Trotz des allgemein niedrigen Zinsniveaus lassen sich Banken die Überziehung des Girokontos gut bezahlen. Verbraucherschützer üben Kritik an den überteuerten Zinsen für Dispo-Kredite, an denen sich trotz bereits lang andauernder Vorwürfe bis heute kaum etwas geändert hat. Bis zu 15 Prozent Zinsen werden für die Kontoüberziehung fällig.
Das Magazin Finanztest hatte bereits vor gut einem halben Jahr Bank
In mit dem Vorwurf unverschämter Dispo-Zinssätze konfrontiert. Nun kam es zu einer Nachfolgeuntersuchung bei insgesamt 104 Banken. Fazit: Die Durchschnittskonditionen sind auf gleichem Niveau verblieben – und liegen immer noch bei 11 Prozent.
Finanztest betitelte 27 der 104 unter die Lupe genommenen Kreditinstitute als „Abzockerbanken“: Sie zogen ihren Kunden mehr als 13 Prozent Zinsen für die Kontoüberziehung aus der Tasche. Die Verbands-Sparkasse Wesel toppt die Statistik mit einem Zinssatz von 15 Prozent.
Einige Kreditinstitute senkten zwar in den vergangenen Monaten ihren Zinssatz, jedoch passte nur eine der Banken ihre Konditionen auf einen einstelligen Betrag an: Die Volksbank Mittelhessen korrigierte ihren Dispozins von 13 auf 9,5 Prozent. Die meisten anderen Institute gingen allenfalls einen Prozentpunkt in ihren Zinssätzen nach unten – was bei einem Überziehungsbetrag von 250 Euro auf die Dauer von 100 Tagen gerade mal zehn Cent Ersparnis mit sich bringt.
Es schnitten aber auch einige Banken gut ab, wie der Berlinkontor berichtet, hier seien unter anderem die DAB Bank und die Deutsche Skatbank erwähnt.
Das Thema ist auch so interessant weil es laut einer GFK Umfrage jeden achten Bankkunden betrifft. Das heißt wir sprechen hier von Millionen Bankkunden die regelmäßig ihren Dispo nutzen.
Verbraucherschützer ärgern sich über die Wucherpreise, könnten sich die Banken doch derzeit besonders günstig refinanzieren. Wie der Blog wirtschaftsthemen.net unter dem Titel „Verbraucherschützer beschuldigen Banken der Abzocke“ zitiert er die Verbraucherschützer unter anderem mit den Worten „Willkür, Abzocke, Ärgernis und unverhältnismäßig. Sie selbst könnten ihre Schulden günstig begleichen, während die Kunden großzügig zur Kasse gebeten werden und den Kreditinstituten damit Millionen bescheren. „15 Prozent sind in der Niedrigzinsphase viel zu hoch“, so ein Sprecher des Bundesverbraucherministeriums. Man wolle deshalb das Verhalten der Banken genauer prüfen – und entsprechende Untersuchungsergebnisse bis Jahresende vorlegen.
Den Banken wird vorgeworfen, die Zinspolitik willkürlich zu betreiben. Die Banken selbst halten die Kritik für ungerechtfertigt: Verbraucher könnten eigenständig zwischen verschiedenen Angeboten wählen – und sollten den Dispo-Kredit ohnehin nur in Notsituationen beanspruchen.
Auch Verbraucherzentralen raten dazu, einen genauen Kontovergleich durchzuführen, bevor die Entscheidung für ein Girokonto getroffen wird. Bei bestehendem Konto kann sich ein Wechsel durchaus lohnen. Wer seinen Dispo-Kredit regelmäßig ausschöpft, ist möglicherweise mit einer Umschuldung in einen günstigen Ratenkredit besser bedient.


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