Daß die Fürther Landrätin Gabriele Pauli ein Profi im politischen Fingerhakeln ist, hat sie bewiesen, als sie das vermeintliche Schwergewicht Edmund Stoiber über den Tisch zog. Nun hat sie im Machtkampf um den CSU-Parteivorsitz den (Latex-?)Handschuh in den Ring geworfen.

Die Fürther Landrätin Dr. Gabriele Pauli, die schon Bayerns Ministerpräsidenten Edmund Stoiber über die Klinge springen ließ, hat nun ihre Kandidatur für den CSU-Parteivorsitz angekündigt. Sie will sich den Delegierten auf dem Parteitag am 29. September als Alternative zu den Platzhirschen Erwin Huber und Horst Seehofer präsentieren, da mit dem alten Personal keine Erneuerung in Richtung auf eine moderne Volkspartei zu erwarten sei. "Die Kräfte, die den Reformprozess unterstützen, müssen gesammelt werden", begründete die 50-Jährige ihren Entschluss. Sie wolle mehr Offenheit und freie Diskussionen in der Partei bewirken.
Die Gegenkandidaten geben sich unison gelassen: "Es steht jedem frei zu kandidieren" (Huber); "Jeder kann kandidieren, mir macht das keine Angst" (Seehofer). Andere CSU-Granden reagierten mit Spott und Unverständnis: "aussichtslos", "Provokation", "macht sich lächerlich", "schadet der CSU" war der Tenor.
Auch wenn es in der Tat unwahrscheinlich erscheint, daß sich das Parteivolk von der schönen Landrätin bezirzen läßt, der bei ihrer zweiten Wiederwahl vor fünf Jahren satte 65 % der Wähler das Vertrauen aussprachen, Überraschungen sind in Bayern nicht mehr ganz ausgeschlossen. Waren Kampfabstimmungen bei der Wahl auf Spitzenposten in der CSU bis vor kurzem noch ein Ding der Unmöglichkeit - solche Personalien wurden stets in kleiner Runde ausgekungelt, so daß sich dann immer nur ein Kandidat zur Wahl stellte - so scheint sich der Wind in letzter Zeit zu drehen. Das bewiesen erst unlängst die Oberbayern auf ihrem Parteitag, als sie gegen das Votum ihres scheidenden Vorsitzenden Stoiber für Wissenschaftsminister Thomas Goppel sich überaschend mit 63 Prozent für Kultusminister Siegfried Schneider als neuem Vorsitzenden der Oberbayern-CSU entschieden. "Die CSU ist volljährig geworden", kommentierte der Verlierer Goppel das Geschehen trocken.
Der Machtkampf in der CSU verspricht unterhaltsames Sommertheater in Bayern, zumal die Fürther Landrätin nicht nur eine blendende Erscheinung auf der politischen Bühne abgibt, sondern auch blendend auf der Medienklaviatur zu spielen versteht. Es werden noch Wetten angenommen, daß wir sie demnächst nicht nur in Latex, sondern auch in Lederhosen bewundern dürfen.
Foto: www.gabriele-pauli.de
Textquelle: br-online


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