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Skurriles | 28.07.2007 12:45  Drucker

Die spinnen aber!


Haben Sie eigentlich ein Haustier? Vielleicht einen Hund, vielleicht ja auch eine kleine Katze, möglicherweise - wir werden ja nicht nur in der Stadt Oldenburg gehört, sondern auch in ‚Oldenburg und umzu’, wie es immer so schön heißt - leben sie ja auf dem Land und vielleicht haben sie Gänse, Hühner oder vielleicht haben sie ja auch einen Esel. Könnte ja sein, das sind ganz normale Haustiere, die kennen wir alle. Michael Wortmeyer aus Wilhelmshaven hat zwar auch einen Hund, aber bei ihm leben noch viel spannendere, possierliche Tierchen - nämlich Vogelspinnen - und zwar nicht nur so ein oder zwei Stück, sondern er hat gleich 80 - wenn schon, denn schon - und das habe ich zum Anlass genommen, ihn einfach mal in Wilhelmshaven zu besuchen.

Die spinnen aber!

Haben Sie eigentlich ein Haustier? Vielleicht einen Hund, vielleicht ja auch eine kleine Katze, möglicherweise - wir werden ja nicht nur in der Stadt Oldenburg gehört, sondern auch in ‚Oldenburg und umzu’, wie es immer so schön heißt - leben sie ja auf dem Land und vielleicht haben sie Gänse, Hühner oder vielleicht haben sie ja auch einen Esel. Könnte ja sein, das sind ganz normale Haustiere, die kennen wir alle. Michael Wortmeyer aus Wilhelmshaven hat zwar auch einen Hund, aber bei ihm leben noch viel spannendere, possierliche Tierchen - nämlich Vogelspinnen - und zwar nicht nur so ein oder zwei Stück, sondern er hat gleich 80 - wenn schon, denn schon - und das habe ich zum Anlass genommen, ihn einfach mal in Wilhelmshaven zu besuchen. Da hat er die ganzen Spinnen in einem separaten Raum und meine erste Frage war natürlich, wie kommt man darauf, sich eine Vogelspinne als Haustier zu halten...

Michael Wortmeyer:
„Ja, das ist die Faszination, mich haben Insekten- und Spinnentiere schon immer fasziniert und das hatte sich einfach mal irgendwie ergeben, meine erste eigene Bude und dann hatte gerade jemand seine Tiere zum Verkauf angeboten im Kleinanzeiger und dann kam das eine zum anderen. Ich habe schon immer mit dem Gedanken gespielt, weil das sind einfach für mich die perfekten Haustiere. Sie sind pflegeleicht, sie sind ruhig, sie stinken nicht. Das kann zwar nicht jeder nachvollziehen, aber ich fand es schon immer faszinierend.“

Oli:
„Wie lange lebt denn so eine Spinne? Ist das von Art zu Art unterschiedlich? Leben Männchen vielleicht länger als Weibchen? Oder umgekehrt?“

Michael Wortmeyer:
„Also, in der Regel zwölf bis fünfzehn Jahre, das kommt natürlich auch auf die Art an. Es gibt südamerikanische Arten, die 25 bis 30 Jahre alt werden können, wobei die Tiere in der Terrarienhaltung in der Regel älter werden als in der freien Natur, das hängt allgemein mit den Umweltbedingungen zusammen und wie oft die Tiere einen Kokon bauen, sprich für Nachwuchs sorgen, davon hängt das alles ein bißchen ab. Dann gibt es kleinere Arten unter den Vogelspinnen, die können bis zu fünf Jahre alt werden. Dann gibt es Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen. Männchen werden lange nicht so alt wie die Weibchen. Männchen haben nach der Geschlechtshäutung in der Regel 1 ½ bis 2 Jahre - bei einigen Jahren kann es mal drei Jahre sein - aber ein Jahr ist so die Regel, dann ist es vorbei mit dem Männchen!“

Oli:
„Was fressen die denn so?“

Michael Wortmeyer: „Das ist natürlich wieder von der Größe abhängig. Am meisten werden Heimchen verführet, das ist eine Grillenart, dann werden häufig Heuschrecken verfüttert, Schaben, Mäuse kann man verfüttern, das ist aber eher die Ausnahme, ich mache es auch nicht so gerne, auf jeden Fall ist es auch von der Größe der Spinne abhängig.“

Oli:
„Die typischen Anfängertierchen sind nicht anspruchsvoll in der Haltung. Sie brauchen eine Standardtemperatur von 25-27 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von 75-85% - so ungefähr. Sie sind also relativ einfach zu halten. Aber ich als Laie frage mich natürlich, wie giftig sind diese Vogelspinnen eigentlich? Wenn ich mal gebissen werde, was passiert dann? Haut mich das dann gleich um?“

