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Kultur | 04.06.2008 21:11  Drucker

Berlin-Warszawa-Express


Wenn ich im Zug „Berlin-Warszawa-Express“ sitze, dann wird mir oft bewusst, dass Menschen wie ich durch das Leben in zwei Hauptstädten viel gewinnen. In Warschau entfaltet sich die Kultur und in Berlin interessieren sich die Menschen immer mehr für Polen.

Berlin-Warszawa-Express

Wenn ich im Zug „Berlin-Warszawa-Express“ sitze, dann wird mir oft bewusst, dass Menschen wie ich durch das Leben in zwei Hauptstädten viel gewinnen. In Warschau entfaltet sich die Kultur und in Berlin interessieren sich die Menschen immer mehr für Polen. Unterschiedliche Autoren und Kulturförderer erzählen mir von ihren Projekten, die einen laden mich zur Teilnahme ein, während die anderen mich um Ratschläge bitten. All das freut mich sehr, weil der deutsch-polnische Dialog warm war und warm ist. Dank der öffentlichen Initiativen, interessieren sich Menschen stärker füreinander und das unabhängig davon, ob sie in großen und kleinen Städten oder in den Grenzregionen leben.

Wissenschaftliche und populäre Publikationen sowie Übertragungen und Artikel bauen meistens die kulturelle Annäherung aus. In Warschau ist mir aufgefallen, dass in einigen Häusern der Kultur und Clubs Themen im Zusammenhang mit dem Westen zunehmend angesprochen werden. Im Haus der Kultur „Zacisze“ wurden sogar einige Treffen zu dem Thema organisiert. Zuerst wurden deutsche Lyriker und Lyrikerinnen, die ich ins Polnische übertragen habe, eingeladen und danach veranstaltete der Kulturförderer, Bogusław Falicki, im Haus der Kultur und im Club „Rio“ Lesungen über das Leben der Künstler im Westen.

Es kamen Menschen wie der berühmte Schriftsteller und Komponist Jarosław Abramow-Newerly und die Geigerin Agnieszka Marucha. Während der Lesung kam es zu einem regen Austausch mit den Hörern. Jarosław Abramow-Newerly beschrieb seinen schwierigen Start im Ausland und ich erzählte von meinen guten Erfahrungen in Deutschland und Polen. Daraufhin wollte das Publikum sofort wissen, weshalb ich keine größeren Schwierigkeiten bei der Durchführung meines deutsch-polnischen Verlagsprojektes „Die moderne deutsche Lyrik“ hatte und Herr Abramow-Newerly einen Neuanfang wagen musste. Ich gab offen zu, dass ich in beiden Ländern nahezu gleichzeitig lebe und deshalb mit beiden Sprachen und Kulturen vertraut bin. Das bedeutet vor allem, dass ich mir bei meinen Tätigkeiten keine Art Fundament schaffen musste. Außerdem denke ich, dass die Jugend heutzutage ganz andere Möglichkeiten hat als früher. Erfahrene Menschen unterstützen gerne junge Menschen. Ich habe sogar den Eindruck, dass ältere Menschen die Kraft der Jungen mehr schätzen, weil sie wissen, dass die Zusammenarbeit mit ihnen notwendig ist, damit die von ihnen erschaffenen Grundlagen weiterhin genutzt und zudem ausgebaut werden. Es gibt nämlich oft keine Konkurrenz zwischen älteren und jungen Menschen, man begegnet sich stattdessen mit großer Hoffnung und unterstützt sich gegenseitig.

Die Situation in Berlin ist ähnlich, weil die Jugend auch Treffen organisiert und an verschiedenen kleinen Konferenzen teilnimmt. Künstler aus verschiedenen Ländern schaffen eine gemeinsame multikulturelle Kunst. Polen kommen nach Berlin und stellen ihre Tätigkeiten vor und manchmal kommen auch Deutsche mit einem Buch über Polen in die Hauptstadt zurück, wie es gerade bei Steffen Möller ist, der ein autobiografisches Buch „Viva Polonia“ geschrieben hat. Außerdem lädt das Polnische Institut Menschen mit einer interessanten Persönlichkeit nach Berlin ein, wie zum Beispiel die Schriftstellerin Olga Tokarczuk, darüber hinaus veranstaltet das Literarische Colloquium Berlin (LBC) Kurse für Übersetzer. In Berlin passiert viel, jedoch kann man nicht alles verfolgen, weil hier nicht nur die Polonia aktiv ist. Polen und Deutschland sind demnach nicht nur Nachbarländer auf der Landkarte, weil sie eben in meinem Herzen und in beiden Hauptstädten sind. In der letzten Zeit bewundere ich noch bunte deutsch-polnische Plakate in den Großstädten; sie spiegeln nämlich wider, dass der Dialog zwischen Deutschen und Polen nun intensiver ist.

Ich hoffe, dass der Zug „Berlin-Warszawa-Express“ noch häufiger fahren wird und dass die Menschen das reiche Angebot nutzen werden, weil eine gute Zusammenarbeit nicht nur Wissenschaftler, Journalisten, Mittler, Übersetzer und Künstler bereichert, sondern jeden. Ich fahre ständig mit diesem Zug und in Kürze werde ich mein Buch „Młoda poezja niemiecka – Die moderne deutsche Lyrik“ ebenfalls in Mülheim an der Ruhr vorstellen. Informationen über die aufgezählten Treffen und über die gerade erwähnte Reise gibt es unter anderem auf meiner Internetseite: http://www.guxdu.com/pages/k/kunstformen/                                                

Ich lade Sie herzlich auf meine Seite ein mit der Hoffnung, dass schon bald weitere große und kleine Dialog-Projekte entstehen, die nicht nur Menschen aus den Nachbarländern verbinden, sondern auch Europa vereinigen.

Vielleicht treffen wir uns demnächst im Zug „Berlin-Warszawa-Express“ oder im Zug „Berlin-Kraków“, der seltener fährt, aber dafür in Breslau und Kattowitz hält.

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