Die Deutschen lieben das Grillen, Grillabende und Grillpartys. Komisch, denn nüchtern betrachtet können derartige Veranstaltungen ganz schön nervig sein! Bei mir im Studio ist jetzt Ulli Bernstorf aus der Oeins Hörfunkredaktion zu Gast, und wir sprechen über das Thema: „Die Grillparty - Ein Abend voller Entbehrungen!“

Die Deutschen lieben das Grillen, Grillabende und Grillpartys. Komisch, denn nüchtern betrachtet können derartige Veranstaltungen ganz schön nervig sein! Bei mir im Studio ist jetzt Ulli Bernstorf aus der Oeins Hörfunkredaktion zu Gast, und wir sprechen über das Thema: „Die Grillparty - Ein Abend voller Entbehrungen!“
Oli: „Ulli, wir beiden haben es ja mit den Grillpartys, das ist nicht unsere Lieblingsveranstaltung, oder?“
Ulli: „Nein, es ist des deutschen Mannes Lieblingsveranstaltung im Sommer habe ich stark den Eindruck! Aber, nicht nur von Männern, es ist einfach der deutsche Volkssport im Sommer!“
Oli: „Wir waren letzten Samstag zu einer Grillparty eingeladen. Um 19 Uhr sollte es losgehen, wir hatten Hunger ohne Ende, doch es war noch nicht mal Kohle auf dem Grill! Ulli, wie kann so was sein?“
Ulli: „Also, wenn man zu einer Grillparty eingeladen ist, sollte man auf eines achten: Man sollte immer gut gegessen haben! Die Leute reden sich raus: ‚Ja, wir wissen nicht, wie viele kommen und das wollen wir erst mal sehen!’ - Das kann man aber leider erst im Laufe des Abends sehen! Also, es hat natürlich niemand rechtzeitig die Grillkohle angefeuert und - wenn dann angezündet wird - meist zu hektisch, mit viel zu viel Grillanzünder - dann stinkt das gewaltig!“
Oli: „Genau! Es werden Unmengen an Grillanzündern benötigt, es wird gefackelt, bis der halbe Garten in Flammen steht und endlich endlich irgendwann glüht dann auch mal die Kohle! Die Klamotten! Weißt Du? Die sind dann irgendwann durch die umherfliegenden Rußpartikel vollkommen eingesaut und um die Wartezeit zu überbrücken, trinkt man denn ja gerne erst mal ein Bier! Aber, da sind wir schon beim nächsten Problem, Ulli, oder?“
Ulli: „Das Bier auf Grillpartys ist immer und grundsätzlich zu warm! Es wird eine billige Marke herausgekramt, die, die im Supermarkt gerade im Angebot ist, und das ist natürlich nicht die Premium-Marke, die man gerne hätte! Und nur die allerwenigsten verfügen über einen Kühlschrank im Garten! Also, es ist immer zu warm! Das einzige, was man noch erwarten kann, ist, dass irgendjemand eine alte Blechwanne rausstellt und das Bier wenigstens wassergekühlt ist, aber das bringt bei Lufttemperaturen von 28 Grad auch nicht wirklich viel! Vor allem, weil es dann als erstes schon runtergestellt wird und somit ist das Bier immer handwarm!“
Oli: „Ja, und während man dann dieses handwarme lauwarme Bier vor sich hin trinkt und wartet, glüht irgendwann die Kohle ja auch endlich mal, aber es dauert dann noch mindestens eine halbe bis dreiviertel Stunde, bis das erste Stück Fleisch überhaupt gar ist! Ich habe immer so die Erfahrung gemacht: Fleisch auf Grillpartys ist immer stark durchwachsen, fettig, viel zu dick das Ganze! Mir ist schleierhaft, wo die Menschen das Fleisch kaufen! Magst du das eigentlich, wenn das Fleisch so fettig ist?“
Ulli: „Ich mag es persönlich überhaupt nicht so! Oftmals ist es ja auch bretthart! Auf jeden Fall oft und immer viel zu groß! Ich glaube, die Leute gehen vorher mit dem großen Hunger einkaufen und schaffen sich diese Monsterportionen ran! Jedenfalls dauern diese großen Fleischstücke besonders lange bevor sich durch sind, und es ist fast immer zu durchwachsen!“
Oli: „Das nächste Problem ist ja das Geschirr, Ulli, wir müssen über das Geschirr sprechen! Wobei man eigentlich nicht von ‚Geschirr’ sprechen kann, weil, das ist immer eine Ansammlung von Plastik und Papptellern was man in die Hand gedrückt bekommt!“
Ulli: „Plastikbesteck und Pappteller! Die Leute zäumen das Pferd von hinten auf, sie denken: ‚Praktisch!’ - Man kann dann einen großen Müllsack hinhängen, um den sich dann nachher auch schön viele Fliegen, Bienen und ähnliches Getier gruppiert, aber man kann seinen Müll dann praktischerweise hineinwerfen. Es gibt also fast immer nur Pappteller und Plastikbesteck mit dem man das Gegrillte konsumieren kann - sofern man denn einen Platz findet!“
Oli: „Ich wollte es gerade ansprechen: Hast du denn auf Anhieb einen Platz bekommen?“