Michael Wortmeyer:
„Ich kann da nichts zu sagen, ich bin noch nicht gebissen worden zum Glück! Man kann aber sagen, Vogelspinnen sind mindergiftig. Es gibt da natürlich auch wieder so ein paar Unterschiede, je nachdem, wo das Tier lebt. Afrikaner und Asiaten haben ein etwas stärkeres Gift als die Amerikaner zum Beispiel. Aber sie gelten trotzdem als mindergiftig, man kann das ungefähr vergleichen mit einem Bienenstich, so von der Wirkung her, vom Schmerz her. Aber es gibt keine Fälle mit Todesfolge oder wo es mal wirklich hart-auf-hart ging. Es gibt Einzelfälle, wo Leute von einer asiatischen Baumbewohnerin gebissen wurde, die lagen dann mal zwei Wochen im Krankenhaus, da wurden Gliedmaßen mal so ein bisschen taub, aber das legt sich dann auch wieder mit der Zeit, aber sie sind wie gesagt mindergiftig.“

Oli:
„Wenn ich mich jetzt entscheide, ich möchte eine Vogelspinne als Haustier haben, wo kann ich denn eine kaufen?“

Michael Wortmeyer:
„Am besten über den Stammtisch oder auch über Börsen oder man kennt jemanden, der sich auch Vogelspinnen hält. Wir sind auch jedes Jahr auf der Messe ‚Mein Tier’ in Oldenburg in der Weser-Ems-Halle vertreten und wenn man Fachleute an der Hand hat, sollte man sich am besten an sie wenden. Ich persönlich rate immer vom Erwerb über Zooläden ab oder Baumärkte, das ist für mich eine absolute Katastrophe. Man kann auch über das Internet versuchen , sich einen Züchter an die Hand zu holen, dann hat man den Fachmann dahinter, der kann einem da ein bisschen was zu erzählen, der kann auch Tiere besorgen, das Terrarium einrichten, das machen wir auch immer. Speziell nach den Messen werden wir immer angesprochen, ob wir nicht Tiere besorgen können. Das sind dann größtenteils oder eigentlich immer eigene Nachzuchttiere, das heißt wir wissen, die Tiere sind gesund, wir legen die Hand dafür ins Feuer und es sind auf jeden Fall Nachzuchttiere. In den Zoogeschäften weiß man das auch nicht unbedingt, ob es nicht Wildfänge sind, davon raten wir auch immer ab.“

Oli:
„Wie vermehren die sich denn eigentlich genau? Ich sehe, sie halten Männchen und Weibchen getrennt. Vertragen die sich nicht so gut zusammen? Sind es generell Einzeltiere?“

Michael Wortmeyer:
„Vogelspinnen sind generell Einzeltiere. Es gibt einige Arten, die kann man in Gruppe halten, aber das wird immer noch scharf diskutiert im Internet. Die einen probieren es mal und es kann auch eine Zeit lang gut gehen, bei manchen Arten funktioniert es tatsächlich, aber generell sind es Einzelgänger. Mit dem Nachwuchs sieht es so aus, wenn man mal ein Pärchen hat - meistens hat man das Weibchen und sucht dann noch das passende Männchen dazu - wartet man, bis das Männchen geschlechtsreif ist, es fängt dann an ein Sperma-Netz zu bauen. Darüber nimmt es dann das Sperma auf. ‚Bulben’ nennen sich die Geschlechtsorgane des Männchens. Dann setzt man das Pärchen zusammen. Die Männchen fangen dann an zu trommeln, senden also Signale aus, das Weibchen reagiert, und irgendwann kommt es dann zur Kopulation. Wenn es geglückt ist, fangen sie nach ca. drei Monaten - das ist so die Regel - an, einen Kokon zu bauen und nach weiteren sechs bis acht Wochen schlüpfen dann die Jungtiere.“

Oli:
„Was kostet so eine Vogelspinne eigentlich im Unterhalt? Wie hoch sind die monatlichen Kosten?“

