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Kultur | 10.09.2007 19:10  Drucker

Junge Kunst (Part 1) - Der erste Tag (Freitag)


Im Rahmen der "Junge Kunst"-Ausstellung in Neuenburg führten Thorsten Soltau und ich ein kleines Tagebuch, um die Emotionen und Eindrücke hinter den Kulissen festzuhalten. Auf YourJournal präsentieren wir nun die einzelnen Einträge. Thorsten beschreibt seine Eindrücke zum Aufbautag.

Junge Kunst (Part 1) - Der erste Tag (Freitag)

Das Neuenburger Vereinshaus – Unelitäter (Böse Zungen würden sagen unscheinbarer) Ort für Theatervorstellungen und Kunst.
Geradezu skurill mutet die Athmosphäre beim Eintreten an. Geradezu klassisch getünchtes Weiß empfängt den Besucher, streng lineares Ecken und Kantenwerk rundet den ersten Eindruck ab. Doch je tiefer man sich vorwagt, umso mehr Applikation tritt zutage. Mal in Form eines massiven Tresens, dessen Rundungen seltsam kneipenhafte Assoziationen wecken sowie eine Gaderobe mittleren Ausmaßes mit einem Gestängewerk, das an den deutschen Forst erinnert.

Junge Menschen, mehrfach durch die Räumlichkeiten laufend, verstreuen leicht studentenhaften Charme – tatsächlich geht es jedoch eher weniger um die Demonstration, sondern um die Installation und Montage der Künstlerwerke. Neun Künstler stellen aus und landen damit einen Coup was kollektive Privatansammlungen ihrer Werke angeht.
Johann Sartison's Bilder wirken auf dem ersten Blick fast wie Bilder aus einem gehobenen Gastronomiebetrieb. Fünf Bilder wie aus einem Guss, mit gesprayten Negativdetails von Blättern, umrahmt von japanischer Schriftkunst erwecken dem Betrachter traute Erinnerung an das Chinarestaurant an der Ecke – an den Zimmerecken punktiert von Staffeleien mit Sonnenuntergängen oder abstrakten Farbverläufen. Inseln und Wüsten inklusive.

Kristina Trey entfacht in mir die Gefühle. „Och wie süß", möchte man angesichts ihres Stirnkuss – Szenarios zurufen, wenn sie es nicht so bitterernst meinen würde. Ihre Stirnküsse sind ästhetische Fotoarien in gediegenem Schwarzweiß, geradezu herausfordernd offensiv und fernab jeglicher Niedlichkeit. Neben ihren Hochglanzausschnitten mitten aus dem Leben und der Stadt findet sich auch ein Quäntchen Farbe. Ein gestochen scharfer Sonnenuntergang mit explodierender Farbschemata ist fast schon eine Visitenkarte des Druckers, der sich für die Bildvergrößerungen verantwortlich zeigt.

Tetyana Zolotopupova's Beitrag ist der abstrakteste überhaupt. Ihre Technik besteht darin, Farbe auf die Leinwand zu schleudern. Ohne Vorzeichnung werfen ihre verschiedenartig aufgetroffenen Farbschlieren geradezu verwirrend manische Muster und Texturen, durchbrochen von verschiedenartig aufgetragenen Materialien aus dem Leben. Die eruptiven Farbspiele sind gleichzeitig auch Ausdruck für „weggeworfene" Verspannungen und (wie in ihrem Ausstellungsbrief vermerkt) „Traumata".

Irgendwann um acht Uhr abends schließe ich die Räume. Die Strahler sind auf das eingestellt, was morgen dem Publikum vorgestellt wird. Der Tresen versinkt wieder in der Dunkelheit und hinter mir fällt die Feuertür ins Schloss.

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