Der Student Patrick Kreitz dreht mit Freunden einen aufwendigen James-Bond-Film, der so gar schon einen Preis gewonnen hat, obwohl der Film noch gar nicht fertig ist. Ich traf den sympathischen Cineasten im Hörfunkstudio von "Oldenburg eins"!

Im Studio bei mir ist jetzt mein Kollege Patrick Kreitz. Wobei ich korrekter Weise sagen müsste ‚Ex-Kollege’, weil, er hatte letzten Freitag seinen letzten Tag. Er verlässt Oeins!
Oli: „Patrick, was fällt dir ein?“
Patrick Kreitz: „Ja, was fällt mir ein? Die Uni ruft! Ich wäre gerne noch länger geblieben, aber wie es nun mal so ist, man hat halt andere Verpflichtungen und so muss ich halt Oeins Lebewohl sagen, aber, ich denke, ich komm noch mal vorbei, wenn’s irgendwie möglich ist in nächster Zeit!“
Oli: „darüber würden wir uns sehr freuen! Wobei wir heute nicht über Deinen Abschied reden wollen, das ist ja schon traurig genug, sondern, du hast mit Freunden und Bekannten - wer das genau ist, kannst du gleich noch mal erzählen - du hast einen James-Bond-Film mitgedreht, mitproduziert. Erzähl uns was darüber!“
Patrick Kreitz: „Ja, das ist richtig! Also, man muss vielleicht vorweg sagen, dass der Film noch längst nicht fertig ist, das ganze entstand als eine wirre Idee in der elften Klasse. Ich bin mittlerweile 23 Jahre alt, damals war ich 16 ungefähr, die anderen auch, das waren eben gute Freunde von mir bzw. Bekannte. Man hat den Kreis der Mitwirkenden etwas erweitert im Laufe der Zeit. Wir haben dam als überlegt, was machen wir bloß in unserer Freizeit? Wir hatten Langeweile und da wir große James-Bond-Fans waren, haben wir überlegt, gehen wir doch mal so ein Filmprojekt an und das ist dann ziemlich ausgeufert.“
Oli: „Ausgeufert scheint es zu treffen, denn das ist ja recht aufwendig geworden! Kannst du ein bisschen was über die Dreharbeiten erzählen und über die Locations?“
Patrick Kreitz: „Ja, also es ist ausgeufert einfach in dem Sinne, dass man sich zuerst vorgenommen hat, nachdem das Drehbuch geschrieben war, was auch schon eine Weile dauerte, den Film innerhalb von drei Wochen abzudrehen und das war noch in den Sommerferien damals. Da hat man Leuten abgesagt, die gerne eine Rolle haben wollten, weil, man ist ja schon fertig, wenn die aus dem Urlaub wieder kommen. Aber, das war definitiv nicht so!! Wir haben vier Jahre gebraucht, bis wirklich alles im Kasten war und selbst jetzt sind da noch ein paar Kleinigkeiten, die man verbessern könnte, weil, man ist ja auch älter geworden in der Zeit, das sieht man auch teilweise, das ist ein bisschen nervig teilweise, aber das lässt sich noch überspielen. Locations? Ja, also wir selber sind ja hier nicht in Oldenburg beheimatet, muss ich dazu sagen, sondern wir kommen ja aus Aachen, aus dem tiefen Nordrhein-Westfalen und haben dort versucht, viele Sachen einzubauen. Dunkel Gassen, die alte Zitadelle in der Stadt, in der Nähe von Aachen, alte Gemäuer, ein Kloster ist dabei, das Casino Aachen ist übrigens auch mit dabei, wie sich das für einen Bond-Film gehört und wir haben eben versucht, möglichst viele Sachen einzubauen, um das ganze dann gut umzusetzen und ich hoffe, dass uns das gelungen ist, wenn er dann irgendwann mal fertig ist, der Film!“
Oli: „Wie seit ihr denn überhaupt drauf gekommen? Seit ihr alle passionierte James-Bond-Fans? Wieso ausgerechnet dieses Thema?“