Michael Wortmeyer:
„Das ist schwer zu sagen, das kommt immer darauf an, was man für eine Art hat. Es gibt natürlich einige Fressmaschinen, da kann man reinschmeißen, die fressen alles. Typische Anfängerspinnen - zum Beispiel die Brachypelmen - sind sehr genügsam. Es gibt immer diverse Richtwerte, die in den Büchern stehen, aber ich persönlich mache das immer nach Augenschein, wie das Tier eben genährt ist. Man kann sagen, zwei Heimchen pro Woche. Eine Dose Heimchen kostet im Fachhandel ungefähr drei Euro. Wir beziehen natürlich über Internet, da wir größere Mengen benötigen, dann ist es etwas günstiger. Aber an sich sind die Tiere sehr genügsam. Man kann auch längere Fresspausen einlegen, manchmal legen die Spinnen auch von sich aus Fresspausen ein, dann hat man gar keine Kosten bis auf die Stromkosten vielleicht.“

Oli:
„Das heißt, wenn ich jetzt mal zwei Wochen in den Urlaub fahren will, zwei Wochen Mallorca, dann kann ich das ruhig tun, wenn die Spinnen vorher dick genug sind, dann können sie auch ruhig mal zwei Wochen ohne Futter auskommen?“

Michael Wortmeyer:
„Ja, das kann man durchaus machen. Man trifft natürlich so einige Vorbereitungen. Ein Tier sollte natürlich gut genährt sein, wobei zwei Wochen sind wirklich kein Problem, die Vogelspinnen können Fresspausen bis zu 25 Monate einlegen. Feuchtigkeit ist dann wichtig, wenn man zum Beispiel weiß, man ist jetzt drei Wochen nicht da, dann hält man den Boden etwas feuchter, dann bekommt die Spinne Feuchtigkeit über das Tauwasser, was sich an der Scheibe und an den Pflanzen bildet, aber, wie gesagt, zwei bis drei Wochen, das ist kein Problem, das stecken die gut weg.“

Oli:
„Wenn ich jetzt eine ‚Einsteigerspinne’ - so nenne ich die mal - kaufen möchte, sei es über den Stammtisch oder bei einem seriösen Händler, was muss ich da anlegen? Was kostet so ein Tier“

Michael Wortmeyer:
„Das kommt natürlich darauf an, über wen man das macht. Beim Stammtisch ist es so, dass es sich um eigene Nachzuchttiere handelt, da können wir einen günstigeren Preis machen, aber selbst, wenn man ein Tier über eine Börse kauft, liegt der Preis immer noch ca. 1/3 unter dem Ladenpreis, das kann man mit ruhigem Gewissen behaupten. Vom Zoohandel rate ich persönlich immer ab, denn die nehmen gepflegte Preise für ihre Tierchen. Viele, die im Zoohandel gekauft haben, ärgern sich beim Stammtisch über den hohen Preis, den sie gezahlt haben. Für das viele Geld hätten sie bei uns drei Tiere bekommen können! Aber den Fehler macht jeder mal, sich ein Tier im Zoohandel zu kaufen. Meine erste Spinne habe ich zwar privat gekauft, aber meine zweite war auch aus dem Zooladen, aber die wollte ich auch unbedingt haben. Das muss jeder einmal durchgemacht haben!!

lOli: „Was hat die zweite Spinne im Zooladen gekostet?“

Michael Wortmeyer:
„Na gut, das war jetzt eine Brachypelma smithi [mexikanische Rotknie-Vogelspinne, die Red.], so nennt die sich, ein mittelgroßes Tier, da habe ich fast 80 Mark [=40,90 EUR, die Red.] damals noch bezahlt, das war noch zu DM-Zeiten. Heutzutage geht der Preis fast in Ordnung. Heute kann man ein ausgewachsenes Weibchen auf der Börse für 50-60 Euro bekommen, aber im Zooladen würde man dafür locker 150 Euro bezahlen, für so ein großes Tier.“

Oli:
„Wenn die Spinnen sich gepaart haben, dann spinnt das Weibchen einen Teppich, sie legt ihre Eier auf diesen Teppich und je nach Art können das bis zu 2.000 Eier sein. Dann wird das ganze zu einem Kokon versponnen, der wird dann ausgebrütet. Aber ist das nicht ein Horror, wenn in diesem Terrarium plötzlich Hunderte von Spinnen gleichzeitig schlüpfen? Denn wenn der Kokon fertig ausgebrütet ist, werden die Spinnen sicher zügig nach und nach hintereinander schlüpfen - also Hunderte von kleinen Spinnen auf einmal! Wie kommt man damit klar?“

