Wenn man es so betrachtet wie der große französischer Literat, muss Kunst nicht gefallen, ebenso wenig, wie Natur gefallen muss. Niemand käme schließlich auf die Idee, zu behaupten, dicke Spinnen und Feuer speiende Vulkane gehörten nicht zur Natur, wohl aber plüschohrige Kaninchen und farbenprächtige Sonnenuntergänge, nur weil letztere hübscher anzusehen sind und uns weniger bedrohlich erscheinen.
Ob es Kunstwerke sind, die er vor sich sieht, liegt genau so wenig im Auge des Betrachters - lediglich, ob sie ihm gefallen, sofern es welche sind. Denn Kunst entspringt der menschlichen Kultur und ist schlicht Ausdruck eines kreativen Prozesses. Und das ist alles, was sie zu sein braucht. Am Ende des künstlerischen Schaffens steht in jedem Fall das Kunstwerk.
Wir alle sind also Künstler oder könnten es zumindest sein. Was es dazu braucht ist lediglich, sich die Freiheit zu nehmen, kreativ zu sein. Nun gibt es Menschen, die von sich behaupten, sie seien nicht kreativ. Aber allein in den Momenten, in denen sie den Kochlöffel zur Hand nehmen und ein Gericht aus dem entstehen lassen, was sie eben an Zutaten vorfinden, eine selbst erfundene kleine Melodie trällern oder am Strand liegend gedankenverloren mit den Fingern feine Linien in den warmen Sand ziehen, haben sie sich bereits selbst widerlegt. Kreativität ist jedem Menschen zu eigen, dem einen mehr, dem anderen weniger, aber sie ist da und sie möchte hinaus gelassen werden.
Wer kreativ sein und dabei Kunstwerke erschaffen möchte, der kann dies im Prinzip zu jeder Zeit an jedem Ort auf seine ganz individuelle Weise tun. Er muss sich nur öffnen und hinaus lassen, was hinaus drängt, sei es nun mit dem Pinsel, dem Meißel oder der Digitalkamera. All diese Gegenstände sind nur Werkzeuge und nehmen wir sie in dem Bewusstsein zur Hand, dass wir nun Kunst schaffen, haben wir am Ende ein Kunstwerk. Und wenn es uns oder anderen nicht gefällt, dann liegt dies nur an der Technik. Aber die kann man ja erlernen.


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