... oder wieso es jetzt kurz vor Zwölf ist.
Sie haben Post! Das erklärten jedenfalls die Computer vieler Studenten in den vergangenen Tagen. Das Anliegen ist deutlich: Die AGB des Web2.0-Erfolgs sollen mit dem neuen Jahr geändert werden. „Noch lange kein Grund, darüber einen Artikel zu schreiben“, mag man wohl jetzt denken, doch falsch: Denn erst recht jetzt ist es an der Zeit, die Nutzer der Internetplattform auf die Hintergründe dieser Änderung aufmerksam zu machen.
Niemand! Und das ist meist auch ganz glatt gelaufen. Dass solche Verträge allerdings auch unschöne Inhalte aufweisen und dem meist ahnungslosen Nutzer viel Ärger bereiten können, ist aber kein unbekannter Fakt.
Der Web 2.0 – Erfolg
Es ist eine typische Erfolgsgeschichte, wie man sie in Wirtschaftsmärchenbüchern lesen kann. Studenten gründen eine Internetseite und verkaufen sie für sage und schreibe hundert Millionen Euro. Natürlich, die Studentenplattform darf von sich behaupten, die Bekannteste und Größte in Deutschland zu sein. Noch dazu lobt man sie als DEN Erfolg des Web 2.0 aus. Was will man mehr? Und dabei sein ist alles, also füllt sich die Datenbank mit unzähligen neuen Anmeldungen – und das täglich.
Die Kehrseite
Täglich nutzt man die kostenlose Möglichkeit, seine persönlichen Daten einem Verzeichnis anzuvertrauen, in dem nicht nur Freunde, sondern auch viele Stalker ihr Unwesen treiben. Jeden Tag werden Bilder der vergangen Nacht hochgeladen, in der man das eine oder andere Glas zu viel intus hatte. Es zeigt sich eine Generation, welche scheinbar kein Problem mit dem „öffentlichen Ich“ hat.
Dabei sind doch übliche Internetrecherchen bekannt, bei denen es all jenen Bewerbern an den Kragen geht, die vom suchenden Personalmanager voll trunken auf solchen Partybildern gefunden werden.
Und in der Wirtschaft geht man noch einen Schritt weiter. Warum kauft jemand StudiVZ für 100 Millionen Euro? Das wertvolle daran sind nicht die wenigen Werbeeinnahmen – Gewinn bringen die vielen pri-vaten Daten der Benutzer. Wer bis zum neunten Januar der AGB nicht widersprochen hat (was mit einer Löschung des Accounts getan wird), muss mit maßgeschneideter Werbung rechnen.
Internet = Anonym?
Wer glaubt, dass man heute noch anonym im größten Netzwerk der Welt surfen kann, hat vieles verpasst. Schon lange ist die Datenautobahn „Internet“ nicht mehr sicher. Die eigenen Daten werden zu Hauf verkauft und selbst die sichersten Anbieter im Internet sind nicht vor Hackern und Viren sicher. Eins ist klar: Zeigt man sich im Netz nicht von der anonymen Seite, wird man schneller bekannt als man möchte. Viel Spam im Postfach lässt auf eine weit verbreitete E-Mailadresse schließen und eins kann man mit Sicherheit sagen: Diese Adresse wird auch nie wieder spamfrei sein. Da haben die Unternehmer und Wirtschaftler ein gutes Geschäft gemacht, denn Kunden trifft man im Internet viele und zielgerichtet kann man die vielen Inhalte auch noch senden. Internet macht Werber froh und den Stalker ebenso.
Die Diskussion des gläsernen Bürgers
Im Grunde liegt die Entscheidung bei jedem selbst, ob man sich im Internet präsentiert oder nicht. Mit den Blogs fing es an. Ganze Datenbanken mit Kontaktadressen, Hobbys und Vorlieben ließen die Anonymität nun gänzlich sterben.
Man suche, Google findet. Der Nutzer ist gläsern, denn er verbirgt sich auch nicht. Es ist kurz vor 12! Wir regen uns über Datenspeicherung auf und präsentieren uns selbst auf der nächstbesten Internetseite ganz privat mit den neusten Partpics.
Es ist endlich Zeit für Künstlernamen, Zeit für das neue „anonyme Ich“ der jungen Gesellschaft, wenn wir nicht riskieren wollen, dass ein einziges Stichwort beim Suchgiganten Google für die Aufdeckung unser aller Leben sorgt.
(PO)


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