
Auch für ältere Menschen kann eine Nierentransplantation ein deutliches Plus an Lebensqualität bedeuten. Bei einem Vortrag am Städtischen Krankenhaus Pirmasens bestätigte der Chefarzt der Abteilung Nephrologie, Dr. Wolfgang Keller, den Erfolg eines Programms „Old to Old“ des Organ-Verteilungsverbundes Eurotransplant. Bei dem Projekt werden unter anderem die Nieren von Organspendern in fortgeschrittenem Alter, schwerkranken Senioren eingepflanzt, die normalerweise auf eine regelmäßige Blutwäsche (Dialyse) angewiesen wären.
Während bislang vor allem junge Patienten ihre Hoffnung auf gesunde Organe, zum Beispiel von spendewilligen Unfallopfern, gesetzt hatten, gebe die steigende Zahl älterer Organspender ein deutliches Zeichen für die Fortschritte der modernen Transplantationsmedizin. Dabei habe das Programm „Old to Old“ gezeigt, dass das Alter eines Organspenders nur geringen Einfluss auf die Qualität des gespendeten Organs habe. Natürlich sei die Funktionstüchtigkeit der gesunden Nieren eines Senioren nicht in vollem Umfang dem Spendeorgan eines jungen Menschen vergleichbar. Die im Alter nachlassende Abstoßungs-Reaktion des Körpers mache das Spenderorgan aber in jedem Fall zu einem wertvollen Geschenk. Dr. Keller: „Spendernieren haben eine mittlere Lebenserwartung von rund 12 Jahren.“ Nach bisherigen Erfahrungen gehen die Fachleute davon aus, dass diese Zeitspanne auch älteren Patienten zur Verfügung steht. „Was 12 neue, geschenkte Jahre für einen 65-jährigen Patienten bedeuten, der bislang dreimal die Woche dialysiert werden musste, um seine Lebensqualität zu erhalten, liegt auf der Hand“, so Dr. Keller.
Tatsächlich sind es vor allem ältere Menschen und Diabetes-Patienten die unter den Folgen einer nachlassenden Nierentätigkeit leiden. Dr. Keller: „Eine Hauptaufgabe der Nieren ist es, Giftstoffe aus dem Blut zu filtern.“ Schränken Nierenschäden diese Filterfunktion ein, erhöht der Organismus den Blutdruck, um mehr Blut durch die Nieren zu pressen und so einer drohenden Vergiftung zu entgehen. Nach Auskunft von Dr. Keller sorgt dieser anhaltende Bluthochdruck für eine weitere Schädigung der Nieren und so kommt ein Teufelskreis in Gang, der für die Patienten verheerende Folgen haben kann. Rund die Hälfte aller Dialysepatienten sterben – so Dr. Keller - an den Folgen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Über einen Zeitraum von fünf Jahren gerechnet liege die Lebenserwartung von dialysepflichtigen Patienten, die das 64. Lebensjahr vollendet, haben unter 20 Prozent. „Statistisch gesehen leben Patienten mit Darmkrebs, Prostata-Krebs oder Brustkrebs deutlich länger als die meisten Dialyse-Patienten“, sagt Dr. Keller auf Nachfrage.
Der Fachmann des Städtischen Krankenhauses rät: „Je früher eine Funktionsstörung der Nieren festgestellt wird, desto besser ist es für den Patienten.“ Zu den Anzeichen eines beginnenden Nierenleidens können Luftnot, anhaltende Müdigkeit oder die so genannte Schaufenster-Krankheit gehören. Für Klarheit sorgt in jedem Fall ein Besuch beim Hausarzt. Dr. Keller rät, ganz gezielt nach dem so genannten GFR-Wert zu fragen. Die Abkürzung steht für den Filtrationswert der Nierenkörperchen (Glomeruläre Filtrationsrate). Liegt dieser Wert über 90, sind die Nieren weitestgehend gesund. Ein Wert zwischen 60 und 89 bedeutet einen geringen Funktionsverlust. Schwere Funktionsverluste kennzeichnet ein Wert zwischen 15 und 29. Ein Nierenversagen liegt bei Werten unter der Marke von GFR 15 vor. Wer mehr wissen möchte bekommt weitere Informationen auf den Internetseiten des Städtischen Krankenhauses Pirmasens, die Webadresse lautet: www.KH-Pirmasens.de


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