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Umwelt | 28.01.2008 12:46  Drucker

„Nobelpreise sind ansteckend“


er Friedensnobelpreis in Oslo ging nicht nur an Al Gore, sondern auch an den Klimarat der Vereinten Nationen und somit ebenfalls an der Potsdamer Wissenschaftler Hans- Martin Füssel. Der 39 - Jährige vom Potsdamer Institut für Klimaforschung hat an dem jüngsten Bericht des Weltklimarates mitgearbeitet und befindet sich zu Zeit bei den UN-Verhandlungen auf Bali.

Viel Zeit zum Feiern bleibt Hans-Martin Füssel nicht und dennoch ist die Freude über die Auszeichnung groß.  Mit dieser Auszeichnung wurde nicht nur die Idee ein Gremium zu gründen, das den gesamten Kenntnisstand zu einer der wichtigsten Menschheitsfragen zusammenträgt gewürdigt, sondern auch die vielen Wochenenden und Nächte für die ehrenamtliche Tätigkeit der vielen daran beteiligten Wissenschaftler.

„In der Arbeitsgruppe, die sich mit der Auswirkung des Klimawandels beschäftigte, war ich so eine Art guter Polizist“, erklärt Füssel.  Seine Tätigkeit bestand darin sicherzustellen, dass die Autoren des Berichtes die vielen Kommentare seiner Kollegen und der Regierungen angemessen berücksichtigten.

Aber das war nicht die einzige Aufgabe des Potsdamer Forschers. Er selbst gehörte zu den Verfassern eines Kapitels über die Schlüsselrisiken des Klimawandels.

Eine der größten Risiken durch den Klimawandel ist die zunehmende Dürre in großen Teilen Afrikas. Die Existenz der sowieso schon armen Menschen, die von Regenfeldbau und als Hirten leben, ist damit bedroht.

Aber auch die Küstenlinien der Erde werden sich stark verschieben. „Die Menschheit wird sicherlich nicht aussterben, wenn der Meeresspiegel um ein, zwei oder drei Meter ansteigt. Aber es wird sich vieles ändern“, beruhigt der Forscher.

Sollte die Temperatur um 1 oder 2 Grad ansteigen wird sich die Welt in einer Heißzeit befinden und die Menschheit müsste mit unangenehmen Überraschungen rechnen.

Seine Augen kann Füssel vor den Konsequenzen nicht verschließen, denn das Wissen über den Klimawandel und die täglichen bedrohlichen Szenarien bringen auch Verantwortung mit sich.

Mit Vorträgen vor Wissenschaftlern und auch Journalisten, Wirtschaftvertretern und Politikern versucht er seine Kenntnisse Publik zu machen.

Die Bedrohung durch den Klimawandel sieht er als eine Motivation und schließlich ist Deutschland ein reiches anpassungsfähiges Land.

Sollte die Politik klare Vorgaben machen, wird es technische Neuerungen geben und die Gesellschaft kann ihre ganze Innovationskraft entfalten.

Auch Füssel selbst engagiert sich im Kleinen und versucht konsequent zu sein. So besitz er beispielsweise kein Auto und fährt mit der S-Bahn zur Arbeit. Seinen Stromanbieter hat er ebenfalls schon gewechselt und bezieht nun von einem Öko-Anbieter.

Natur war dem gebürtigen Frankfurter schon immer wichtig. Bereits als Kind entfloh er der Großstadt an dem Wochenenden mit dem Fahrrad. Heute ist die Natur für ihn ein wichtiger Ausgleich zur Arbeit am Schreibtisch.

Über die Politiker ärgert sich der Wissenschaftler am aller meisten. „ Ich ärgere mich vor allem über die Arroganz reicher Länder, die so tun, als sei ein emissionsintensiver Lebensstil eine Art Menschenrecht. Am lautesten sagt das die USA!“, erklärt er.

Der Klimawandel trifft leider zuerst vorwiegend die Menschen die zu den Veränderungen nicht beigetragen haben.

In die Politik gehen würde Hans- Martin Füssel nicht, denn mit seinen analytischen Fähigkeiten ist er in der Forschung besser aufgehoben, wie er selbst sagt. So etwas überlässt er gern solchen Leuten wie Al Gore, die Gelder mobilisieren können und die richtigen Kontakte knüpfen können.

 Informationen

Quelle: taz- Interview mit dem Klimaforscher Hans-Martin Füssel vom 09.12.07
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