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Wissenschaft | 15.01.2008 11:47  Drucker

Thomas Reiter aus dem All zurück in Rastede


Der Astronaut Thomas Reiter ist endlich wieder daheim in Rastede im Ammerland. Er begann seine letzte Mission am 4. Juli 2006 mit der Start der US-Raumfähre Discovery. Zwei Tage später meldete er sich auf der Internationalen Raumstation ISS als Flugingenieur zum Dienst. Am 22. Dezember letzten Jahres kehrte er gemeinsam mit einem schwedischen ESA-Kollegen an Bord der Discovery zurück zur Erde. Die Gemeinde Rastede bereitete ihm einen Empfang im Palais und im Rathaus. Eine gute Gelegenheit, dem Astronauten ein paar Fragen zu stellen.

Thomas Reiter aus dem All zurück in Rastede

Oli: „Herr Reiter, die ISS ist ja auch eine Wohngemeinschaft. Gibt’s da oben eigentlich Staub und Dreck? Wie sind die Aufgaben im Haushalt aufgeteilt oder anders gefragt: Wer feudelt mal eben feucht durch und wer bringt den Müll runter?“

Thomas Reiter: „<lacht> Selbstverständlich gehören diese Aufgaben zum Standardarbeitsprogramm. Jedes Wochenende muss die Station sauber gemacht werden. Es gibt dort oben Staub - logischerweise - es laufen eine Vielzahl von Ventilatoren, die die Luft permanent umwälzen, um das Kohlendioxyd, was entsteht, rauszufiltern. Außerdem muss der Sauerstoff, der im Elektrolysesystem erzeugt wird, verteilt werden und ganz klar, da entsteht auch Staub, zum Beispiel in der Kleidung, die man an hat und an den Wochenenden macht man dann diese Hausmannsarbeit oder wie auch immer man das bezeichnen will. Es muss staubgesaugt werden, die Filter von diesen vielen Ventilatoren müssen gereinigt werden, die Oberflächen müssen gewischt werden, man hat also in der Tat da eine ganze Menge zu tun, das teilt man sich auf. Jeder ist für diese Aufgaben eingeteilt und das ist auch ein ganz normaler Bestandteil der Arbeit. Man kann ja nun nicht - wenn man die ganze Zeit da oben lebt - davon ausgehen, dass das dann einfach alles eintrocknet! Also das sind, alles in allem eingerechnet, pro Samstag etwa drei Stunden, die dafür eingeplant werden.“

Oli: „Eine ernstere Frage: Es kann ja mal jemand krank werden und dann ist die Hilfe von der Erde erst mal weit weg. Welche Krankheiten können sie da oben behandeln, wie sind sie vorbereitet, wie sind sie ausgerüstet? Was ist zum Beispiel im Todesfall? Sie können an Bord ja auch nicht ewig lange eine Leiche lagern!“

Thomas Reiter: „Über den letzteren Fall brauchen wir, denke ich, nicht so lange drüber zu reden, der ist in der Form nicht vorgesehen. Wenn das passieren sollte, wäre das tragisch und das würde dann sicher auch das Ende der Mission bedeuten, man würde dann sofort in der Sojus-Kapsel zur Erde zurückkehren. Ansonsten haben wir natürlich eine Vielzahl von Möglichkeiten dort oben, Krankheiten zu behandeln. In einer Crew ist immer ein Mitglied für medizinische Notfälle ausgebildet, der dann über viele Monate in einer Notaufnahme mitgearbeitet hat. Es werden alle Crewmitglieder bei der Behandlung von gewissen Zwischenfällen - sei es, dass jemand einen elektrischen Schlag bekommt, einen Herzstillstand hat, beispielsweise bei den Außenbordeinsätzen, wenn da mal ein Anzug Leck schlägt und derjenige nicht rechtzeitig in die Luke zurück kommt und man muss dann eine Wiederbelebung machen - das wird regelmäßig in der Ausbildung durchexerziert mit den Geräten. Man hat einen Defibrillator und entsprechende Medikamente oben. Und alle anderen Sachen, angefangen von kleinen Wehwehchen, dass man sich einfach mal den Finger schneidet oder irgendwo stößt oder sich einen Muskel zerrt, die entsprechenden Medikamente sind natürlich da vorhanden, bis hin zu Bohrern, wenn tatsächlich mal ein Zahn aufgebohrt werden müsste, was allerdings sehr unwahrscheinlich ist, da wir natürlich vorher medizinisch überwacht werden und man dadurch versucht, solche Probleme auszuschließen. Aber es gibt da eine ganze Menge Möglichkeiten, nicht zuletzt dadurch, dass die Spezialisten auf der Erde sich das über Video genau angucken können und dann auch noch entsprechende Hilfestellungen geben können.“


Oli:
„Sie haben ja wenig Freizeit da oben. Jede Sekunde ist verplant. Wie viel Freizeit bleibt ihnen denn noch und was machen sie dann? Haben sie zum Beispiel einen Internet-Anschluss, können sie ‚surfen’ oder ist das technisch nicht möglich?“

Thomas Reiter: „Es wäre technisch möglich, aber man ist da natürlich sehr vorsichtig aufgrund der Gefahren, die mit dem Internet verbunden sind. Das Schlimmste, was passieren könnte, wäre, dass das Netzwerk bzw. die Netzwerke durch irgendwelche Viren verseucht werden. Sehr wohl werden wir mit Informationen versorgt. Wir bekommen jeden Tag Zeitungen hochgeschickt in elektronischer Form, Nachrichten vom Fernsehen werden hochgeschickt und jeder hat da oben so eine kleine Webpage, auf die dann diese Informationen aufgeladen werden. Man kann da oben seine Lieblingsmagazine lesen und auf die Art ganz gut Kontakt halten, auch, was überhaupt so auf der Erde vor sich geht.“





(Transkription eines Radiobeitrages. Anhören unter: http://www.olisabendshow.de/ - Sendung Nr. 6 vom 7. Februar 2007)


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 Informationen

Quelle: OlisAbendshow.de
Bewertung: 5.0
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