Die USA gilt in vielen Dingen ja durchaus als Hort des Konservatismus. Besonders in Sachen Sex sind die Amis oft hinterher. Prüderie und Doppelmoral sind da an der Tagesordnung. Und die alles andere als liberale Einstellung zur Sexualität zeigt sich neuerdings in geradezu skurril anmutenden Kursen: Denn da werden Seminare zur so genannten „Entschwulung“ angeboten.
Die USA gilt in vielen Dingen ja durchaus als Hort des Konservatismus. Besonders in Sachen Sex sind die Amis oft hinterher. Prüderie und Doppelmoral sind da an der Tagesordnung. Und die alles andere als liberale Einstellung zur Sexualität zeigt sich neuerdings in geradezu skurril anmutenden Kursen: Denn da werden Seminare zur so genannten „Entschwulung“ angeboten. Da soll die Homosexualität also quasi ausgetrieben werden. Mehr darüber kann uns nun Katja Gelinsky erzählen. Sie ist Mitarbeiterin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagzeitung in den USA.
Oli: "Hallo Frau Gelinsky!"
Katja Gelinsky: “Schönen guten Tag aus Washington. Hallo!“
Oli: “Frau Gelinsky, wie ist das Klima für Schwule in den USA? Hat das Land solche Kurse wirklich nötig?”
Katja Gelinsky: „Also hier ist es auch so, dass die soziale Akzeptanz von Homosexuellen tendenziell zunimmt. Das lässt sich auch daran ablesen, dass homosexuelle Partnerschaften rechtlich zunehmend gleichgestellt werden. Aber andererseits darf man eben nicht vergessen, dass die Vereinigten Staaten ein sehr religiöses Land sind. Und, da gibt es dann natürlich gewisse Probleme mit dem Thema Homosexualität.“
Oli: “Wer veranstaltet so etwas?”
Katja Gelinsky: „Das sind christliche Vereinigungen, die in verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten aktiv sind. Und sehr häufig sind dort Laien tätig. Also es gibt zwar auch eine Zahl von Therapeuten, die behaupten, man könne Homosexualität ändern. Aber, wenn wir jetzt über diese Entschwulungskurse sprechen, dann sind das häufig christlich-konservative Anbieter aus dem evangelikalen Milieu.“
Oli: “Wer besucht diese Kurse?”
Katja Gelinsky: „Das sind Homosexuelle, die selbst einen sehr stark religiösen Hintergrund haben. Und deshalb Schwierigkeiten damit haben, mit ihrer sexuellen Orientierung. Und nach Hilfe suchen.“
Oli: “Wie laufen diese Kurse ab?”
Katja Gelinsky: „Es ist so, dass da jeder so ziemlich macht, was er für richtig hält. Da gibt es einige Anbieter, die haben einen eher spirituellen Ansatzpunkt. Da wird dann viel gebetet. Dann gibt es andere, die versuchen mehr praktische Methoden. Da wird dann versucht bei homosexuellen Männern, deren Maskulinität zu stärken, indem ihnen gesagt wird, wie sie zu sprechen und zu gehen haben. Und dann gibt es noch ganz extreme Programme, die aber sehr, sehr selten sind. Da versucht man dann, den Dämon Homosexualität auszutreiben. Aber das ist keineswegs repräsentativ.“
Oli: “Wie ist die, nennen wir sie aus Sicht der Veranstalter mal, 'Erfolgsquote'?”
Katja Gelinsky: „Die Frage ist auch schwierig zu beantworten. Weil nämlich gar keine Statistiken geführt werden. Deshalb lässt sich das wirklich nicht sagen, wie erfolgreich so etwas ist. Zumal Kritiker dann natrlich auch noch sagen, ja wie sieht es denn aus, jemand, der behauptet, er ist jetzt nicht mehr homosexuell, ist es tatschlich der Fall? Oder redet sich das diese Person das nur ein?”
Oli: “Frau Gelinsky, vielen Dank für das Gespräch!"
Katja Gelinsky: „Ja bitte, herzlich gerne!“
(Transkription eines Radiobeitrages. Anhören unter: www.OlisAbendshow.de - Sendung Nr. 15 vom 20. Juni 2006)
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