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Technik | 03.04.2008 15:38  Drucker

Fotos mit Ortskenntnissen


Stellen Sie sich vor, Sie öffnen ein Foto - entweder eines ihrer Eigenen oder eines im Internet - und das Foto verrät Ihnen an welchem Ort es aufgenommen wurde. Sie brauchen dazu nicht zu wissen wo es entstanden ist, denn die Adresse ist bereits gespeichert und mit einem Klick öffnet sich eine Karte und sie sehen wo der Fotograf gestanden hat. In diesem kleinen Artikel zeige ich wie das funktioniert, was Sie brauchen um solche Bilder zu erstellen und wieviel Spaß man damit haben kann.


GPS

Zunächst einmal müssen Sie zum Zeitpunkt der Aufnahme wissen wo Sie sind. Im einfachsten Fall haben Sie eine konkrete Adresse, aber wenn Sie in der Natur fotografieren oder vielleicht nicht genau wissen wie die genaue Adresse lautet haben Sie ein Problem.

Zum Glück gibt es das so genannte GPS. GPS ist die Abkürzung für globales Positionsbestimmungssystem. Als GPS bezeichnet man generell jedes satellitengestützte Navigationssystem, hierzulande bezeichnet der Begriff meistens das Ende der 1980er-Jahre entwickelte System des US-Verteidigungsministeriums. Entwickelt wurde es ursprünglich zur Positionsbestimmung und Navigation im militärischen Bereich. Heute wird es jedoch vermehrt auch im zivilen Bereich genutzt: in der Seefahrt, Luftfahrt, im Auto, zum Orientierung im Outdoor-Bereich, im Vermessungswesen usw.

Das System basiert auf Satelliten die ständig ihre sich ändernde Position ausstrahlen. Ein Empfänger benötigt Kontakt mit mindestens vier Satelliten, um seine Position und die Uhrzeit errechnen zu können. Es befinden sich über 30 Satelliten im Orbit, um weltweit einen Empfang sicherzustellen. Durch den fort laufenden Empfang von GPS Signalen lässt sich aber nicht nur die Position, sondern auch die Geschwindigkeit und die Bewegungsrichtung des Empfängers bestimmen. Eine weitere wichtige Aufgabe des GPS-Systems besteht in der Bereitstellung eines einheitlichen Zeitsystems. Die Uhren der Satelliten werden mehrmals täglich synchronisiert. Die von einem GPS-Empfänger empfangene Zeit wird als koordinierte Weltzeit (UTC) bezeichnet. Damit ist es möglich an jedem Ort der Welt seine Lokalzeit zu bestimmen. Die jeweiligen Zeitzonen der Erde werden als positive oder negative Abweichung von UTC angegeben. Für Deutschland gilt UTC+1 oder UTC+2 - je nachdem ob wir Sommer- oder Winterzeit haben.

GPS wird hauptsächlich zur Navigation eingesetzt. Die meiste Verbreitung hatte es im Auto gefunden, aber in letzter Zeit, durch eine massive Verkleinerung der Empfänger und durch Fortschritte in der Entwicklung von hoch wirksamen Akkus, sind mobile Empfänger und Navigationsgeräte auf dem Vormarsch. In 2008 werden vermehrt Mobiltelefone mit integriertem GPS-Empfänger erwartet. Durch die größere Verbreitung sind die Preise in den letzten Jahren massiv gefallen, so das gute GPS-Empfänger auch für Privatpersonen erschwinglich werden.


Positionsdaten ermitteln und aufzeichnen

Ein einfacher GPS-Empfänger übermittelt die Daten und vergisst sie sofort wieder. Es wird eine zusätzliche Software benötigt, die diese Daten ausgewertet und verarbeitet. Normalerweise ist dies die Software des Navigationssystems, die anschließend die Anweisungen zur Zielerreichung berechnet und Ihnen die Adresse Ihres aktuellen Standortes zeigt. Die meisten Navigationssysteme verfügen jedoch auch über die Möglichkeit ihre aktuelle Position in Form von Längen- und Breitengraden anzuzeigen. Mit Hilfe dieser Information finden Sie Ihren Standort jederzeit wieder, auch wenn es sich nicht um eine gültige Adresse im herkömmlichen Sinne handelt. Um Ihre Daten festzuhalten gibt es mehrere Wege. Im einfachsten Fall notieren Sie sich diese Angaben auf ein Stück Papier. Um Sie später auch dem Foto zuzuordnen, notieren Sie sich am besten noch die Bildnummer Ihrer Kamera oder ein paar Notizen zum Motiv.


