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Unterhaltung | 13.06.2008 07:37  Drucker

Mit dem Regenschirm aus dem Haus


Mit zunehmendem Alter nehmen die Vergesslichkeiten zu. Oft sind es Kleinigkeiten, über die man noch schmunzeln kann und die man sich schnell verzeiht. Wenn sie größer werden, kommt man nicht immer so glimpflich davon.

Peinlich ist es schon, wenn Mitmenschen zuerst die Unzulänglichkeiten entdecken. Nehmen wir als Beispiel ein falsch zugeknöpftes Hemd an, eine nicht richtig geschlossene Hosentüre oder gar eine völlig offen stehende. Schlimm ist es auch, wenn Sie ein unterschiedliches Paar Schuhe zum Spazieren gehen anhaben. Wenn  man dann ertappt wird, findet man schnell eine Ausrede, die ironisch sein soll, oft aber die Peinlichkeit noch erhöht. Ich denke da an eine Hosentüre, die Sie nachträglich hastig schließen und dabei ein Stück Hemd einklemmen, sodass die Signalwirkung noch verstärkt wird.

Ihnen sind solche älteren Herren sicherlich auch schon begegnet. Ihr Problem ist es dann, den Vergesslichen auf das kleine oder große Missgeschick aufmerksam zu machen. Beim falsch zusammen geknöpften Hemd reicht oft ein Schmunzeln, während es bei der offenen Hosentüre schon hapert. Kennt man die auffällige Person etwas näher, kann man sich vorbeugen und ihr zuraunen: "Entschuldigen Sie bitte! Ich glaube, Sie haben einen Toilettefehler!". Handelt es sich aber um einen Unbekannten, übersieht man besser die Peinlichkeit und hofft darauf, dass der Gepeinigte bald einen netten Bekannten trifft, der ihm dann leichter aus der Patsche helfen kann.

Schwer einzuordnen ist auch der Fall, der mir unlängst passiert ist. Meine Gattin war in einem Geschäft für Nähzubehör. Ich blieb draußen, weil Nähen nicht so mein Ding ist. Ich bin eher der Grund für die Anwendung von Nähkenntnissen, wie ich gerne gestehe. Mein Blick war auf Passanten gerichtet, sicherlich auch auf Passantinnen. Als ich die Türe hinter mir gehen hörte, setzte ich mich in Bewegung in dem festen Glauben, meine Gattin würde mir auf dem Fuße folgen. Ich führte unser abgebrochenes Gespräch fort und bemerke plötzlich aus den Augenwinkeln, dass ich neben einer wildfremden Frau herlief. Entsetzt hielt ich die Hand vor den geöffneten Mund, blieb stehen und gesellte mich schnell zu meiner rückwärtigen Gattin, die kopfschüttelnd stehen geblieben war und mir nachgeschaut hatte. Es waren aber nicht viele Worte nötig, um ihr den Sachverhalt schnell zu erklären.

Als mittelschweren Fall beginnender Altersvergesslichkeit würde ich die Begebenheit von vorgestern bezeichnen, als ich vor der Haustüre stand, um einzukaufen. Ich hatte zwar einen Einkaufskorb in der einen Hand, aber statt des Regenschirms noch den Schuhlöffel in der anderen. Gravierend wurde der Fall erst, als ich zurück ging, um meinen Fehler zu korrigieren. Als ich nämlich wieder vor der Türe stand, hielt ich plötzlich nur noch einen Stockschirm in der Hand, weil ich den Einkaufskorb vergessen hatte. Kopfschüttelnd erledigte ich trotzdem meine Einkäufe. Es waren ja eh nur ein paar Kleinigkeiten. Die passten auch in meine Jackentaschen und in ein Gratis-Einkaufssackerl. Erst zu Hause stellte ich dann mein nächstes Missgeschick fest: Ich hatte meinen Schirm vergessen! Der war wahrscheinlich bei der Kasse stehen geblieben, weil ich da meine beiden Hände gebraucht hatte ...

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