Michael Wortmeyer:
„Das kommt immer darauf an, wann man das entdeckt, den Zeitpunkt des Schlüpfens! Man kann dann dem Muttertier den Kokon wegnehmen und die kleinen Tiere dann in einem separaten Behälter einzeln wegfangen. Ich mache es immer so, dass ich das Weibchen raushole aus dem Terrarium und dann fange ich die Tierchen nach und nach weg. Meistens kann man die Jungtiere für eine gewisse Zeit noch gemeinsam in einem Behälter halten, das geht, bis dann so langsam der Kannibalismus einsetzt, dann sollte man sie doch so langsam trennen. Was heißt Horror? Das ist ja für uns auch ein schönes Gefühl, ein bisschen für Nachwuchs gesorgt zu haben, da sieht man über den ‚Horror’ einfach mal hinweg!“

Oli:
„Diese Terrarien sind ja nicht so wahnsinnig groß, wenn dann da mit einem Mal hundert Tiere drin sind oder sogar noch mehr, das ist doch ein einzigartiges Gewusel, oder?“

Michael Wortmeyer:
„Ja, das ist ein einzigartiges Gewusel! Es ist aber mehr die Ausnahme, dass man da mehrere hundert Tiere drin hat. Der Schnitt liegt so bei 150-200 vielleicht, also dass man da mal richtig viele drin hat, ist eher selten. Es kommt immer darauf an. Es gibt Richtwerte, die besagen, bei gewissen Arten sitzen so-und-so-viele Spinnen in einem Kokon, bei anderen Arten sind es dann entsprechend mehr oder weniger. Aber das sind nur Richtwerte, daran kann man sich auch nicht verlässlich dran halten. Das ist höchst unterschiedlich, das variiert doch sehr stark.“

Oli:
„Nun gibt es viele Menschen, die sind wahnsinnig fasziniert von diesem Hobby und diesen Tieren, aber viele ekeln sich auch davor! Spinnen sind keine sympathischen Tiere auf den ersten Blick, wie zum Beispiel Hunde und Katzen, woran könnte das liegen?“

Michael Wortmeyer:
„Ja, das ist so eine typische Urangst, diese Angst vor Spinnen. Woher das genau kommt, weiß man nicht. Es gibt Psychologen, die behaupten: Alles was mehr als zwei Beine hat oder sich anders bewegt als der Mensch, da hat der Mensch eine gewisse Urangst davor. Bei Spinnen ist es eben so, sie haben nun mal acht Beine, sie bewegen sich anders und deshalb gibt es viele Menschen, die Angst vor den Tieren haben. Und es gibt ja noch diese Ammenmärchen von wegen dieser Tödlichkeit, das wird von Generation zu Generation überliefert. Man merkt das immer ganz besonders auf den Börsen oder Messen, wenn man die Tiere ausstellt: Kinder haben überhaupt keine Probleme mit den Spinnen, das geht erst dann los, wenn die Eltern dazu kommen und sagen ‚Ieeeeh bah - die sind giftig!’ - So wird schon bei den Kindern sie Angst geschürt! Aber woher es nun genau kommt, es gibt ja auch genügend Leute, sie Angst vor Schlangen haben. Es liegt wohl einfach daran, sie sehen anders aus, sie bewegen sich anders. Man weiß halt nicht so ganz genau, woher die Angst kommt! Ich kann es mir nicht erklären!“

Oli:
„Bleiben wir noch mal beim ‚Einsteiger-Modell’! Wie groß kann die werden und was ist die größte Spinne, die sie hier haben, wie groß ist die?“

Michael Wortmeyer:
„Es kommt immer darauf an, was ist jetzt genau diese Einsteigerspinne?! Normalerweise wird immer eine Brachypelma empfohlen. Ich persönlich empfehle immer eine Brachypelma smithi [mexikanische Rotknie-Vogelspinne, die Red .], die kann, wenn sie gut genährt ist, eine Körperlänge von bis zu sieben bis acht Zentimeter erreichen, das ist schon ein stattliches Tierchen, aber ist dabei noch sehr friedlich. Die können eine Körpergröße von bis zu zwölf Zentimeter erreichen, das entspricht einer Spannweite von ca. 28 bis 30 Zentimeter. Meine größte Spinne hat jetzt so ca. zehn bis elf Zentimeter. Von der Art hatte ich bis letztes Jahr noch ein Weibchen, die hatte zwölf Zentimeter, das war ein richtig imposantes Tierchen!!“

Oli: „Michael Wortmeyer aus Wilhelmshaven, vielen Dank für das Gespräch!“

Der Vogelspinnenstammtisch trifft sich jeden ersten Samstag um 17:30 Uhr im Monat im LokaL Tabak - Buntentorsteinweg 309, 28201 Bremen



(Transkription eines Radiobeitrages. Anhören unter: www.OlisAbendshow.de - Sendung Nr. 5 vom 17. Januar 2007)


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Quelle: OlisAbendshow.de
Bewertung: 5.0
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