
Einen Spitzenplatz im Kampf gegen den Brustkrebs nimmt das Kooperative Brustzentrum Westpfalz und Nahe ein. Nach einem Jahresbericht der Westdeutsches Brust-Centrum GmbH (WBC) markiere die gemeinsame Leistung der Krankenhäuser in Kaiserslautern, Pirmasens, Landstuhl, Idar-Oberstein und Zweibrücken überdurchschnittliche Erfolge in Diagnose und Therapie bei der Behandlung des gefürchteten Mamma-Karzinoms. Die Westdeutsches Brust-Centrum GmbH ist der führende Anbieter eines Qualitäts-Sicherungs-Verfahrens rund um das Erkennen und die Behandlung von Brustkrebs-Erkrankungen. In dem so genannten Benchmarking fließen die Ergebnisse von derzeit 237 spezialisierten Krankenhäusern aus allen Teilen der Republik zusammen. Aus den Statistiken gehen sowohl die Leistungsdaten der einzelnen Krankenhäuser, als auch die durchschnittliche Gesamtleistung aller angeschlossenen Kliniken hervor.
Nach Auskunft des Chefarztes der Frauenklinik mit Perinatal- und Brustzentrum am Westpfalzklinikum Kaiserslautern, Prof. Hans-Joachim Voigt, werden vor allem solche Zahlen dokumentiert und ausgewertet, die in einem Zusammenhang mit der bestmöglichen Therapie und dem Erhalt von Lebensqualität für die betroffenen Patientinnen stehen. Als ein Beispiel nennt Prof. Voigt den Anteil an Brust erhaltenden Operationen, der sich zwischen 2003 und 2008 im Bundesdurchschnitt der beteiligten Krankenhäuser von 64 Prozent auf 71 Prozent gesteigert hatte. Mit seinen fünf angeschlossenen Kliniken hatte das Kooperative Brustzentrum Westpfalz und Nahe im Jahr 2008 den Bundesdurchschnitt erreicht, bzw. im Fall des Städtischen Krankenhauses Pirmasens, mit 74 Prozent überschritten. Zu den wesentlichen Kriterien für die Qualität von Brust erhaltenden Therapien gehört auch die Dokumentation eines Sicherheitsabstandes, der dafür sorgt, dass der Tumor in einem Bett von gesundem Gewebe entfernt wird. Ziel ist es, tatsächlich alle kranken Zellen aus der Brust zu entfernen, um so das Risiko einer Nachoperation zu senken. Auch in diesem Punkt erreicht das Kooperative Brustzentrum Westpfalz und Nahe den Bundesdurchschnitt von 97 Prozent.
Nach Auskunft des Chefarztes der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Städtischen Krankenhaus Pirmasens kommt es bei der Wahrung des Sicherheitsabstandes aber nicht nur auf das Augenmaß des operierenden Arztes an. Dr. Abdolhamid Huschmand Nia erklärt, dass nicht alle Veränderungen des Gewebes mit bloßem Auge zu erkennen sind. Ein von Ärzten in Pirmasens und Kaiserlautern entwickeltes Verfahren erlaubt es den Medizinern, einen operierten Tumor noch während des laufenden Eingriffes mittels Ultraschall und Röntgenstrahlen zu untersuchen. Ziel ist es, festzustellen, ob der Sicherheitsrand an allen Stellen der Gewebswucherung eingehalten wurde. Ist dies nicht der Fall, ist es Dank des neuen Verfahrens möglich, die genaue Lage des Tumors im Körper zu bestimmen und den nötigen Abstand an der exakt richtigen Stelle zu vergrößern. Das neue Verfahren war erst Anfang des Jahres in der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Inzwischen arbeiten 35 weitere Kliniken nach dem neuen Standard aus Pirmasens und Kaiserslautern. Die WBC-Statistik bescheinigt 93 Prozent aller teilnehmenden Kliniken eine entsprechende Untersuchung. In dem Kooperativen Brustzentrum Westpfalz und Nahe gehört die zusätzliche Diagnose mit 100 Prozent zum Operations-Alltag.
Dass es aber bei allen Bemühungen um möglichst große Genauigkeit in Diagnose und Therapie mit der Dokumentation „so eine Sache“ sei, bestätigt Prof. Voigt auf Nachfrage. Die Forderung, das WBC-Benchmarking-Programm fortlaufend, bei jedem Arbeitsschritt und durch alle Kliniken mit Informationen zu füttern, sei eine Aufgabe, die zusätzliches Personal erfordert. Um den hohen Standards, zum Beispiel im Blick auf eine künftige Zertifizierung des Kooperativen Brustzentrums Westpfalz und Nahe, zu entsprechen, gelte es, zahlreiche weitere interne und externe Qualitätssicherungsmaßnahmen zu dokumentieren. Eine Aufgabe die die medizinischen Teams der Kliniken bislang unentgeltlich und zusätzlich zu ihrer ärztlichen und pflegerischen Leistung erbringen.
Ein besonderes Problem sieht Prof. Voigt derzeit auch bei der abschließenden Dokumentation von fachgerechten Nachbehandlungen, die meist ambulant erfolgen und über mehrere Monate fortgesetzt werden. Hinzu kommt, dass es in dem Fall jeder einzelnen Patientin ein komplexes System von begleitenden Besprechungen gibt, bei denen das Ergebnis jedes Arbeitschrittes mit den Fachleuten der kooperierenden Kliniken besprochen wird und die weitere Behandlung in wieder eigenen Konferenzen abgestimmt werden muss. All dies gilt es, in der WBC-Software festzuhalten und so zu einem bundesweit einheitlichen Qualitätsstandard beizutragen.
„Der große Aufwand zeigt, wie ernst wir das frühe Erkennen und die Behandlung des Mamma-Karzinoms nehmen“, sagt Prof. Voigt. „Bei 56.000 Neuerkrankungen im Jahr sind Vorsorge, Diagnose und Therapie in nachweislich qualifizierten Brustzentren von unschätzbarem Wert für Lebensqualität und -erwartung jeder einzelnen Frau.“


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