Ulli: „Natürlich nicht! Man steht dann da mit seinem handwarmen Bier, unterhält sich irgendwie und wird eigentlich viel zu schnell betrunken. Inzwischen sind die zwei bis drei Plätze, die an dem Tisch für acht Personen noch frei sind zum essen längst besetzt, denn eigentlich ist immer viel zu wenig Platz auf diesen kleinen Gartentischen, denn da stehen ja diese riesigen Salatkummen!“
Oli: „Stichwort: Salate! Da haben wir natürlich auch wieder schlechte Erfahrungen gemacht! Denn es gibt immer die ewig gleichen Salate! Genauso handwarm wie das Bier, weil die Salate stehen dann dort ja auch schon sehr lange und es sind immer die gleichen, schlecht schmeckenden Salate, oder?!“
Ulli: „Immer zu wenig gewürzte Nudelsalate, immer der große Bottich Kartoffelsalat. Dann sagen die einen schon: ‚Mit Ei - esse ich nicht!’ oder: ‚Ohne Ei - esse ich nicht!’ - Egal! - Die wärmen natürlich auch gut an! Aber, wenn ich ehrlich bin, Kartoffelsalat ist das, was einen über den Abend rettet!“
Oli: „... da hat man dann zumindest schon mal etwas, um den größten Kohldampf etwas zu besänftigen! Aber das sind ja auch häufig diese Partys, wo jeder etwas mitbringen soll. Da sagt der Veranstalter vorher, bringt mal irgendwas mit und dann haben die meisten Leute ja überhaupt keine Zeit und überhaupt keinen Bock, zu Hause selber was Kreatives zu machen! Nein, sie rennen in den nächsten Supermarkt und greifen halt nach einem Kartoffel- oder Nudelsalat und deshalb hat man später auf der Party Dutzende Kartoffel- oder Nudelsalate, die dann natürlich auch alle gleich schmecken!“
Ulli: „... und die irgendwo stehen müssen!“
Oli: „... ja!“
Ulli: „Das ist ja das Problem, dieses Sammelsurium von tupper-ähnlichen Gefäßen, die dann wirklich alles blockieren und auf den Fußboden ins Gras mag man es ja auch nicht stellen! Da kann man sich schon besser selbst ins Gras setzen, weil, Stühle gibt es auch immer zu wenig auf Grillpartys!“
Oli: „Ja, das finde ich immer erstaunlich, dass die Gastgeber 30 Leute einladen aber nur zehn Stühle haben! Das scheint planungstechnisch immer etwas in die Hose zu gehen! Was ich auch ganz schlimm finde, ist, dass der Grill meistens auch viel zu klein ist bzw. viel zu klein für die vielen Gäste! Das heißt, ein gemeinsames essen ist ja auch gar nicht möglich, sondern es ist immer ein hektisches hin und her Gerenne, oder?“
Ulli: „Die einen sitzen, die anderen stehen, einer muss immer zum Grill. Wenn man Glück hat, macht einer den Grill-Master und legt regelmäßig auf und geht da gar nicht weg - da muss man höflicherweise natürlich gelegentlich zu ihm hingehen, ihm Mut machen, einen Schluck Bier abgeben und so weiter, aber wenn dann alle zusehen, dass auch die Tofu-Würstchen in einem anderen Zeittakt gedreht werden müssen, als die normalen Würstchen, dann hat man auch da immer hektische Betriebsamkeit! Jedenfalls hat man kaum mal die Chance, neben Jemanden vier Minuten ruhig zu sitzen, das ist richtig!“
Oli: „ Welche Tipps können wir geben? Sollte man Grillpartys gänzlich meiden, Ulli, oder sollte man vorher gut gegessen haben? Was können wir den Hörern abschließend sagen?“
Ulli: „Vorher gut essen! Vielleicht selbst eine Kühltasche mitbringen, damit man zumindest kleine Mengen an Bier auf Vorrat für sich und seinen Partner auf Vorrat kühlen kann. Keine Kinder! Keine Hunde! Vielleicht selbst einen Garten-Klappstuhl mitbringen, nicht erwarten, dass man an einem Tisch sitzen kann, sondern einfach auf dem Schoß essen und generell einfach die Zeit, die man sich dort aufhält, stark beschränken!“
Oli: „Was ich immer mache in der letzten Zeit immer mache: Ich bringe mir einen Porzellanteller mit und eigenes Besteck! Richtiges, schönes Besteck! Weil, dieses Plastikbesteck, Ulli, das geht überhaupt nicht! Finde ich!“
Ulli: „Vladimir Kaminer hat einmal von seinem Balkon aus am Helmholtzplatz in Berlin beobachtet, wie Ost- und West-Grillen geht, kennst du das?“
Oli: „Nein!“
Ulli: „Ost-Grillen ist: Eine große türkische Familie, ein restaurantfähiger Großgrill und - er hat es so beschrieben - zwei bis drei Männer, acht Frauen, 16 Kinder toben drum herum und dann wird nachts um halb zwei noch mal das letzte Schwein geschlachtet! West-Grillen geht eher so: Es steht ein Spielzeuggrill herum, drei bis vier Typen und sechs Hunde, dafür keine Kinder und nur zwei Frauen - aber die können beide jonglieren!“
Oli: „Is’ richtich!! :) - Ulli Bernstorf, vielen Dank für das Gespräch!“
Weitere Informationen zu diesem Thema auf www.OlisAbendshow.de
(Transkription eines Radiobeitrages. Anhören unter: http://www.olisabendshow.de/ - Sendung Nr. 19 vom 15. August 2007)
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