Irgendwie passte es. Im Internet tauchten Gerüchte auf, dass Jan Ullrich an ein Comeback im Profi-Radsport denke. Nur wenig später gab die ARD bekannt, dass sie im kommenden Jahr die Tour de France nicht übertragen will. Zwei Nachrichten, die beide zeigen: Der deutsche Profi-Radsport steht vor dem Aus.
Eigentlich dachte man ja, es könnte nun nicht mehr schlimmer kommen. Seit Jahren bestimmt die Doping-Problematik das Geschehen dieser Sportart. Auch dem letzten deutschen Radsportfanatiker war spätestens nach der Aufdeckung der Doping-Systematik im ehemaligen Team Telekom inklusive der Geständnisse von einstigen Zugpferden des deutschen Radsports wie Erik Zabel und Rolf Aldag klar, dass diese Sportart einen kompletten Neuanfang brauchte. Fast 1 1/2 Jahre ist das nun her. Aber die Radsportwelt wollte wohl nicht verstehen. Ein Neuanfang ist nicht gescheitert; er wurde gar nicht erst versucht. Mit der “Opéracion Puerto”, die zur Aufdeckung der Praktiken des spanischen Doping-Arztes Fuentes führte, bot sich dem Radsport eine historische Chance. Fuentes hätte der Prozess gemacht werden müssen und die von ihm betreuten Fahrer hätten längst aussortiert werden müssen. Doch auch heute noch tauchen Namen wie Frank Schleck, Tyler Hamilton oder Oscar Sevilla in den Startlisten auf und involvierte Betreuer steuern weiterhin die Teamwagen. Selbst Fuentes kam ungeschoren davon, weil die spanische Justiz das Verfahren einstellte. Er habe, so die offizielle Begründung, die Gesundheit der Fahrer nicht gefährdet. Und auch in Deutschland entpuppte sich der Neuanfang spätestens in den letzten Wochen als grausiges Schauspiel. Stefan Schuhmacher, zweifacher Etappensieger der diesjährigen Tour de France und Hoffnungsträger für einen vermeintlich dopingfreien deutschen Radsport, wurde die Einnahme des Blutdopingmittels Cera nachgewiesen und auch sein Teamkollege im Rennstall Gerolsteiner, der Österreicher Bernhard Kohl, gestand während der Tour, die er als Gesamtdritter und Träger des Bergtrikots beendete, Cera genommen zu haben. Und ganz nebenbei gab der vielleicht größte Betrüger in der Radsportwelt, der 6-fache Tour-Sieger Lance Armstrong, bekannt, dass er nächstes Jahr wieder bei der Tour de France starten will. Eine Idee, an der nun wohl auch der bisher einzige deutsche Tour-Sieger und ebenfalls in den Fuentes-Skandal verwickelten Jan Ullrich Gefallen gefunden hat. Beide stehen wie niemand sonst für das alte System, dass man doch eigentlich längst hinter sich lassen wollte. Aber Steine in den Weg will ihnen anscheinend niemand legen. Die Tour-Direktion erteilte Armstrong bereits eine Startfreigabe. Bei diesem “Zirkus” ist der Ausstieg der ARD aus der Live- Berichterstattung eine logische und längst überfällige Konsequenz.
Die Folgen für den deutschen Radsport sind nun noch kaum zu überblicken. Fest steht nur, dass es ab 2009 auch keine Deutschland-Tour mehr geben wird. Ohne Fernsehen springen die Sponsoren ab und Zuschauer werden sich immer weiter von dieser Sportart abwenden, zumal sich mit dem Team Gerolsteiner nun der letzte deutsche Radrennstall der obersten Liga verabschiedet hat.
Der Sport wird wohl in den nächsten Jahren keine Rolle mehr in der breiten Öffentlichkeit spielen. Und so bitter es klingen mag: Dies ist nun der einzige Weg! Nur so hat der Radsport noch eine Perspektive.


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Kommentare
Lesari
07.12.2008 12:41
Welche Sportart, die eine breite Öffentlichkeit interessiert, wird nicht gedopt sein ? Wer selber Sport treibt, kann kaum glauben das manche Leistungen, wirklich ohne Mittelchen möglich sind. Und vielleicht findet der Radsport zu einem ehrlicheren Ansehen. Es ist Neuanfang, der ohne Sponsoren, vielleicht anders läuft. Lesari
paddytiss
21.10.2008 23:11
eine sportart am ende? wird es solche kommentare wohl auch dann geben, wenn endlich im fussball mit gleicher akribie, von journalisten gleichermassen wie von antidopingagenturen und justiz,nach dopingsündern gefahndet wird und die ergebnisse ähnlich niederschmetternd sein werden? werden die tv-anstalten dann ähnlich streng richten, wird bei fussball-wm, em, champions league oder bundesliga dann auch der bildschirm leer bleiben? allein,wo kaum gesucht wird wird auch kaum gefunden. und nur wo gehobelt wird,wie eben gerade im radsport, dort fallen auch späne. freilich scheint die fussball-lobby zu stark,als dass dort überhaupt ein wille bestünde, missstände aufzudecken. man wird wohl wissen weshalb. ich jedenfalls warte weitgehendst vergeblich auf die meldung, dieser oder jene fussballheld sei aus einer dopingprobe als "sauber" hervorgegangen. und gehe dann einfach mal davon aus, auch dort seien alle unsauber. mache ich's mir damit zu einfach? im zweifelsfalle für den angeklagten? nun denn, weshalb gilt dies dann nicht auch für all jene Radsportler, die bei den dort zumindest unzähligen Tests NICHT "positiv" auffielen?