Wenn Sie wieder zu Hause sind, können Sie den notierten Standort dem Bild zuordnen. Diese Methode ist sehr aufwändig und Sie müssten die handschriftlichen Informationen noch irgendwie in den PC kriegen und mit dem konkreten Foto verbinden. Dabei hilft Ihnen später eine kleine Software, doch vorher möchte ich Ihnen zeigen, wie die Datenaufzeichnung komfortabler geht.

Wenn Sie über ein Mobiltelefon mit integriertem GPS verfügen oder über einen externen GPS-Empfänger, den Sie mit Kabel oder über Bluetooth mit einem Handy oder Notebook verbinden, können Sie eine andere Software zum auswerten der Daten verwenden. Diese Software muss es Ihnen erlauben, Ihre aktuelle Position zu speichern oder ihre Position fortlaufend aufzuzeichnen. Dadurch haben Sie bereits eine wichtige Hürde überwunden, denn Ihre Standortinformation liegt nun bereits elektronisch vor. Aber es gibt einen noch komfortableren Weg.

Wenn sie sich einen GPS Datenlogger kaufen benötigen Sie kein zweites Gerät mitzuführen. Der Datenlogger kann wie ein externer GPS-Empfänger mit Ihrem Mobiltelefon oder Navigationsgerät zusammen arbeiten, zeichnet aber zusätzlich in einem internen Speicher ihre Position fortlaufend auf. Dieses Protokoll, oder auch "log" genannt, kann dann zu Hause am PC ausgelesen werden. Moderne Datenlogger sind sehr klein und lassen sich dank eines hochwertigen Akkus stundenlang betreiben. Wenn Sie also daran denken Ihren Datenlogger zusammen mit der Kamera mitzunehmen verfügen Sie über die beste und einfachste Möglichkeit Ihren Standort zum Zeitpunkt der Aufnahme festzuhalten.

Wenn Sie zu Hause angekommen sind lesen Sie die Fotos ihrer Digitalkamera und das erzeugte Log aus. Aus dem Protokoll lässt sich nicht erkennen welcher Standort einem Foto zuordnet werden kann, denn das Protokoll wurde nicht von der Kamera erstellt und hat deshalb auch keinen Verweis auf eine Bild Nr. Wie also kann man herausfinden welches Foto zu welchen Eintrag in Protokoll gehört? Wie Sie sich erinnern überträgt das GPS System auch die Uhrzeit. Diese ist natürlich im Protokoll mit aufgezeichnet worden, deshalb können Sie erkennen wann Sie an welcher Position gewesen sind. Auch die Kamera speichert zu jeder Aufnahme eine Uhrzeit - wie praktisch, oder?.

Wenn Sie also die Uhrzeit des Fotos im Protokoll nachschlagen finden Sie die entsprechende Position, die Sie zum Zeitpunkt der Aufnahme inne hatten. Deshalb ist es wichtig, dass die Uhrzeit der beiden Geräte aufeinander abgestimmt ist. Ein beliebter Fehler ist die Sommerzeit auf einem der Geräte einzustellen und das andere zu vergessen. Dann würden Sie beim Vergleichen immer nur die Position finden, die sie vor einer Stunde der Aufnahmezeit inne hatten.

Nochmal das Prinzip kurz zusammengefasst:

  1. Sie benötigen eine Digitalkamera, einen GPS-Empfänger und entsprechende Software.
  2. Die Uhren der Digitalkamera und des Empfängers müssen synchron sein.
  3. Während Sie die Aufnahme machen muss der Empfänger ihren Standort protokollieren.
  4. Zu Hause am PC vergleicht eine Software Datum und Uhrzeit des Fotos mit dem Log und ermittelt Ihre Position zum Aufnahmezeitpunkt.

Informationen im Bild speichern

Sie benötigen in der Regel also drei Softwareprogramme. Jeweils ein Hersteller spezifisches zum Auslesen der Daten von der Digitalkamera und des Datenloggers. Das dritte Programm übernimmt die Aufgabe die Position herauszufinden und diese im Bild zu speichern. Aber was passiert da eigentlich genau?

