich “wichtigere” Probleme.
Außerdem hatten wir doch gerade erst eine “wahlfördernde” Reform, bei der die Leistungen zumindest geringfügig erhöht wurden….
Vielleicht wird unsere zukünftige Regierung dann einen anderen Weg suchen, als den, der durch das Ergebnis des Modellprojekts aufgezeigt wird. - Schade um die Mühen der Beteiligten!
Insgesamt ist zu befürchten, dass sozialpolitisch immer mehr auf ehrenamtliche und niederschwellige (vor allem ausbildungsmäßig!) Angebote zurück gergiffen wird. Ist ja auch kein Wunder!
Für die Förderung der Autoindustrie ist - woher auch immer - Geld da, für die alten, schwachen, wahrscheinlichen Nichtwähler (da zu krank) muss man sich als Politiker nicht wirklich in die Eisen stemmen…