Es gibt zahlreiche Gerüchte über den Bund der Freimaurer. Mindestens eben so viele Internetseiten versuchen, Licht in das vorgebliche Dunkel der „verschwiegenen Gesellschaft“ zu bringen. „Das Ergebnis ist zweifelhaft“, sagt Martin Spanier. Der 49-Jährige ist Vorsitzender der Loge „Wolfgang Amadeus Mozart“, einem Zusammenschluss von Freimaurern in Kaiserslautern. Die Loge zählt rund 20 Mitglieder aus allen gesellschaftlichen Schichten der Fußball-Metropole. Mit einer ungewöhnlichen Internetseite sorgen die Westpfälzer für Aufsehen, nicht nur in der virtuellen Welt, die bestimmt wird von Verschwörungstheorien um Zirkel und Winkelmaß.
„Für viele Menschen ist es verlockend, sich mit Titeln und Symbolen der Freimaurer zu versehen, in der Hoffnung, dass das Wort ‚Freimaurer’ für Aufsehen in ihrer Umgebung sorgt“, sagt Martin Spanier. Weil die Hürden für neue Interessenten – so genannte Suchende - in den meisten Logen nicht besonders hoch liegen, ist dem Missbrauch der Symbole Tür und Tor geöffnet. Diesem Umstand begegnen die Mitglieder der Kaiserslauterer Loge gelassen. Martin Spanier: „Das Geheimnis der Freimaurerei liegt in der Liebe zu den Menschen.“ Auch bei „Wolfgang Amadeus Mozart“ werde niemandem der Eintritt verwehrt, der ernsthaftes Interesse an den Gedanken von Aufklärung und Humanität vorgibt. „Wir können keinem Suchenden hinter die Stirn schauen“, sagt der Stuhlmeister. Die Erfahrung habe aber gezeigt, dass sich selber betrügt, wer einer Loge aus Ehrsucht oder Gewinnstreben beitritt.
„Wer einen Doktor-Titel kauft, ist noch lange kein Arzt“, sagt Spanier, ähnlich sei es mit Ringen, Gürtelschnallen, Anstecknadeln und Aufklebern im Zeichen von Zirkel und Winkelmaß: „Wir werden oft mit dem Orden der Tempelritter in Verbindung gebracht.“ Den Vergleich bezeichnet der Freimaurer-Meister als unsinnig. Richtig aber sei, dass auch der Weg des Logenbruders durch die stete Bereitschaft gekennzeichnet ist, das eigene Verhalten infrage zu stellen, um auf diese Weise zu lernen, anderen Menschen mit größerer Rücksicht und Aufmerksamkeit zu begegnen. „Und das“ – schmunzelt Martin Spanier – „kann dauern.“
Weil die Kunst, als Freimaurer zu leben, so gar nichts mit dem zu tun habe, was die Autoren gängiger Internetseiten und bekannter Romane dem staunenden Leser verkaufen, haben die Mitglieder der Kaiserslauterer Loge in ihrer Selbstdarstellung einen anderen Weg eingeschlagen. Nach Ansicht des Stuhlmeister tragen auch die gut gemeinten Informationen, die die meisten Logen – bedeutungsvoll verpackt im Zeichen von Zirkel und Winkelmaß – über das Internet veröffentlichen, dazu bei, das Bild der Freimaurerei in Deutschland zu verklären. „Wir suchen keine verhinderten Grals-Ritter und wir bieten keine Würde, außer der, die das Leben eines jeden Menschen begleitet“, sagt Martin Spanier. Entsprechend gradlinig präsentiert sich die Loge auf ihren Internetseiten: www.freier-Mensch.org


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Kommentare
Sandmann
27.05.2008 13:42
Es wird sein, wie überall: Wo viel Lich, ist auch viel Schatten. Es ist halt schade, wenn die schwarzen Schafe das Geamtbild verderben. Ich finde es positiv, dass die Kaiserslauterer auch auf die Frauenloge und die gemischten Logen verweisen. Das wird nicht jedem gefallen - aber wir leben im 21. Jahrhundert ...
Sledgehammer
27.05.2008 12:01
Gut geschrieben! Bei allem Unsinn, den man über die Freimaurerei in Deutschland findet, kann ein bissel klare Linie nicht schaden. Wir hatte vor Jahr und Tag einen Kunden, der großen Wert darauf legte, dass man seinen Brillantring mit Zirkel und Winkel nicht übersehen konnte; er kam auch nicht aus Kaiserslautern *ggg*