Der zweifache Pulitzer-Preisträger Norman Mailer ist heute morgen in einem New Yorker Krankenhaus an Nierenversagen verstorben. Mailer war 84.
„Die Stillen haben heute nicht die geringste Chance“, so lautete stets sein Credo. Obwohl Norman Kingsley Mailer an Krücken ging, schlecht sah und hörte, war er bis zuletzt nicht still. Dem Autor, Regisseur und Journalisten haftete das Etikett des ewigen „ enfant terrible“ an. Er stürzte sich mit gefletschten Zähnen auf alle großen Themen des 20. Jahrhunderts. Krieg, Gewalt, Frauenbewegung und sexuelle Neurosen – Mailer prangerte alles an und wurde zu einem der einflussreichsten und streitbarsten US-Autoren der Moderne. Er war ein Raubein, den nichts aufhielt, um mit der amerikanischen Gesellschaft und Politik abzurechnen und der keine Konfrontation scheute. Sein Anfang 2007 veröffentlichter Roman „The castle in the forest“ erzählt in einem Mix aus Fakten und Fiktion die Familiensaga der Hitlers. Adolf Hitler sei vom Teufel gezeugt worden, so lautet Mailers These; die Erschütterung seiner Leser war programmiert.
Für eine Reportage über den Vietnamkrieg erhielt Mailer 1969 seinen ersten Pulitzer-Preis und stieg endgültig in die Riege der Top-Autoren Amerikas auf. „Stormin’ Norman“, so sein Spitzname, porträtierte mit Leidenschaft zahlreiche Personen der Zeitgeschichte. Fasziniert war er von Marilyn Monroe, von Pablo Picasso, Lee Harvey Oswald – oder eben von Hitler. Für die Biografien grub er tiefer als jeder andere, wühlte sich engagierter durch die Lebensläufe, so wie er auch tiefer in die gesellschaftlichen und politischen Wunden Amerikas und der Welt seinen Finger legte. So extrem Mailers porträtierte Figuren waren, so extrem war auch er selbst. Seit 1960 hing immer eine schwarze Wolke über seiner Karriere. Auf einer exzessiven Party erstach er fast seine damalige Ehefrau Adele Morales. Für diese Messerattacke wurde er zu fünf Jahren auf Bewährung verurteilt. Mailer war sechs Mail verheiratet und hatte neun Kinder. Wegen seiner Alkoholexzesse und Schlägereien landete er immer wieder negativ in den Schlagzeilen. Das Leben genoss Mailer kompromisslos und in vollen Zügen bis zum Schluss.
Am 10. November 2007 ist das Gewissen Amerikas nun still geworden.


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Kommentare
ThisIsMyWorld
11.11.2007 13:19
Gefällt mir! Sehr aktuell.