Patrick Kreitz: „Wie du gerade sagtest, wir sind auf jeden Fall alle passionierte James-Bond-Fans und es ist ja auch so, dass James Bond mehr oder weniger ein bestimmtes Muster vorgibt. Du musst dir nicht eine völlig neue Sache ausdenken, sondern du kannst mit gegebenen Klischees spielen. So ist das auch bei uns, wir haben die typischen Elemente drin. Das fängt an mit einer Action-Sequenz am Anfang an, die dann zum Titel überleitet, also zum Titelsong. Man kann sich immer an bestimmten Sachen festklammern. Das war für uns, weil wir Bond ja auch sehr mögen, sehr gut. Wenn man das Drehbuch schreibt, was ich größtenteils gemacht habe, hat man immer so ein paar Dinge, an die man sich klammern kann, Punkte, an denen man sich lang hangeln konnte um das Drehbuch zur Vollendung zu bringen und eine runde Geschichte draus zu machen.“
Oli: „Welche Rolle spielst du denn? Bist du James oder wer bist du?“
Patrick Kreitz: „Nein, also dafür bin ich nun wirklich überhaupt nicht geeignet! Das macht ein guter Freund von mir. Ich habe die Rolle des Bösewichtes übernommen, also der Oberschurke, der in diesem Film rumläuft. Da haben auch alle gesagt: ‚Das passt auch wunderbar zu dir!’ [lacht]“
Oli: „[lacht] Ja, jetzt muss ich natürlich charmant sein und kann mir das natürlich überhaupt nicht vorstellen! Aber... nun ja!! - Wie lange hat es gedauert, das Drehbuch zu schreiben?“
Patrick Kreitz: „Jetzt muss ich mal überlegen! Man kann sagen, ein halbes Jahr. Ich hab das natürlich nicht alleine gemacht, hab zwar versucht, es auf die Beine zu stellen, aber nach jeder zweiten bis dritten Seite oder nach jeder Szene, die neu dazu kam, hat man sich zusammengesetzt und gefragt: ‚Leute, was kann man da noch verbessern? Habt ihr noch Ideen, was man machen kann?’ - Teilweise sind auch noch Sachen während der Drehphase neu hinzugefügt oder gestrichen worden. Man kann aber sagen, ungefähr ein halbes Jahr, natürlich noch neben der Schule und anderen Sachen, man macht ja nicht nur das!“
Oli: „Und wo soll der Film dann aufgeführt werden wenn er fertig ist? Gibt’s da schon einen Ort für die Premiere? Etwas Würdevolles, dem Rahmen angemessen?“
Patrick Kreitz: „Jaja, also es gibt ein Kino bei uns in der Nähe von Aachen das auch öfter schon mal Filme von jungen Leuten zeigt, außerhalb der Regelvorstellungszeiten. Da versuchen wir ranzukommen. Aber dafür müssen wir etwas Konkretes in der Hand haben, so ist das Ganze noch etwas vage. Und es sollte ursprünglich auch mal an unserer Schule gezeigt werden, aber, wenn ich das jetzt so sehe, die Zeit, nachdem wir aus der Schule raus sind, ist mittlerweile fast länger als die Zeit, in der wir drin waren, während der Dreharbeiten zu dem Film. Aber, wenn vielleicht der ein oder andere Lehrer noch übrig ist, nach der ganzen Zeit, werden wir ihn dort sicher auch noch zeigen! Aber wir hoffen halt, in dieses Kino zu kommen und gehen auch davon aus, weil wir da noch ein paar Leute kennen, dass das vielleicht klappen wird!“Oli: „Annika Lemmens hat den Titelsong ‚Money Doesn’t Matter’ gesungen zusammen mit der Band ‚Stone Cold Crazy’. Wie kam es zu der musikalischen Zusammenarbeit mit der Gruppe und Anika?“