Moderne Dateiformate ermöglichen neben den reinen Bildinformationen, also den Pixeln und Farbinformationen, Zusatzinformationen zu speichern. Diese Zusatzinformationen werden Metadaten genannt. Bereits bei der Aufnahme werden jede Menge davon von der Kamera im Foto gespeichert. Gebräuchliche Angaben sind zum Beispiel Datum und Uhrzeit der Aufnahme, die Belichtungszeit und die Blende, die Brennweite und gegebenenfalls das verwendete Objektiv, aber auch Marke und Modell der Kamera. Sie können es sich als eine kleine Datenbank vorstellen und die Positionsdaten sind nur ein weiterer Eintrag. Das Format dieser Datenbank ist im so genannten Exif-Standard definiert. Als letzten notwendigen Schritt muss die Software also die gefundene Position in den Exif-Daten des Bildes eintragen und speichern. Als Ergebnis haben Sie ein Bild mit zusätzlichen Informationen über Ihren Standpunkt, von dem die Aufnahme gemacht wurde. Es bleibt die Frage zu klären, welche Anwendungsmöglichkeiten es für solche Fotos gibt.

Wenn die Metainformation erst einmal vorhanden ist, kann diese von verschiedenen Programmen ausgewertet werden. Hier eröffnet sich für den Fotografen, aber auch für den Betrachter, eine völlig neue Welt von Anwendungen. Stellen Sie sich vor, Sie haben eine ausgiebige Wanderung gemacht und auf dieser Wanderung haben Sie zahlreiche Motive entdeckt, die Sie auch völlig begeistert fotografiert haben. Sollten Sie einen Datenlogger im Einsatz gehabt haben, so hat dieser Ihre vollständige Wanderung aufgezeichnet und nicht nur die einzelnen Positionen an denen die Fotos entstanden sind. Sie können sich nun Ihre Wanderung auf der Landkarte anschauen und an den entsprechenden Positionen Bilder einblenden. So erstellen Sie mehr als eine einfache Bildersammlung und können statt einer Fotoschau zur Abwechslung Ihren Freunden eine spannende Wanderung am PC zeigen, auf denen die Höhepunkte in Form von Fotos zu sehen sind.

Im Internet entstehen zahlreiche soziale Netzwerke (Communities), in denen sich Menschen mit gleichen Interessen treffen. Hier werden Fotos ausgestellt und können kommentiert und bewertet werden. Virtuelle Touristen bereisen am PC fremde Länder und schauen sich Fotos der jeweiligen Örtlichkeit an und sammeln Impressionen von Personen, die bereits dort waren. Auf virtuellen Landkarten tragen Personen beliebte Locations (Standorte) ein, z.B. ein gutes Restaurant, ein nettes Kaffee. Laden Sie doch ein Foto von dem Spitzenrestaurant hoch, welches Sie letzte Woche entdeckt haben und teilen Sie die Adresse, das Foto und ihre Eindrücke einem breiten Publikum mit. Bei entsprechend hoher Anzahl von Nutzern, die Ihre Fotos hoch laden, entsteht so eine aus persönlichen Empfehlungen zusammengesetzte kleine Karte für ihre Stadt, ihr Land, oder der Welt. Sie können natürlich auch Ihre nächste Reise am PC planen und Sehenswürdigkeiten am Bildschirm ansteuern, sich über die Geschichte informieren, Kommentare und Eindrücke von anderen Menschen sammeln und sich die dort entstandenen Fotos anschauen.


Abschließend noch ein kritisches Wort zu dem neuen Trend. Natürlich muss jedem klar sein, dass Informationen die Sie preisgeben auch Potenzial für weitere Auswertungen geben und möglicherweise Rückschlüsse auf ihre Vorlieben oder Gewohnheiten möglich sind. Es sollte sich also jeder genau überlegen, ob und wieviel Informationen er der Welt preisgibt.

Zum Abschluss habe ich ein paar interessante Links zusammengestellt, die Ihnen bei den ersten Schritten helfen werden.

http://www.geosetter.de

http://www.locr.com/

http://www.panoramio.com/

http://maps.google.de

http://earth.google.de

 

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