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Kultur | 06.01.2008 15:07  Drucker

Andreas Vollenweider im Interview - Teil 2


Weltstar Andreas Vollenweider ist wieder auf Tournee. Oliver Rosenthal traf den Musiker in Diepholz. Lesen sie hier den zweiten Teil des Interviews.

Andreas Vollenweider im Interview - Teil 2

Oli: „Sie haben mal ein Freiluftkonzert gegeben bei minus acht Grad. Sind ihnen da nicht die Finger eingefroren?“

Andreas Vollenweider: „Ich denke, es war sogar viel kälter noch! Es waren mindestens minus 20 Grad! Es war wirklich sehr kalt! Wir hatten zwar ein Heizgebläse auf der Bühne, aber das hat nicht wirklich viel gebracht. Es war ein Konzert mit Zucchero, dem italienischen Rocksänger und das war ziemlich lustig! Das war mehr Humor als ernste Musik! Aber eigentlich kann man bei 20 Grad unter null nicht spielen!“

Oli: „Aber sie scheinen ungewöhnliche Orte zu mögen. So haben sie mal in einem Krater gespielt?“

Andreas Vollenweider: „Ich habe mal ein Solo-Konzert gegeben in einer Vulkan-Höhle auf Lanzerote, der kanarischen Insel und diese Höhle hat ein Theater gehabt für über Tausend Leute im Erdinneren, das war wirklich unglaublich! Das nächste Jahr darauf hat man mich eingeladen in einem großen Krater, im Inneren eines Kraters zu spielen, da waren 6.000 Leute da. Ein unglaubliches Erlebnis! Ein richtiges Ur-Erlebnis!!"

Oli: „Ich habe auf der Fahrt hier her ein Stück von Ihnen gehört – Little Drummer Boy/Carol Of The Drum – oder aber auch ein Stück von Bach. Diese Stücke haben sie ganz anders interpretiert. Wo holen sie ihre Inspirationen her? Ziehen sie sich zurück, wenn sie ein neues Album oder ein neues Stück planen? Jeder Künstler hat ja eine ganz eigene Art und Weise, sich inspirieren zu lassen. Wie gehen sie da vor?“

Andreas Vollenweider: „Ich muss zu diesem Album ‚Midnight Clear’ sagen, das ist das erste Mal, dass ich nicht ausschließlich eigene Melodien bzw. eigene musikalische Ideen verwendet habe. Es ist das erste Mal, dass ich Melodien zu einem bestimmten Thema ausgesucht habe und das ist ein Thema, das gerade in der Weihnachtszeit und auch schon in der Vorweihnachtszeit wieder hochsteigt aus den Tiefen des Unbewusstseins. Während des Jahres geht das sehr oft verloren. Hier geht’s um die Werte Frieden, hier geht’s um die Sehnsucht nach Frieden und nach Mitgefühl, nach Hoffnung. Das sind ja Werte, die die Weihnachtszeit repräsentieren würde, wenn das nicht durch den Kaufrausch überdeckt wäre! Ich habe Lieder ausgesucht, die diese Werte und Themen transportieren und daraus ein Album gemacht zusammen mit eigenen Liedern. Hier bin ich zum ersten Mal von außen inspiriert, wenn man so sagen will. Ich habe die Lieder genommen und versucht, sie in unsere Lieder hineinzubauen. Sonst ist es so, dass unsere Musik aus der Improvisation heraus entsteht. Stundenlang spielen - bis etwas von selber entsteht. Ich glaube, ich teile das mit den meisten Komponisten auf dieser Welt: Die Stücke, die wirklich bedeutend werden im Laufe der Zeit, sind Stücke, von denen wir das Gefühl haben, wir sind auch nur Empfänger gewesen. Die schreiben sich wie von selbst! Die gute Musik schreibt sich von selbst! Improvisieren und freies Spiel ist der beste Weg!“

Oli: „... das heißt, sie fangen einfach an zu spielen, sie improvisieren und irgendwann merken sie, das könnte was sein, was man festhalten kann? Mit wie vielen Musikern machen sie das? Haben sie ein festes Team, mit dem sie spielen?“

Andreas Vollenweider: „Sehr oft mache ich das alleine. Ich fange einfach an, bringe es in eine Form, wenn etwas wirklich vielversprechendes dabei ist. Ich mache es so lange, bis es eine Form hat oder mehrere Formen, die ich dann lose einbringe, wenn ich mich mit meinen Freunden treffe. Dann kommen deren Ideen dazu, und so entsteht dann ein Stück. Wenn ich etwas für ein Orchester schreibe, dann setze ich mich hin und schreibe ganz normal. Aber auch da ist am Anfang die Improvisation. Ich habe auch schon mit Orchester improvisiert, mit hundert Leuten. Ich habe einen Weg gefunden, es so zu kommunizieren, dass sie sich frei fühlen. Man kann sich nicht vorstellen, was dann entsteht! Wenn solche Leute, ein großes Orchester, zum Beispiel die Warschauer Symphoniker – die spielen perfekt nach Noten, so, wie sie geschrieben sind – wenn die plötzlich frei sind, das ist unglaublich! Diese Kraft! Dann ist das Orchester doppelt so laut, doppelt so kraftvoll und ein unglaublich harmonischer Klangkörper! Für die ist das natürlich dann eine absolute Ausnahme, ein Abenteuer! Die engagieren sich unglaublich in solchen Momenten!“


Oli:
„Vielen Dank für das Gespräch!“

Wenn sie das Konzert in Diepholz mit Andreas Vollenweider verpasst haben sollten, kein Problem, die Tournee dauert noch an. Alle Konzerttermine finden sie auf der Homepage von Andreas Vollenweider. Tickets gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen. Gönnen sie ihren Ohren entspannende Töne und sphärische Klänge mit Andreas Vollenweider, dem sympathischen Weltstar aus der Schweiz!


(Transkription eines Radiobeitrages. Anhören unter: http://www.olisabendshow.de/ - Sendung Nr. 26 vom 19. Dezember 2007)


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Quelle: OlisAbendshow.de
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