Patrick Kreitz: „Zu einem Bond-Film gehört natürlich auch ein passendes Lied, man kann ja nicht einfach irgendwas nehmen! Einer aus unserem Team ist wirklich ein begeisterter Musiker, der auch selber immer gerne komponiert. Stücke, die gerade im Radio laufen, die kann er auf dem Klavier mal eben so runterklimpern, das ist wirklich toll! Er hat wirklich viel drauf und macht auch die Musik für unseren Film. Die Zusammenarbeit lief eigentlich so ab, dass wir Annika Lemmens gut kannten, das ist eine Dame aus unserem Bekanntenkreis und die Band wiederum ist die Band eines Zivildienstleistenden, einem ehemaligen Kollegen. Das ganze hat sich also mit der Zeit entwickelt, zuerst Schüler, dann Zivis und so hat man da auch Leute kennen gelernt. Das sind wirklich super Musiker. Wir sind in gewisser Weise auch sehr stolz darauf, weil es wirklich gut klingt und es würde mich freuen, wenn es auch ein paar Leuten gefällt.“
Oli: „Nun heißt das Lied ja ‚Money Doesn’t Matter’ - ist das auch der Titel des ganzen Films? Und worum geht es überhaupt?“
Patrick Kreitz: „Ja, genau, das ist richtig! Der Titel ‚Money Doesn’t Matter’ ist einst der Arbeitstitel gewesen aber wir haben ihn auch übernommen. Er dreht sich weniger um Geld, das ist mehr ein Wortspiel mit ‚Miss Moneypenny’. Die Geschichte handelt davon, dass es eine Intrige gibt im MI6. ‚Miss Moneypenny’ soll einen hochrangigen Wissenschaftler, der für die Sicherheitsabteilung arbeitet, ermordet haben, ihren Liebhaber und wird daraufhin in Haft genommen und es gibt eine neue Sekretärin an der Seite des Geheimdienstleiters bzw. der Geheimdienstleiterin - wir sind ja eng an den Brosnan-Filmen orientiert - ‚M’ und sie versucht dort, einige Machenschaften ins Rollen zu bekommen und steht in einer besonderen Rolle da. Der Hauptschurke, von dem ich eben schon mal sprach, ein gewisser ‚Radovan Victor Vulçkovic’, ein Serbe, wohnt in Belgrad. Von dort schürt er seinen Hass gegen die NATO-Truppen, die Serbien die Machtposition seiner Meinung nach endgültig geraubt haben, damals, im kurzen Kosovo-Krieg. Er möchte sich dann an der westlichen Welt mit Giftgas-Raketen rächen, die er aus England stielt und die gehören brisanter Weise dem MI6 - eigentlich! Wie es dazu kommt, dass er da ran gekommen ist und was Bond dagegen machen kann, das wird man dann hoffentlich irgendwann sehen können!“
Oli: „Apropos, wann rechnest du denn damit, dass der Film endgültig fertig ist?“
Patrick Kreitz: „Es ist so, dass wir die Hälfte - kann man durchaus sagen - jetzt auch schon geschnitten haben, wir arbeiten fleißig daran weiter. Man muss allerdings dazu sagen, für die Leute, die von der Technik ein bisschen Ahnung haben, insofern ein Problem, dass Video-Dateien verdammt groß sind und man muss schon die ein oder andere Festplatte dazukaufen und immer so ein bisschen jonglieren, wo ist noch Platz frei und wo ist noch Platz zum Arbeiten. Das dauert ein bisschen länger, als man vielleicht hoffen sollte. Aber ich denke mal, wenn wir jetzt in dem Arbeitsschritt weiter machen, in dem wir die ganze Zeit drin sind, wenn wir in dem Tempo weiter machen, dürfte man sicherlich in einem Jahr hoffentlich endlich davon ausgehen, dass wir es zum fertigen Produkt schaffen, aber, gut Ding will Weile haben! - Der Rest ist auch sehr viel Handarbeit! Wir haben Tonangelstangen, die sind aus Wischmöppen ursprünglich zusammengebaut worden und Reflektoren, die einfach aus Pappe und Alufolie bestehen, aber dennoch einfach funktionieren! Und das war auch der Garant dafür, dass der Film vorangehen konnte!“
