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Standard-ProfilbildKathrin Wischnath
1506 Punkte
Wirtschaft | 10.03.2009 11:22  Drucker

Aktive Krisenbewältigung


Kolumne zur Finanzkrise

Eichenscheite verbrennen im Holzofen, hier wärme ich meine kalten Füße, 2008 hat das immer funktioniert. Auch meine Fondsgelder vor weiteren Abstürzen zu bewahren, indem ich sie meiner Hausbank anvertraue, schien mir in 2008 eine sichere Sache zu sein. In er heutigen Tageszeitung lese ich, dass diese Bank soeben 400 Millionen Euro in heiße Luft verwandelt hat.

2009 ist das Jahr, in dem nichts mehr sicher ist. Dieses Jahr weckt in mir mehr niedere Instinkte als dereinst die Warteschlange am Weltspartag. Ich habe lange in Schwaben gewohnt, in Sparwiesen, direkt gegenüber der Sparkasse. Das prägt. Ich war immer die Erste am Sparkassenschalter. Mein Sparkassenmann erklärte mir den roten Eintrag im Sparbuch damit, dass mein Geld sehr fleißig arbeite. Die Idee gefiel mir besser als mein Job. Anstatt bei jedem Wetter hinausgehen zu müssen um Zeitungen auszutragen, würde ich zukünftig mein Geld für mich arbeiten lassen. Es funktionierte, nur der Ertrag fiel zu gering aus. Deshalb suchte nach weiteren Möglichkeiten effektiver Wertsteigerung.

Lodernde Flammen fressen Reste von Eichenscheiten, in mir brennt die quälendste meiner ungefragten Kindheitsfragen: Warum hat das System mit den Kettenbriefen nie funktioniert?
Ihr Versprechen war eindeutig. Ganz legal und mit wenig Investition würde man in den Besitz unzähliger Tafeln Schokolade kommen. Lange bevor ich Virginia Woolf las, war ich besessen von dieser Idee: einem Zimmer voller Schokolade nur für mich allein. In jeden Kettenbrief investierte ich zehn Tafeln Schokolade, bekam aber nie mehr als acht zurück, oft von schlechterer Qualität. Es war auch Scham, die mich stumm machte. Alle schienen zu wissen, warum Kettenbriefe gar nicht funktionieren können. Alle außer mir. Doch die Zeit des Wartens ist jetzt vorbei. Die Schokolade wird nicht mehr eintreffen und meine Hausbank hat mein Erspartes vielleicht schon verheizt. Ich muß mein Schicksal selbst in die Hand nehmen, jeder muß das in 2009. Natürlich, Zweifel bleiben. Bin ich heute, wo es wirklich drauf ankommt, immer noch die Erste am Kassenschalter? Es gibt jetzt Jüngere, Schnellere, Durchsetzungsstärkere als mich. Die Krise ist bei mir angekommen, die Schokolade nicht und in meinem Ofen glimmt gehässig die letzte Glut.

Ich greife zum Telefonhörer. Wer, wenn nicht mein Sparkassenmann, kann mir die Zusammenhänge zwischen dem Dahinschmelzen der Fondsgelder, dem Verbleib der fehlenden Schokoladen und der heißen Luft in meiner Hausbank erklären?
Der lebe nicht umsonst auf Jersey, sagt man mir bei der Sparkasse in Sparwiesen. Na ja, in gewisser Weise lebe er doch umsonst dort, sagt er mir, als ich ihn endlich am Telefon habe. Jersey sei derzeit das angesagteste Steuerparadies. Bei der Sparkasse sei er schon lange nicht mehr, das mit dem Arbeiten habe sein Geld längst für ihn erledigt. Und dann endlich erklärt er mir alles, ganz genau. Er spricht lange und schnell: von der Greater-Fool-Theory und von Bretton Woods, vermutlich habe ich immer noch nicht alle Details der Regeln am Finanzmarkt verstanden, aber für einen Plan, der mich aus der Krise führt, reicht es.

Mein gesamtes restliches Vermögen werde auf der Stelle in Sachwerte umsetzen, in Schokolade. Um sie gegen die Inflation abzusichern, esse ich sie auf, lege sie rund um meine Hüften an. Was dort erst einmal landet, ist noch nie rückstandsfrei verbrannt. Danach fange ich wieder an Kettenbriefe zu schreiben. Mit einem relevanten Unterschied: Diesmal werde ich diejenige sein, die am Anfang der Kette steht. Die nichts riskiert und trotzdem Gewinne macht.
Das ist nicht gerade ein Dienst an der Menschheit, aber das ist auch nicht was man von einem Kind des Kapitalismus erwartet. Ich bin eines seiner gebrannten Kinder, habe wertvolle Lebensjahre lang unwissentlich eine gigantische Schokoladenblase genährt. Durch die Krise sehe ich mich nun dazu gezwungen die Seiten zu wechseln. Doch verspreche ich, das sich mein Schicksal nicht zwangsläufig wiederholen muß: Ich jedenfalls garantiere allen Investoren größtmögliche Transparenz über den Fluß der Kettenbriefwerte.
Das sei viel mehr, als die meisten Banken tun, sagt mir zum Abschied der Mann, der sein Leben auf Jersey genießt. Ich denke, er weiß wovon er redet.

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 Kommentare

1 Kommentare / Kommentar schreiben

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Lesari

30.03.2009 12:04

Mir ist nicht so klar, was damit ausgesagt werden soll. Ja, die Zeiten nicht gut, doch wir können das Beste daraus machen.

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