Der Absinth erfreut sich seit den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts immer größerer Beliebtheit und gilt in letzter Zeit als das In-Getränk schlechthin. Ein Grund für seine Beliebtheit sind die mit ihm verbundenen Rituale, die den Genuss zu einem richtigen Erlebnis machen und in feierlicher Runde zelebriert werden.
Das bekanntest Ritual ist wohl das französische. Bei ihm wird eine kleine Menge Absinth in ein Glas gefüllt. Über dieses Wird ein Löffel mit einem Stückchen Zucker gegeben, über das dann langsam Wasser gegossen wird, sodass sich der Zucker auflöst und in den Absinth rinnt. Dies hat zur Folge, dass der Absinth sich eintrübt und sein vorher leuchtendes Grün einen milchigen Ton annimmt. Mann kann aber auch den Zucker mit etwas Absinth beträufeln und diesen dann anzünden. Dies dient auch dazu, den Zucker zu schmelzen und sieht sehr eindrucksvoll aus.
Dennoch ist der Kult des Absinthtrinkens keine Erfindung der Neuzeit. Nachdem der Absinth gegen Ende des 18. Jahrhunderts in der Schweiz erfunden wurde, avancierte er sehr bald zum Arzneimittel der französischen Armee aufgrund der ihm zugeschiebenen guten Heilkräfte gegen Durchfall und Bakterien. Von da an war sein erster Siegeszug nicht mehr aufzuhalten und er wurde sehr bald schon das Lieblingsgetränk der gesamten Gesellschaft. Der übermäßige Alkoholgenuss dieser Zeit blieb aber leider nicht folgenlos und alle Folgen wurden dem Absinth zu Lasten gelegt, so dass dieser schließlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts verboten wurde. Dennoch verschwand der Absinth nicht völlig von der Bildfläche, sondern wurde weiterhin in der Halbwelt der Künstler und Habenichtse zelebriert, sodass es nur einer Frage der Zeit war, bis er „wiederentdeckt“ wurde.


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