Let’s Dance! In Oldenburg ist das Brasilien-Fieber ausgebrochen, zumindest Sport-technisch. Capoeira heißt der Kampftanz, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Die Wurzeln gehen vermutlich auf den sogenannten N’Golo zurück, das ist ein afrikanischer Zebra-Tanz. Forscher gehen davon aus, dass N’Golo während der Kolonialzeit von Afrika nach Brasilien gelangte. Sklaven praktizierten diesen Tanz und entwickelten ihn weiter. Die afrikanischen Wurzeln verschmolzen im Laufe der Zeit zusätzlich mit Einflüssen aus anderen Kampfsportarten, wie zum Beispiel Ringen, Jui-Jitsu oder aber auch Wushu.

Inhaltlich ist Capoeira von drei Ebenden geprägt, dem Kampf, der Musik und der “Roda”, als gesellschaftlichem Rahmen, in dem der Kampf stattfindet.
Gerrit Kannwischer ist ein Student aus Oldenburg und hat vor einiger Zeit Capoeira für sich entdeckt.
Gerrit Kannwischer: ”Beim Training ist es so, wir fangen mit dem Training an und am Ende vom Training findet immer die sogenannte Roda statt. Roda heißt nichts anderes, als Kreis. Das heißt, alle, die am Training teilnehmen, stellen sich in einem Kreis auf, der ungefähr so groß ist, wie in der Turnhalle immer dieser Mittelkreis und an einer Seite stehen die Leute, die Musik machen mit dem Berimbau und den typischen Instrumenten dazu, eins davon ist das Berimbau. Und dann wird in einem ganz bestimmten Rhythmus gespielt. Natürlich auch immer die entsprechenden Lieder dazu und alle, die im Kreis stehen klatschen dann rhythmisch und wer will, geht in die Mitte, zu zweit immer und dann wird im Rhythmus dazu gegeneinander getanzt. Das heißt, es ist ein spielerisches Gegeneinander und zwar mit Drehbewegungen, Tritten und so weiter und so fort! Dann geht’s halt darum, möglichst effektiv den anderen auch zu ‚lesen’, wie er handelt, ausweicht, angreift und dementsprechend sich darauf einzustellen.”
Ein sehr wichtiger Aspekt ist der Rhythmus, der mit den traditionellen Instrumenten erzeugt wird. Der Rhythmus bestimmt die Art des Capoeira-Spiels.
Gesungen wird immer auf portugiesisch. Aber wie kommt man überhaupt darauf, Capoeira zu lernen und zu trainieren?
Gerrit Kannwischer: ”Eigentlich bin ich da ganz einfach zu gekommen. Ein Kumpel von mir hat das an der Uni Oldenburg - da gibt’s einen Kurs - damit angefangen und der hat das schon ein Jahr lang im Verein gemacht danach und dann bin ich auch dazu gestoßen, hab es mir mal angeguckt und dann lief es ganz gut! Das hat mich interessiert und so bin ich dabei geblieben!”
Inzwischen ist Capoeira weltweit verbreitet. Es gibt verschiedene Schulen, die sich stark in Trainingsmethoden, Schwerpunkt und Stil unterscheiden. Eine weitere Entwicklung ist das Austragen von Wettkämpfen, wie in anderen Kampfkünsten. Im Gegensatz zu denen zählt dabei aber nicht das Werten von Treffern oder Knockouts, sondern das Umsetzen des in der Roda gesprochenen Dialoges.
Ist denn Capoeira nun eher ein Kampf oder ein Tanz?
Gerrit Kannwischer: ”Ich musste leidvoll schon mal erfahren, dass es auch durchaus Kampf ist, aber, gut, das kommt darauf an, wie man es auslegt, für sich selber vielleicht auch. Also, es hat durchaus was mit Kampf zu tun. Man kann es theoretisch sogar ganz gut in der Praxis anwenden, wenn man will, da kann man ziemlich schnell Leute mit umhauen, was man vielleicht nicht unbedingt machen sollte. Aber, es hat halt immer auch diesen spielerischen Aspekt und diesen Tanzaspekt dabei, mit der Musik und diesem Rhythmus und so weiter und so fort. Und, was vielleicht besonders noch hervorzuheben ist, finde ich, wenn man es als Kampfsportart sieht, dass man immer die Möglichkeit hat, im spielerischen Sinne gegeneinander anzutreten, zu zweit immer. Das hat man ja nicht unbedingt. Ich kenne mich jetzt bei Kampfsportarten nicht so aus, aber, wenn ich zum Beispiel Judo sehe, gut, dann trainiert man Judo zu zweit vielleicht, um irgendwelche Würfe zu üben oder so, aber Capoeira ist am Ende ja kein Training mehr! Das ist dann ja wirklich freies Spiel!”
Auch in Oldenburg gibt es Möglichkeiten, Capoeira zu trainieren.
Gerrit Kannwischer: ”Es gibt in Oldenburg einmal die Uni-Veranstaltung, da bietet sich das an, wenn man Anfänger ist, sich das mal anzugucken und ansonsten gibt’s in Oldenburg nur unseren Verein Cordao-De-Ouro, das ist ein weltweiter Verein, und der ist in Israel, England, natürlich Brasilien vertreten und so weit ich weiß, sind wir die einzigen, die den in Oldenburg, in Deutschland haben.”
Trainiert wird an verschiedenen Wettkampfstätten, Dienstags in der Freilufthalle an der Uni, Mittwochs in der Waldorfschule und Donnerstags in der Kaserne in der Kranenbergstraße.
Gibt es denn auch Gürtel, wie beim Judo oder Karate?
Gerrit Kannwischer: ”Beim Capoeira gibt es das natürlich auch, aber da sind es keine Gürtel, sondern Kordeln. Ich finde, das kleidet ganz gut! Die typische Capoeira-Kleidung kann man vielleicht noch sagen, ist - bei offiziellen Anlässen - bei uns im Verein komplett weiß und dann hat man halt eine Kordel um. Die kleinste Kordel - die Einstiegskordel - ist zum Beispiel grün, danach folgt dann grün-gelb, das ist aber auch von Verein zu Verein unterschiedlich, so läuft es bei uns. Andere Vereine vergeben dann noch Farben, wie gut man zum Beispiel ein Instrument spielen kann etc.”
Gerrit Kannwischer hat vor wenigen Tagen seine erste, grüne Kordel erhalten und darf sich jetzt offiziell Capoeirista nennen. Herzlichen Glückwunsch!
Capoeira ist ein Sport, der den ganzen Körper beansprucht. Dennoch ist er gut für Einsteiger geeignet, die mit Spiel, Musik, Kampf und Spaß einfach mal Stresshormone abbauen wollen.
Das war ein Beitrag über Capoeira. Wenn sie Interesse an dieser Sportart haben. wenden sie sich einfach an den Verein Cordao-de-Ouro. Auf der Homepage finden sie auch eine Telefonnummer zur Kontaktaufnahme. (Transkription eines Radiobeitrages. Anhören unter: http://www.olisabendshow.de/ - Sendung Nr. 12 vom 2. Mai 2007)
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