Oli: „Wenn man so einen Film dreht, ist es ja genau wie hier im Radio, da passieren mal Pannen, da gibt es die sogenannten Outtakes - was für Outtakes habt ihr erlebt, gibt es Szenen, die ihr rausschneiden musstet, was ist da alles Lustiges passiert?“
Oli: „Nun ist der Film - wir haben es vorhin angesprochen - an sich noch gar nicht ganz fertig, weil er noch nicht fertig geschnitten wurde, aber trotzdem muss er doch ziemlich gut sein, denn ihr habt bereits einen Preis damit gewonnen! Wie gewinnt man mit einem unfertigen Film einen Preis?“
Patrick Kreitz: „Na ja, also, es wurde ja nicht gesagt, schickt einen kompletten Film ein. Also, die Sache ist so, dass wir bei der Sendung ‚taff’, die auf Pro7 läuft, das Boulevard-Magazin am Nachmittag um 5, einen Wettbewerb veranstaltet hat anlässlich des zwanzigsten James-Bond-Filmes. Mittlerweile ist das also auch schon eine Weile her! Das ist jetzt also nicht der Letzte gewesen, sondern der Vorletzte sozusagen. Da wurde aufgerufen, das beste private Bond-Video einzuschicken. Zu der Zeit hatten wir ja schon so einiges gedreht und während andere dann sicherlich erst noch anfangen mussten, noch die Ideen sammeln mussten, hatten wir ja schon Material en masse. Wir haben daraus eigentlich nur einen ganz simplen Trailer gestrickt, mit den Szene, die wir bisher hatten. Das hat dann allerdings gereicht für diejenigen, die das zu entscheiden hatten. Wir haben dann damit eine Box mit allen bis dahin erschienenen James-Bond-Filmen auf DVD gewonnen. Wir wurden dann, was natürlich noch viel schöner war, dann auch auf Pro7 gezeigt!“
Oli: „Diese Box ist schon ein toller Preis, ich habe sie neulich im Buchhandel gesehen, die ist sau-teuer, um es mal vorsichtig auszudrücken, aber es ist wirklich ein toller Preis!! - Eine Frage am Schluss muss noch erlaubt sein, was ist denn dein persönlicher Lieblings-Bond-Film - von eurem eigenen mal abgesehen - was ist deiner Meinung nach der beste Bond?“
Patrick Kreitz: „Also, eigentlich bin ich für alle zu haben, die mit Pierce Brosnan sind, wobei ich auch den neuen sehr gut finde. Überraschend, denn anfangs war ich gegen den Film, aber, als ich ihn jetzt gesehen habe, fand ich ihn sehr sehr gut. Mein Favorit ist jedoch einer der beiden Filme, die mit Timothy Dalton gedreht wurden, nämlich ‚Lizenz zum Töten’.“
Oli: „Patrick Kreitz, vielen Dank für das Gespräch!“
Den Song von Anika Lemmens "Money Doesn't Matter" JETZT hören.
Homepage der Filmemacher: www.Kinematix.de mit Trailer!!
(Transkription eines Radiobeitrages. Anhören unter: http://www.olisabendshow.de/ - Sendung Nr. 10 vom 4. April 2007)
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Kommentare
Olis_Abendshow
26.01.2008 17:06
@hendrix: Vielen Dank für Deinen Kommentar!! Habe bereits einige Ausschnitte gesehen und ich muss sagen, der Film wird sich sicher lohnen. Klar werde ich weiter berichten, Patrick war so freundlich, mich zur Premiere einzuladen, und ich habe die Ausstrahlungsrechte für "Oldenburg eins" gesichert!! :)
weitere Infos zum Film icl. Trailer/Teaser:
www.Kinematix.de
hendrix
26.01.2008 15:05
Oli du bist gemein! Veröffentlichst so ein Interview und man totales Interesse den Film zu sehen und was ist? nix ist :( man muss noch ein Jahr warten..aber ich gehe mal davon aus, dass du uns zu der Veröffentlichung nochmal einen Beitrag schreibst ;)