Der Schweizer Andreas Vollenweider ist nicht nur Musiker und Komponist, sondern auch Produzent und Arrangeur. Mit seiner Pendelharfe und einer äußerst innovativen Instrumentation hat er einen eigenen Sound und eine unverwechselbare Musikrichtung geschaffen. Die Stilrichtung ist so einzigartig, dass sie kaum einer eindeutigen Kategorie zuzuordnen ist. Ob World-Music, Jazz, New Age oder sogar Classical – fast jede Schublade scheint zu passen. Mit zwei Alben war er gleichzeitig Nummer eins der US-Billboard-Charts in den Kategorien Classical, Jazz, Pop und Cross-Over – und das für ganze elf Wochen.

Neben der Harfe beherrscht er auch das Piano, Gitarre, viele Blasinstrumente und exotische Instrumente aus allen Winkeln der Welt. Unter anderem arbeitete er auch mit Bobby McFerrin, Luciano Pavarotti, Zucchero und Hans Zimmer zusammen. Seine Konzerte in den USA – unter anderem in der New Yorker Carnegie Hall und in der Radio City Music Hall waren ausverkauft. Für das Album ‚Down To The Moon’ erhielt Andreas Vollenweider den Grammy. Mega-Konzert-Tourneen überall auf der Welt folgten. 1992 spielte er zugunsten der Kinder von Tschernobyl auf dem roten Platz in Moskau. Im gleichen Jahr wurde der Schweizer mit dem World Music Award in Monaco ausgezeichnet. Im November 2006 erschien ein beeindruckendes Weihnachtsalbum mit dem Namen ‚Midnight Clear’. Für die DVD ‚The Magical Journeys’ wurde er 2007 zum dritten Mal für den Grammy nominiert. Derzeit befindet sich Andreas Vollenweider wieder auf Tournee. Ich traf den sympathischen Musiker in Diepholz.
Oli: „Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn man die Menschen befragt: ‚Wer ist Andreas Vollenweider?’ – dann antworten viele erst mal: ‚Kenne ich nicht!’ Wenn man ihnen dann aber die Musik vorspielt, dann ist sie doch bekannt: ‚Ach, das habe ich doch schon einmal gehört!’ Nervt es sie gelegentlich, dass sie vom Namen her nicht der große Superstar sind - obwohl sie ja CD’s und DVD’s verkaufen ohne Ende, sie müssen sich ja vom Erfolg her nicht rechtfertigen - ärgert sie das manchmal?“
Andreas Vollenweider: „Nein, überhaupt nicht! Eigentlich freut mich das, dass die Musik das beste Kommunikationsmittel ist und mich so gut vertritt. Es ist schön, dass der Sound einigen noch in Erinnerung geblieben ist. Das freut mich sehr!“
Andreas Vollenweider: „Sagen wir so, es ist das Instrument, das mir am meisten entspricht, meinem Wesen. Das ist ja auch die Odyssee, die ich hinter mich bringen musste. Angefangen mit Klavier – das lag mir sehr nah – als kleiner Junge bin ich ja aufgewachsen in einem Musiker-Haushalt, und da waren natürlich viele Instrumente, unter anderem ein schöner Flügel. So habe ich oft stundenlang auf diesem Flügel gespielt und ich habe auf diesem Instrument die Tiefe der Musik kennen gelernt, dass es nicht nur eine akustische Dekoration ist. Dann habe ich aber gemerkt, der Flügel entspricht mir doch noch nicht ganz und habe dann viele viele Instrumente ausprobiert. Dann entdeckte ich diese kleine irische Harfe und habe darauf gespielt. Das war plötzlich wie ein Heimatgefühl. Ich habe das immer weiter ausgebaut und hatte dann das Gefühl, es sei eine Vergrößerung meiner Seele, eine Erweiterung, wie, als wenn man sich spiegelt im Anderen. Sehr ähnlich und vergleichbar mit einer Liebesbeziehung oder einer Freundschaft, man findet sich im Anderen. Das ist ein ganz tolles Gefühl!“
