
Rammpfahl-Gründung heißt die Königsdisziplin, wenn es um das Aufstellen von Strommasten in Böden geht, die erst in großer Tiefe den nötigen Halt geben. Vor allem in Norddeutschland bietet das Verfahren eine Alternative zu dem Ausheben und Gießen der üblichen Beton-Fundamente, denn letztere verändern nicht nur die Bodenstruktur in der Umgebung des jeweiligen Strommastes.
„Schon die Anfahrt der Bagger und von schweren Baufahrzeugen ist bei morastigen Böden und hohem Grundwasser-Spiegel eine Belastung für die Natur“, sagt Thomas Tübel. Der 42-Jährige ist Geschäftsführer und Mitgründer der ETM Consult GmbH im pfälzischen Landau. Das Unternehmen ist der größte Anbieter von Freileitungs-Bauarbeiten in Rheinland-Pfalz. Den jüngsten Auftrag der Vorderpfälzer, eine rund 21 Kilometer lange 110-kV-Starkstromleitung im Kreis Gifhorn (Niedersachsen), von der ersten Berechnung bis zur letzten Schraube selber zu montieren, bezeichnet Tübel dennoch als eine nicht alltägliche Herausforderung.
Bislang sind die Gemeinden Gamsen und Oerrel über eine 50 kV-Leitung an das Netz der LSW LandE-Stadtwerke Wolfsburg GmbH angebunden. Der Bau eines modernen Windparks und die anstehende Sanierung der aus dem Jahr 1954 stammenden Leitung haben dazu geführt, dass sich die Betreiber für einen kompletten Neubau entschieden haben. Der Baubeginn ist im Januar 2009 geplant, schon heute aber laufen im pfälzischen Landau die Vorbereitungen auf Hochtouren. Bis zum Ausrücken der Montagetrupps müssen unter anderem 104 Bodengutachten erstellt und Verhandlungen mit den Grundeigentümern geführt werden.
Dass nicht nur die Bauarbeiten, sondern schon die Entwurfsphase des Vorhabens von einer umfassenden Planung begleitet war, bestätigt Tübel auf Nachfrage. Die Berechnung einer alternativen Lösung, die Versorgung der Gemeinden über ein Erdkabel, hatte ergeben, dass eine unterirdische Verlegung der geplanten 110-kV-Leitung die Kosten der nun beschlossenen Freileitung um 276 Prozent übertroffen hätte. Auch hätten die Erdarbeiten einen unverhältnismäßig starken Eingriff in die empfindliche Flora und Fauna der Region ergeben. Thomas Tübel: „Das Gebiet hat eine große Bedeutung als Lebensraum von Brutvögeln.“ Rund 1.100 Hektar Niedermoorböden nordwestlich von Gifhorn gehören zu den größten Naturschutzgebieten des Landes Niedersachsen.
Diesen besonderen Gegebenheiten begegnen die Pfälzer mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen, die helfen, das sensible Gleichgewicht der Natur in der Region zu bewahren. Besonders stolz ist Tübel in diesem Zusammenhang auf den Einsatz einer Hochfrequenz-Vibrationsramme, die die acht Millimeter starken Stahlrohre, die als Träger der eigentlichen Strommasten dienen, im Sinne des Wortes, in den Boden vibriert. Die ETM Consult GmbH ist das dritte Unternehmen in Deutschland, das die komplexe Technik im Freileitungsbau einsetzt. Thomas Tübel erklärt: „Die Vibrationsramme versetzt die spätere Mastaufnahme in eine vertikale Schwingung.“ Verstärkt durch das Zittern des Rohres sorgt das gemeinsame Gewicht von Vibrationsramme und Stahlrohr dafür, dass Letzteres langsam und stetig in den Boden eindringt. Für den Transport und das Aufstellen der Maste setzt ETM Consult spezielle Raupenfahrzeuge und Mobilkrane ein, die mit ihren Ketten weniger Druck auf die Moorwege und Bauzonen ausüben, als dies bei Radfahrzeugen der Fall wäre. Um die empfindlichen Flächen zu schonen verlegen die Pfälzer einen fünf Meter breiten, mobilen Zufahrtsweg aus über 200 Holzbohlen mit einer Stärke von jeweils zehn Zentimetern.
Die Qualität der Planungs- und Baumassnahmen vor Ort stellt Thomas Tübel schließlich durch eine umfassende Zusammenarbeit mit der hessischen Elektro Zang GmbH (Bebra bei Kassel) sicher. Das ebenfalls auf Freileitungsbau und Kabelarbeiten spezialisierte Unternehmen gehört seit Jahren zu den Kooperationspartnern der ETM Consult GmbH und sichert unter anderem die Instandhaltung des Strom-Versorgungsnetzes der LSW LandE-Stadtwerke Wolfsburg GmbH .


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