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Freizeit & Reisen | 15.08.2007 00:16  Drucker

Wandern: Der Rennsteig - Eine Abenteuertour über den Thüringer Wald


Die rund 170 km des berühmtesten Wanderweges Deutschlands lassen sich in 6-8 Tagen bewältigen. Ein unvergessliches Erlebnis - vor allem, wenn man gut vorbereitet ist.

Wandern: Der Rennsteig - Eine Abenteuertour über den Thüringer Wald

"Kein Gebirge der Welt hat etwas Ähnliches aufzuweisen wie den uralten Rennstieg", schrieb der vor hundert Jahren berühmteste deutsche Wanderbuchautor August Trinius, der penetrant die südwestthüringische Form Rennstieg statt des fränkischen bzw. standardsprachlichen Rennsteig verwendete. Mit dieser Marotte konnte er sich zwar nicht durchsetzen, was aber kein Hinderungsgrund dafür war, daß sein 1890 erschienener Bestseller "Der Rennstieg. Eine Wanderung von der Werra bis zur Saale" einen wahren Ansturm des deutschen Bildungsbürgertums auf den 168 km langen thüringer Höhenpfad auslöste, der damit zum bis heute berühmtesten deutschen Wanderweg wurde. Was war der Grund?

Trinius hatte den Rennsteig als "das älteste kulturgeschichtliche Denkmal Thüringens" gepriesen. Damit war zum einen gemeint, daß ein kurzes Teilstück schon 933 in einer Urkunde auftauchte, wenn auch noch nicht unter einem bestimmten Namen. Der erschien als "Rynnestig" vierhundert Jahre später (1330) im Buch der Geschichte. Viel bedeutsamer für das kulturgeschichtliche Interesse aber war, daß entlang des Höhenweges weit über tausend alte Grenzsteine vor allem aus dem 17. und 18. Jahrhundert stehen, oft mit kunstvollen Wappen der beteiligten Herrschaften verziert. Diese Zeugen der einstigen Kleinstaaterei waren zwanzig Jahre nach der Reichsgründung von 1871 von ganz besonderem Interesse. Sie verhalfen dem Rennsteig zum Nimbus eines Reichseinigungssymbols, wobei zu seiner Popularität noch beitrug, daß er in Zeiten von Karl May und kolonialen Abenteuern des Deutschen Reiches dem Normalverbraucher Gelegenheit für ein bürgerlich temperiertes Freizeitabenteuer bot, das in rund einer Woche fern des großstädtischen Alltags zu bewältigen war. Und heute?

Während der Zeit der deutschen Teilung lag der Rennsteig überwiegend auf DDR-Gebiet und wurde vom sozialistischen Staat als 110 km langer Teil des "Völkerwegs der Freunschaft Eisenach-Budapest" gepflegt. Nach der Wende erkannten die Wanderer wieder die Einigungssymbolik dieses berühmtesten deutschen Wanderweges und begingen ihn massenhaft. Heute hat sich die Lage etwas beruhigt, was nicht von Nachteil sein muß.

Wie soll ich heute eine Rennsteig-Wanderung angehen?
Zunächst ist zu entscheiden, ob man von West nach Ost oder umgekehrt wandern will. Ich plädiere für ersteres, das heißt von Hörschel an der Werra (nahe Eisenach) nach Blankenstein an der Saale. Grund: Es ist die Verlaufsrichtung, die Trinius beschrieb und auch die bevorzugte Wanderrichtung des Rennsteigvereins. Dessen traditionelle "Runst" bewältigt die 168 km in 6 Tagen, was für Normalverbraucher etwas knapp ist. Ich würde daher die 8-Tage-Einteilung empfehlen, wie sie in dem Buch "Wandern auf dem Rennsteig - Thüringer Wald" aus der Reihe "DuMont aktiv" vorgeschlagen wird. Hauptproblem ist dabei die Quartierfrage auf den ersten 33 km. Diese werden nämlich bei der offiziellen Runst in einem Rutsch bewältigt, was eine ziemliche Strapaze ist, zumal es bis zum Ziel auf dem Großen Inselsberg kontinuierlich bergauf geht. In genanntem Buch wird daher als erstes Übernachtungsquartier ein Gasthaus nach 19 km genannt - das allerdings zur Zeit wegen Insolvenz geschlossen ist. Der Rennsteig zieht eben nicht mehr so, wie noch vor zehn Jahren. Wer also nicht die 33 km bis zum Inselsberg am ersten Tag bewältigen kann, muß hier in den Talort Ruhla absteigen.

Von dieser kleinen Mißhelligkeit abgesehen, findet man im weiteren Verlauf der Tour immer ein Quartier auf dem Rennsteig. Die 8-Tage-Variante sieht dann wie folgt aus (km-Angaben gerundet):

1. Tag        Hörschel - Ascherbrück/Ruhla    19 km
2. Tag        Ascherbrück/Ruhla – Ebertswiese    25 km    
3. Tag        Ebertswiese – Oberhof/Schmücke    27 km    
4. Tag        Schmücke – Neustadt        18 km  
5. Tag        Neustadt – Friedrichshöhe        17 km  
6. Tag        Friedrichshöhe - Spechtsbrunn    24 km
7. Tag        Spechtsbrunn – Brennersgrün    20 km  
8. Tag        Brennersgrün – Blankenstein    20 km

Wer sich auf diese Tour über den Kamm des Thüringer Waldes einläßt, wird ein unvergessliches Erlebnis mit nach Hause nehmen. Ganz so abenteuerlich wie zu Trinius' Zeiten ist die Wanderung freilich nicht mehr, da im Zuge von ABM-Maßnahmen der 1990er Jahre der Weg bequemer gemacht wurde. Aber die dabei errichteten Schutzhütten in 1-2 km Abstand sind doch ein Segen, denn die Höhen des Thüringer Waldes sind nicht unbedingt ein regenarmes Gebiet. Die Ausrüstung sollte dieser Situation Rechnung tragen - dann ist auch eine Wanderung bei gemischtem Wetter ein Genuß.

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Für alle, die sich näher mit der Rennsteiggeschichte beschäftigen wollen, sei das Buch von Trinius empfohlen, das auf märchenhafte Weise in die Kaiser-Wilhelm-Zeit zurückversetzt. Zu beziehen ist es außer antiquarisch über Fernleihe der deutschen Bibliotheken.

Der Rennsteig in Bildern von Hörschel bis Blankenstein

Quellen: eigene Recherchen und das Buch "Wandern auf dem Rennsteig - Thüringer Wald" aus der Reihe "DuMont aktiv". Siehe auch den Link unten.

Bildquelle: rennsteigverein.de

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Quelle: rennsteigverein.de
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