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Schlagzeilen | 24.07.2007 23:37  Drucker

Tour de Trance - Träger des Gelben Trikots genießt und schweigt


Die Tour de France gerät zunehmend ins Schlingern. Mit Alexander Winokurow wurde ein weiterer Weltklassefahrer des Dopings überführt. Nur an den schwer unter Verdacht stehenden Führenden des Klassements kommt man nicht ran, weil das Reglement angeblich keine Handhabe bietet.

Tour de Trance - Träger des Gelben Trikots genießt und schweigt

Nachdem auch der wackere Winokurow positiv auf Blutdoping getestet wurde, ist sein Team Astana aus der Tour de France 2007 ausgestiegen, die zur größten Farce aller Zeiten zu werden droht. Wie jetzt bekannt wurde, ist Michael Rasmussen, der Träger des Gelben Trikots, während der letzten drei Jahre kein einziges mal auf die Einnahme verbotener Mittel getestet worden! Er gab am Ruhtag des größten Radrennens der Welt zu, drei Doping-Kontrolltermine verpasst zu haben, machte dafür aber zum Teil "Verwaltungsfehler" verantwortlich und zweifelte die Rechtmäßigkeit der erteilten Verwarnungen an. Nach den Regeln des Weltverbandes UCI reichen drei so genannte "Missed Tests" für eine Sperre zwischen drei Monaten und zwei Jahren. Vom eigenen Verband ist der umstrittene Däne daher von der Teilnahme an den Weltmeisterschaften im September in Stuttgart und von den Olympischen Spielen 2008 in Peking nicht nomminiert worden. "Er hat vier Verwarnungen bekommen, zwei von uns, zwei von der UCI, weil er die zuständigen Gremien in vier Fällen nicht über seinen aktuellen Aufenthaltsort informiert hat", sagte Jesper Worre, der Präsident des Dänischen Radsport-Verbandes (DCU). "Ich kann nicht verstehen, warum sie ihn aus der Tour noch nicht herausgenommen haben". Dagegen sagte UCI-Präsident Pat McQuaid am Dienstag: "Mit allen diesen Spekulationen wäre mir ein anderer Sieger als Rasmussen sicher lieber. Aber er hat keine Regeln gebrochen, deshalb muss man im Zweifel für den Angeklagten sprechen."

Das Problem scheint in der Tat im Tour-Reglement zu liegen. Die Verwarnungen und die Streichung aus dem dänischen Nationalkader kamen erst heraus, als Rassmussen schon im Gelben Trikot fuhr. Der Tour-Leitung sind ohnehin die Hände gebunden, da die Verwarnungen keine Strafe darstellen, die erst eine Disqualifikation erzwingen würde. Zwar gibt es im Reglement der Tour de France einen Passus, der die Möglichkeit eines Ausschlusses vorsieht, wenn ein Teilnehmer "das Image" der Rundfahrt schädigt. Tour-Direktor Christian Prudhomme schreckte aber davor zurück, diese Regel anzuwenden, weil die Gefahr bestand, dass das internationale Sportschiedsgericht (TAS) in Lausanne einen Ausschluss aufgrund dieses Artikels in einem Schnellverfahren kassiert hätte - was dann zu Regressforderungen in Millionenhöhe geführt hätte. Prudhomme erinnerte zudem in einem offiziellen Statement daran, dass "Rasmussen von der UCI, der offiziellen Behörde, die für Kontrollen verantwortlich ist, als geeignet" für eine Teilnahme an der Tour angesehen worden war.

Derweil wird der Träger des Gelben Trikots immer mehr zum roten Tuch für seine Kollegen und deren sportliche Leiter. Der früher übliche eiserne Corpsgeist ist dahin, denn niemand glaubt mehr daran, daß es bei Rasmussen mit rechten Dingen zugeht. Zu auffällig war das brillante Einzelzeitfahren des leichtgewichtigen Kletterkünstlers, der vorher noch nie in seiner Karriere bei einem Zeitfahren aufgefallen war. Es häufen sich die Stimmen aus dem Kollegenkreis, die einen Ausschluß des Schlitzohrs fordern. Der Verdächtigte hüllt sich derweil in Schweigen und gibt nur auf "rein sportliche" Fragen Auskunft. Also fragen wir doch: "Wie fühlen Sie sich nach ihrem zehnten Tag im Gelben Trikot, Mr. Rasmussen?" - "Großartig! Es ist ein Traum!" - "Also wie in Trance?"

Bildquelle: tour-de-trance.de

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Quelle: netzeitung.de
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