Andreas Vollenweider: „Vielleicht aufgrund dessen, dass ich soviel gereist bin und doch auch einiges gemacht und erlebt habe, habe ich gelernt, immer mehr im Moment zu leben und eigentlich nicht große Pläne zu machen. Es gibt diesen schönen Satz: ‚Der Mensch macht Pläne für das Amüsemang der Götter!’ – um die Götter zu belustigen, weil, ich habe gelernt, es kommt dann immer doch alles etwas anders! Ich lebe nicht in der Tag hinein, aber doch sehr stark im Moment. Die Begegnungen, die ich bis jetzt gehabt habe, die sind eigentlich immer eher durch Zufall entstanden, und
das sind dann die Schönsten, weil man nicht damit gerechnet hat und völlig überrascht ist!“
Oli: „Sie engagieren sich im World-Spirit-Forum. Wie ist es dazu gekommen, wie sehen sie dort ihre Aufgaben und warum machen sie das?“
Andreas Vollenweider: „Das war eine einmalige Situation. Man hatte mich gefragt die Eröffnungsrede zu halten für dieses Forum, das als Gegenstück zum Weltwirtschaftsforum in Davos gedacht war. Die Welt besteht ja nicht nur aus Wirtschaft. Wir waren damals ein Haufen Leute, die gedacht haben, es wäre wichtig, einen Akzent zu setzen, dass es eben auch geistige Werte gibt, die eine Globalisierung erfahren. Wir haben viele Menschen, die reisen nach Indien, die gehen in den Tibet, folgen irgendwelchen spirituellen Führern. In diesem Zusammenhang ist es mir sehr wichtig zu betonen, dass – und da schließe ich mich dem Dalai Lama an, der hier eine ganz klare Botschaft gegeben hat, hinter der ich absolut stehen kann – man seine spirituelle Suche oder seine Heimat nicht in der Exotik suchen soll. Weil, alle spirituellen Konzepte teilen sich die gleichen Inhalte, das ist universell. Das einzige, was wirklich zählt, ist das Handeln. Wenn wir wirklich etwas bewegen wollen in dieser Richtung, dann ist das Handeln entscheidend. Dieses Forum war dazu da, diese Botschaft unter mehr Leute zu bringen.“
Oli: „Haben sie vor, weiterhin in dieser Richtung tätig zu sein?“
Andreas Vollenweider: „Ich bin jeden Tag in dieser Richtung tätig! Das ist das, was ich mit meiner Musik erzählen möchte. Botschaft ist ein großes Wort, aber das ist der Grund, warum ich unterwegs bin mit der Musik, auch mit diesem Programm. Ich möchte die Menschen darauf aufmerksam machen, dass sie nicht zu weit weg ihre Lösungen, ihre Antworten auf die großen Probleme suchen sollen. Die Antworten sind nicht dort draußen, sondern die sind in uns drin! Dieser ganze Erfahrungsschatz, der ganze Fundus unserer Persönlichkeit – und noch tiefer drin! Das ist ganz wichtig für uns, weil wir haben die Tendenz immer zu hoffen, dass da jemand kommt von da draußen, der uns die heißen Kartoffeln aus dem Feuer nimmt! Die Musik ist hier eben das absolut perfekte Medium, um eben uns bei der Hand zu nehmen und nicht nach draußen zu führen, sondern nach drinnen. Musik ist eine innere Erfahrung. Sie ist tot, wenn nicht jemand dadurch angesprochen wird, innerlich in Bewegung gesetzt wird, Emotionen entstehen. Das ist das, was ich mit meiner Musik mache!“
Ende des ersten Teils des Interviews mit Andreas Vollenweider. Lesen Sie auch den zweiten Teil!
(Transkription eines Radiobeitrages. Anhören unter: http://www.olisabendshow.de/ - Sendung Nr. 26 vom 19. Dezember 2007)
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